ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:56 Uhr

In Gießmannsdorf
Ein Herz für Vogelkinder in Not

 Geduldig wartet die junge Ringeltaube auf ihr Frühstück von Tierschützerin Ingrid Stephan.
Geduldig wartet die junge Ringeltaube auf ihr Frühstück von Tierschützerin Ingrid Stephan. FOTO: LR / Carmen Berg
Gießmannsdorf. Ingrid Stephan peppelt verletzte Tiere auf und sucht für ihre ehrenamtliche Arbeit Nachfolger.

Geduldig sitzt die Ringeltaube auf dem Korbrand und wartet aufs Frühstück, eine Spezialmixtur, die ihr die Gießmannsdorferin Ingrid Stephan mit Fingerspitzengefühl in den Schnabel spritzt. Von der Mutter würde sich die Jungtaube die Nahrung aus dem Kropf holen. „Doch das geht ja bei uns Menschen nicht“, sagt die Tierschützerin. Deshalb hat ihr Mann Armin die Spritze mit einer beweglichen Spitze ausgerüstet.

Die kleine Taube hatten Leute beim Mähen gefunden und sich an den Biologischen Arbeitskreis gewandt. Katharina Illig brachte den nestjungen Vogel nach Gießmannsdorf wie schon manch anderen zuvor. „Es ist in der Region die einzige Anlaufstelle, wenn jemand verletzte Tiere hat“, erklärt sie.

Ingrid Stephan hilft seit 30 Jahren Kleintieren in Not auf die Pfoten und Krallen. Katzen, Igel, Eichhörnchen peppelte sie auf und „an Vögeln so ziemlich alles außer Störchen und Straußen“, wie sie erzählt. Vierbeinern und Gefiederten gehört ihre ganze Leidenschaft, wenngleich nicht jeder in ihrer Umgebung dafür Verständnis habe. „In der Natur wird so viel kaputt gemacht. Meine Arbeit ist ein kleiner Teil Wiedergutmachung für das, was der Mensch gedankenlos begeht“, sagt sie.

Doch inzwischen ist Ingrid Stephan 79 Jahre alt, und die Gesundheit ist nicht mehr die beste. Sie muss ruhiger treten und würde den Staffelstab deshalb gern an andere Tierfreunde weitergeben.

Um den Tieren zu helfen, brauche man kein Diplom, sagt sie. Sie selbst habe vieles bei anderen erfragt und sich belesen. „Gern würde ich mein Wissen weitergeben“, bietet sie an. Gut wäre es aus ihrer Sicht, wenn sich mehrere Menschen – rüstige Senioren beispielsweise, die noch eine Aufgabe suchen – die Verantwortung teilen. Denn für die Tiere da zu sein, das koste Kraft und Zeit, räumt sie ein. „Ich habe noch keinen Tag Urlaub gehabt, denn es waren immer Schützlinge da, um die ich mich kümmern musste“, so die Gießmannsdorferin.

Im vergangenen Jahr wurden ihr viele verwaiste kleine Schwalben und Mauersegler gebracht. „Schwalben müssen von früh bis spät alle zwei Stunden mit der Pinzette gefüttert werden. Sie sitzen dann wie die Orgelpfeifen und sperren die Schnäbelchen auf“, beschreibt Ingrid Stephan die Prozedur. Auch für die Singvögel hält sie passendes Futter parat. Ihr ausgefallenster gefiederter Gast sei ein Pirol gewesen, der an der Straße nach Lübben gefunden wurde. Auch ihn bekam sie wieder fit, er konnte später von einem Förster ausgewildert werden.

„Es macht Spaß zu sehen, wie die Mühe sich auszahlt und wie die Tiere sich entwickeln“, sagt Ingrid Stephan. Besonders gut sei das bei Vogelkindern zu beobachten. „Abends sind sie noch ohne Federn, und am nächsten Morgen lugen dann die kleinen Spitzen.“ Auch die Ringeltaube sei ohne Kleid  zu Stephans gekommen. „Und hat sie sich nicht prächtig herausgemacht?“, freut sich die Gießmannsdorferin.

Katharina Illig wünscht sich, dass es auch in Zukunft weiterhin Ehrenamtliche geben wird, denen verletzte Vögel und Kleintiere am Herzen liegen. Das jahrzehntelang erworbene Wissen von Ingrid Stephan sollte nicht verloren gehen, sagt sie  und ist gern bereit, an Interessierte den Kontakt nach Gießmannsdorf zu vermitteln.

Katharina Illig ist erreichbar unter der Luckauer Telefonnummer 03544 2724.