Von Birgit Keilbach

Reges Leben herrscht in der Natur auch während der Wintermonate. Was dem menschlichen Auge sonst meist verborgen bleibt, das offenbart die leichte Schneedecke. „Wir haben großes Glück, denn wir können in diesem Jahr viele Spuren sehen“, sagt Wildnispädagoge Michael Hauptvogel.

Bevor die Entdeckungstour startet, macht er die sechs Kinder erst einmal damit vertraut, wie die Abdrücke der verschiedenen Tiere überhaupt aussehen und worauf beim Spurenlesen zu achten ist. Anhand von Gipsabdrücken der verschiedensten Tiere arbeiten sie Unterschiede heraus. Welches Tier hat Krallen, welches nicht, warum heißen Reh und Wildschwein Schalenwild, und wie erkenne ich, in welche Richtung ein Tier gelaufen, gesprungen oder gehüpft ist?

An einem Rehfell können sie sich die Hufe genau anschauen, so erschließt sich ihnen gut, wie die Abdrücke entstehen. Auch ein Waschbärenfell reicht der Wildnispädagoge herum und erläutert dazu, welche besonderen Merkmale die Abdrücke haben, die aussehen, wie eine Kinderhand. Dass der Dachs seinen Bau im Winter bis zu fünf Meter in die Erde hineingräbt, erfahren die Kinder. Wie kräftig seine Krallen für diese Arbeit ausgebildet sind, können sie sich an einem Dachsfell genau anschauen.

„Bei uns im Garten haben wir viele Spuren gesehen und einen Waschbär, der war sooo groߓ, erzählt Malte Richter und breitet dabei seine Arme aus. Wenn er tatsächlich sehr groß war, dann habe es sich vielleicht um einen Marderhund gehandelt, regt Michael Hauptvogel bei der nächsten Beobachtung zum genaueren Hinschauen an. Wie sich die Spuren der zwei Tiere unterscheiden, können die Kinder in einem kleinen Heft sehen.

Katina Schröter, Mitarbeiterin im Naturerlebniszentrum, gibt den Sechs- bis Elfjährigen noch einige Rätsel auf. Wer hält Winterschlaf, wer nur Winterruhe, und wer ist das ganze Jahr über aktiv? Die Kinder kennen sich aus und erraten Fledermaus, Eichhörnchen und Buntspecht schnell. Wie die Zapfen von Fichte und Kiefer aussehen, nachdem der Buntspecht die Samen aus ihnen herausgepickt hat, können sie sich genau anschauen.

Dann geht es los mit der Spurensuche. Nur wenige Schritte, schon haben sie die erste entdeckt. Schnell steht fest, hier ist ein Fuchs unterwegs gewesen. „Er setzt seine Hinterpfoten exakt an die Stelle der Vorderpfoten, dadurch entsteht diese gerade Spur. Deshalb sagt man auch, der Fuchs schnürt“, erläutert Michael Hauptvogel. Ein gutes Stück weit können alle der Fuchsspur folgen, doch zu seinem Bau führt sie nicht. Dafür sind unterwegs viele weitere Spuren zu entdecken. Eine Amsel ist im Schnee gehüpft, Mäuse haben viele Spuren mit ihren kleinen Pfötchen hinterlassen. Ein Feldhase ist übers Gelände gehoppelt. „Diese vier Abdrücke in Form einer Sieben sind typisch“, so der Wildnispädagoge.

Alexander Welkisch aus Reichwalde und Philipp Lehmann aus Kasel-Golzig helfen dabei, die Spur zu dokumentieren. Sie messen sie aus, und dann wird sie fotografiert. Ein Stück weiter ist gut zu sehen, dass sich der Hase hingesetzt hat. „Die langen Abdrücke sind von den Hinterbeinen“, weiß Pascal Jähde. An der Uferwand ist dann eine ganze Reihe von Eingängen zu entdecken. Ob in den Bauen Dachs oder Fuchs oder andere Tiere wohnen, lässt sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Dafür entdecken sie einen Wildwechsel, auf dem die Tiere regelmäßig zum Trinken ans Ufer des Schlabendorfer Sees laufen. „Auf dem Rückweg haben wir eine lange Spur von Mäusen gesehen, die sah aus wie eine Schlange“, erzählt Philipp Lehmann.

„Ich habe zu Hause auch schon eine Hasenspur gesehen“, erzählt Vanessa Borchardt. Die Sechsjährige wohnt in Berlin und verbringt diesen spannenden Ferientag in Wanninchen mit ihrer Oma Hannelore Lott. „Es ist sehr interessant, und alles wird gut erklärt. Mir gefällt, wie gut die Kinder mit einbezogen werden“, sagt die Luckauerin.

Für den achtjährigen Pascal Jähde war es spannend, die Fuchsspur über eine lange Strecke zu verfolgen. Er ist seit einem Jahr auch in der Wanninchener Naturforscher AG aktiv. „Wir haben eine Hütte aus Ästen und Zweigen gebaut und hier auch schon mal übernachtet“, erzählt er. Die Beobachtungen der Vögel im Wald gefielen ihm, und beim Picknick seien auch Ameisen und Käfer zu beobachten gewesen. „Ich möchte jetzt in der Fortgeschrittenen-Gruppe weitermachen“, sagt Görlsdorfer.

Eine neue Gruppe junger Naturforscher für Kinder ab Klasse zwei startet am Samstag, 16. März, im Naturerlebniszentrum Wanninchen. Jeweils einmal im Monat können sich die Mädchen und Jungen dann in der Natur auf Entdeckungsreise begeben. Weitere Informationen und Anmeldungen sind telefonisch unter 03544/557755 oder per E-Mail: wanninchen@sielmann-stiftung.de.