(asd) Welche Probleme lösen und welche schaffen Religionen in der Gesellschaft? Das Thema ist spannend und lockte kürzlich 35 Besucher zum interreligiösen Gespräch in den Heinrich-Schütz-Saal in Dahme. Die evangelische Kirchengemeinde Dahme hatte dorthin auf Initiative des Instituts „Neue Impulse“ e.V. und der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg eingeladen. Dahmes Pfarrer Carsten Rostalsky freute sich über das große Interesse an dieser Veranstaltung, bedauerte allerdings ein wenig, dass die Oberschule abgesagt hatte.

Spannend war der Abend auch so. Dafür sorgten schon die Vertreter verschiedener Religionen. Jude, Moslem, Atheist, Christin und Buddhistin saßen gemeinsam im Podium. „Wir wollen mit dem Thema auch provozieren“, sagte Rudi-Karl Pahnke, der das Gespräch leitete, und schob die Begründung gleich hinterher: „Antisemitismus ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Die Runde in Dahme sollte also auch Verständnis wecken. Verständnis für die andere Art zu glauben, zu leben, zu denken und zu fühlen. „Wir alle sind nur Teil eines großen Ganzen“, sagte der Rabbi Walter Rothschild. „Es ist ganz egal, was wir glauben und fühlen.“ Für ihn haben „religiöse Menschen eine andere Perspektive auf das Leben, weil sie in mehr Dimensionen leben als nicht gläubige Menschen“.

Karsten Krampitz ist Atheist. Er lehnt den Glauben ab. Seine Begründung ist einfach. „Wenn es Gott tatsächlich gibt, dann hat er sich mir noch nicht präsentiert. Zudem wären wir Atheisten dann etwas Besonderes, denn wir kommen allein zurecht. Und die Heilige Schrift, die ist von Menschen gemacht.“ Der Schriftsteller und Journalist ist überzeugt: „Ethisches Handeln ist auch ohne Religionen möglich.“

Sie geben aber „Antworten über das Leben hinaus“, wie die Buddhistin Kusaladhamma Anagarika sagte. Mit Said Arif Ahmed saß auch ein Moslem im Podium. Der Imam sagte: „Religiöse Menschen sind drei- statt zweispurig unterwegs.“ Die evangelische Pfarrerin Britta Rostalsky komplettierte die Runde. Sie hatte sich, wie die anderen Akteure auch, dem Thema des Abends in Gruppenarbeit genähert. Ihr Fazit: „Vom Glauben kommt man schnell zur Politik und zu anderen gesellschaftlichen Fragen.“ Die Frage, welche Rolle Macht in den einzelnen Religionen spielt, bewegte sie dann noch ein bisschen mehr: „Wo Religion und Macht vorhanden sind, ist Religion gefährdet, ist es aus mit dem Glauben.“ Die Pfarrerin geht in diesem Zusammenhang hart mit Papst Franziskus ins Gericht, der Abtreibungen mit Auftragsmord verglichen hat.

Schaffen Religionen also Probleme? „Nein“, sagte Said Arif Ahmed. „Probleme werden von Menschen geschaffen und von Religionen gelöst.“ Er räumte allerdings auch ein, dass „im Namen der Religion schlimme Dinge passieren.“ Der Moslem zog einen anschaulichen Vergleich: „Religion wird genauso missbraucht wie ein Messer. Man darf nicht das Messer verteufeln, sondern den, der es missbraucht.“ Im Übrigen seien Atheisten auch nicht frei von Intoleranz. Der Imam beantworte zudem Fragen über das Verhältnis von Frauen und Männern im Islam, auch zum Fasten und Beten beispielsweise, und warum muslimische Flüchtlinge nicht immer miteinander klarkommen, manchmal sogar aufeinander losgehen. Seine Position dazu hat er deutlich gemacht: „Religion ist Achtung und Liebe unter den Menschen. Doch das gelingt nicht immer.“

Wäre eine Welt ohne Religion besser? Karsten Krampitz hat diese Frage mit Besuchern diskutiert. Sein Fazit zog er augenzwinkernd: „Leben und Sterben ohne Gott ist genauso schei... wie Leben und Sterben mit Gott.“ Kusaladhamma Anagarika sprach von „netten Gesprächen und aufgeschlossenen Menschen“, während des interreligiösen Gesprächs in Dahme.

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde sahen das offenbar ähnlich. Sie wünschen sich eine Fortsetzung. Rudi-Karl Pahnke empfahl, in  den jeweiligen Kirchengemeinden der Besucher das Thema weiter zu diskutieren.