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| 19:15 Uhr

Im Dialog
Luckaus Jugend will mitreden

 Hauptamtsleiterin Birgit Lehmann (r.) erarbeitet gemeinsam mit den Jugendlichen im Rathaussaal Möglichkeiten der Beteiligung. Sozialarbeiterin Birgit Neumann (l.) notiert die Ideen.  
Hauptamtsleiterin Birgit Lehmann (r.) erarbeitet gemeinsam mit den Jugendlichen im Rathaussaal Möglichkeiten der Beteiligung. Sozialarbeiterin Birgit Neumann (l.) notiert die Ideen.   FOTO: Andreas Staindl
Nach dem ersten Stammtisch wünschen sich Teilnehmer regelmäßig Foren dieser Art. Von Andreas Staindl

Jugendliche sind an der Entwicklung der Stadt Luckau interessiert. Sie wollen mitreden, sich einbringen, wollen ernst genommen werden. Das ist während des Kinder- und Jugendstammtisches am Freitagabend in Luckau deutlich geworden. 15 Jugendliche aus der Kernstadt und den Ortsteilen sind der Einladung in das Rathaus gefolgt. Birgit Neumann war über das große Interesse „überrascht“. Die Sozialarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hatte zum Stammtisch eingeladen. Ziel war es, den Nachwuchs über Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren und über geeignete Instrumente sowie Strukturen zu diskutieren.

Seit Juni des vergangenen Jahres sind Kommunen im Land Brandenburg verpflichtet, Kinder und Jugendliche in allen sie berührenden Gemeindeangelegenheiten zu beteiligen. Dies ist im neuen Paragraf 18a der Brandenburger Kommunalverfassung gesetzlich geregelt. Das neue Recht soll dem Nachwuchs zeigen, wie Demokratie funktioniert. Die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen soll in der Hauptsatzung der Stadt Luckau festgeschrieben werden. Was dort fixiert werden könnte, darauf hat Luckaus Hauptamtsleiterin Birgit Lehmann am Freitagabend erste Hinweise erhalten.

Die anwesenden Jugendlichen wünschen sich ein offenes Jugendforum ohne starre Strukturen, jedoch schon mit Leuten, die sich den Hut aufsetzen, eventuell den Vorstand bilden. Ein Jugendparlament fand keine Zustimmung, ebenso nicht die Idee eines Jugendbeirats.

„Ich favorisiere ein moderiertes Forum ähnlich dem heutigen Stammtisch“, sagt Thomas Zeibig. Auch Birgit Neumann ist „gegen ein festes Gremium. Jugendliche müssen und wollen sich ausprobieren. Das können sie in offenen Treffen einfach besser.“ Detlef Reinicke, Sozialarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), schlägt in die gleiche Kerbe: „In einem offenen Forum können die Leute kommen und gehen, sind sie an keine festen Strukturen gebunden. Weniger Zwang ist manchmal mehr.“

Die Jugendlichen am Freitagabend machten jedoch deutlich, dass sie von Kommunalpolitik und Verwaltung gehört werden, sie in der Stadt eine Stimme haben wollen. „Für mich ist wichtig, dass wir nicht nur mitreden, sondern auch mit entscheiden können“, sagt der Elftklässler Calvin Kuschke. Kinder und Jugendliche können zumindest ihre Positionen deutlich machen. Möglich ist das etwa in Ausschusssitzungen und Stadtverordnetenversammlungen wie Birgit Lehmann erklärt.

Sie will den Stadtverordneten auch vorschlagen, eine Kinder- und Jugendfragestunde zu Beginn von Sitzungen in der Hauptsatzung festzuschreiben. Auch aufsuchende direkte Gespräche beim Nachwuchs vor Ort etwa im Hort, Jugendklub oder in der Schule sollen verbindlich werden. Im Februar dieses Jahres soll es die erste Lesung der überarbeiteten Hauptsatzung, im April 2019 dann die Beschlussfassung geben; Ergänzungen und Nachträge seien später möglich, erklärt Birgit Lehmann.

Interessierter Nachwuchs ist zur Lesung eingeladen - natürlich auch zu allen anderen öffentlichen Sitzungen. Während der nächsten Bauausschusssitzung am 15.Januar ab 18.30 Uhr wird beispielsweise über die Raumnot in der Grundschule und im Hort diskutiert sowie die Schul- und Hortentwicklungsplanung vorgestellt. „Junge Leute sind herzlich willkommen, zuzuhören, sich aber auch mit Ideen einzubringen“, sagt die Hauptamtschefin.

Geklärt werden müssen noch die Kommunikationswege zwischen der Verwaltung, den Sozialarbeitern sowie den Kindern und Jugendlichen. Die jungen Leute favorisieren den Online-Dienst Instagram. Informationen auf klassischem Weg erreichen sie kaum noch. „Wir sind bei der Wahl der optimalen Kommunikation auf die jungen Leute angewiesen“, sagt Stefanie Schulz, „denn wir Sozialarbeiter sind nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das habe ich heute Abend gelernt.“

Birgit Lehmann hatte sogar einen virtuellen Jugendklub ins Spiel gebracht. Ihr Gedanke fand jedoch keine Zustimmung. „Ich möchte mich mit anderen Menschen direkt austauschen und sehen, wie sie reagieren“, sagt Calvin Kuschke. Das soll künftig mit regelmäßigen Stammtischen und idealerweise einem Vorstand passieren. Eingeladen sind alle Kinder und Jugendlichen der Stadt Luckau inklusive der Ortsteile. Um die Organisation und Themen muss sich der Nachwuchs selbst kümmern. Sozialarbeiter und Verwaltung bleiben jedoch Ansprechpartner wie Birgit Lehmann sagt. Die Hauptamtsleiterin war mit dem Kinder-und Jugendstammtisch am Freitagabend „sehr zufrieden. Er war informativ und konstruktiv.“