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| 18:02 Uhr

Ein Buch in Fläming Platt
Ein Buch aus „Schene“

Johannes Häke schreibt derzeit an einem Buch in Flämingscher Mundart. Der Erhalt des Dialektes liegt ihm am Herzen.
Johannes Häke schreibt derzeit an einem Buch in Flämingscher Mundart. Der Erhalt des Dialektes liegt ihm am Herzen. FOTO: LR / Anja Brautschek
Schöna-Kolpien. Johannes Fläming schreibt in Mundart. Einnahmen sollen für kranke Kinder gestiftet werden. Von Anja Brautschek

„Van Doahme us kimmt man ewer Schwemdorp noa Kolpen un Schene“. Für den einen mag ein Satz wie dieser wie Kauderwelsch klingen. Für Johannes Häke ist es jedoch gelebte Tradition. Seit seiner Kindheit beschäftigt er sich mit dem Dialekt Fläming Platt. Derzeit arbeitet er an einem eigenen Buch in dieser Mundart.

Mehr als 50 Geschichten und Gedichte hat er dafür zusammengetragen und selbst verfasst. „Ich möchte die Mundart wiederbeleben und für künftige Generationen festhalten“, sagt der 70-Jährige aus Schöna-Kolpien. Manche dieser Geschichten sind schon mehr als 50 Jahre alt, andere hat der Rentner für bestimmte Anlässe wie das Feuerwehr-Jubiläum verfasst. Sowohl lustige als auch ernste Anekdoten sind dabei. In jeder Geschichte schwingt jedoch eine Botschaft für den Leser mit. „Ich möchte die Leute zum Nachdenken anregen – selbst wenn die Geschichte zum Schmunzeln ist“, sagt er.

Der Umfang und der Buchtitel stehen bereits. Nun geht es an den Druck. „Vielleicht findet sich dafür noch der ein oder andere Unterstützer. Es entsteht alles in Eigenregie ohne Verlag“, erklärt er. Johannes Häke hofft auf engagierte Firmen oder Einwohner, da er mit dem Buch einen weiteren Ansatz verfolgt. Nicht nur die Pflege alter Tradition liegen ihm am Herzen. Er möchte damit auch gleichzeitig Familien in der Region unterstützen, die Hilfe benötigen. In seiner Familie gibt es ein Kind mit einer Erbkrankheit. Auch andere Familien in Schöna oder den Nachbardörfern haben mit anderen Krankheiten zu kämpfen, sagt er. Therapien seien oftmals teuer, die Förderung schwierig. „Das Geld aus dem Buch möchte ich solchen Familien zukommen lassen“, erklärt er. Auch die Familie unterstützt das Vorhaben. So hilft die Enkeltochter unter anderem beim Abtippen der Geschichten. „Ich finde es toll, dass sie die Mundart interessiert“, sagt er.

Über ein Jahr arbeitet er bereits an der Umsetzung seiner Idee. Viele der Geschichten stammen aus seinem vorhandenen Repertoire, andere sind erst für das Buch entstanden. Inspiration dafür sammelt er aus seinen persönlichen Erlebnissen oder dem Alltag in Schöna.

Seit seiner Kindheit ist Johannes Häke mit dem Dialekt aufgewachsen. Schon seine Eltern haben Fläming Platt gesprochen. Mundart und die unterschiedlichen Ausprägungen des Dialektes haben ihn seit je her gereizt. „Mein Vater kommt aus einem anderen Ort. Da hat man manche Wörter ganz anders gesprochen“, erinnert er sich. Über die Jahre hat er seinen flämingschen Wortschatz immer mehr erweitert und sich auch mit den regionalen Besonderheiten auseinandergesetzt. Er bedauert, das heute auf den Dörfern der Dialekt kaum noch zu hören ist. In Schöna holt er deshalb regelmäßig die alte Sprache zurück in die Gegenwart. Für die Traditionswehr des Ortes schlüpft er in die Rolle des „Hauptmanns von Schene“. Zu Festen, runden Geburtstagen oder Jubiläen unterhält er die Gäste so mit selbstgeschriebenen Geschichten über den Ehrengast – natürlich in Mundart.

Ähnlichkeiten in der Sprache sieht er vor allem mit dem Niederländisch. Die Betonung und Wortstämme erkenne er häufig bei den Nachbarn wieder. „Viele vergleichen es auch mit Berlinerisch. Doch die Grammatik ist unterschiedlich“, beschreibt Johannes Häke den Dialekt.

Das Gesproche in lesbare Texte zu verwandeln, sei eine zusätzliche Herausforderung. Manche Wörter müssen aus diesem Grund angepasst werden, damit der Leser auch heute noch den Zusammenhang versteht. „Sprache verändert sich ja auch. Das Flämisch vor 100 Jahren ist anders, als ich es gelernt habe“, so Häke. Bis heute hat er nicht genug vom Dialekt. „Solange ich fit bin, schreibe ich weiter in Mundart. Es gibt immer noch Wörter, die auch ich nachschlagen muss“, sagt der 70-Jährige.