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| 01:09 Uhr

In Glienig fliegen die Fäuste

Glienig.. Karl-Heinz Brünig lässt nicht locker. Boxen ist sein Leben, seine Leidenschaft. Und die will er unbedingt auch jungen Leuten vermitteln. Seit 1998 bietet er in Glienig, einem Ortsteil der Gemeinde Steinreich, Boxtraining an. Andreas StaindlAndreas Staindl

Eigentlich könnte sich der 66-Jährige längst zur Ruhe setzen und sein Rentnerleben genießen. „Nein, nein,“ wehrt er ab. „Das ist nicht mein Ding. Ich will etwas bewegen, den jungen Leute eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten,“ sagt er mit Bestimmtheit.
Man nimmt es ihm ab. Brünig wirkt putzmunter, sportlich durchtrainiert. Seine Augen funkeln, wenn er übers Boxen spricht. Fast scheint es, als durchlebe er seine Kämpfe immer wieder neu. Als Jugendlicher und junger Mann stand Brünig selbst im Ring, war auf regionaler Ebene erfolgreich, damals noch im Raum Essen.
1961 zog es ihn in die DDR, seit etwa 20 Jahren lebt er mit seiner Frau in Glienig. In einem kleinen Keller begann er vor sieben Jahren seine zweite Karriere als Übungsleiter. Zahlreiche Jungen waren begeistert, auch ein Mädchen trainierte mit. „Es waren schon einige talentierte Kinder dabei“ , erinnert sich Brünig etwa an Rene Bieß (Altgolßen), Tobias Schulze (Wildau-Wentdorf), Christoph Pötzschke (Golßen) oder den Glieniger Sebastian Rahtz, der auch heute wieder dabei ist.
Matthias Schülke (Schönerlinde) boxte 1999/2000 bei den Landesmeisterschaften und stand bei den Cottbuser Stadtmeisterschaften sogar einmal im Halbfinale, „worauf ich sehr stolz war“ , gesteht der Trainer. Der ganz große Erfolg blieb jedoch aus - bis jetzt zumindest. Den Keller als Übungsraum gibt es nicht mehr.
Karl-Heinz Brünig hat inzwischen die Scheune auf seinem Hof zum gut ausgestatteten Box-Trainingsraum umgebaut. Den Ring bekam er vom Sportclub Cottbus geschenkt, auch etliche der Trainingsgeräte wie beispielsweise Sandsäcke und Birnen.
Mit den Boxern in Cottbus kooperieren die Glieniger Faustkämpfer seit Jahren, fahren regelmäßig zum Sparring dorthin. „Das ist ein ganz schön anstrengendes Training, weil die Partner oft schwerer sind“ , erzählt Benjamin Stöwer. Der 17-jährige Glieniger trainiert seit etwa einem Jahr regelmäßig bei Karl -Heinz Brünig und sagt: „Das Boxtraining hat meine Fitness ungemein verbessert. Ich bin im Schulsport viel stärker geworden.“ Er besucht die zehnte Klasse der Gesamtschule in Dahme und hat früher Handball gespielt.
„Boxen macht mir einfach mehr Spaß. Ich schauen mir Kämpfe auch gern im Fernsehen an“ , erzählt Stöwer. In ein paar Wochen wird es für ihn ernst. Dann steht er bei den Stadtmeisterschaften in Cottbus bei seinem ersten offiziellen Kampf im Ring. „Ich freue mich darauf“ , sagt der 17-Jährige. Auch Marcus Schich aus Dahme soll nach einem Jahr Training dort boxen und ist gespannt auf diese neue Erfahrung.

Kindheitstraum erfüllt
„Ich wollte schon als Kind zum Boxen, meine Eltern hatten etwas dagegen. Jetzt erfülle ich mir diesen Traum, auch wenn es zur ganz großen Karriere sicher nicht mehr reicht“ , sagt der 22-Jährige, der in Dahme auch Fußball spielt. Ihn begeistert die Vielseitigkeit des Boxtrainings: „Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit wird hier geschult. Dazu musst du hellwach und geistig topfit sein, musst einstecken können.“

Vor allem Respekt
Doch eines will Marcus Schich unbedingt verhindern: „Ein blaues Auge muss nicht sein.“ Natürlich zählt der große Ali zu seinen Vorbildern, auch Mike Tyssen - „vor dem hatten alle Gegner Respekt“ . Die deutschen Boxer überzeugen den Dahmenser eher weniger. Sein Trainer da schon um so mehr: „Der hat so viel Erfahrung, steckt tief im Boxsport drin und weiß genau, welcher Schlag welche Wirkung hat.“
Brünig setzt auch auf den psychologischen Effekt. An den Wänden im Glieniger Boxraum hängen nicht nur Poster großer Faustkämpfer, sondern auch Plakate von früheren Boxveranstaltungen der Region. Eines kündigt von einem Vergleichskampf 1957 im „Haus des Volkes“ in Dahme, ein anderes von Boxkämpfen in der Konsumgaststätte „Treffpunkt“ 1965 in Golßen. Damals hatte der Boxsport in der hiesigen Region noch Tradition. „Daran würde ich gern anknüpfen“ , sagt Karl-Heinz Brünig.

Info: Boxtraining in Glienig im Buckower Weg 3 am Montag und Dienstag jeweils 18 bis 20 Uhr und zusätzlich am Freitag in der Dahmer SportWelt von 14 bis 16 Uhr. Telefon Übungsleiter Brünig 035451/1 70 66.