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| 16:20 Uhr

Neue Konzepte für alte Kirchen
In der Skaterkirche wird es eng

 Nachdem Schuttberge weg sind, kann auch der untere Teil der Feldsteinmauer in die Kur,  wie Vereinschef Günter Ukro zeigt.
Nachdem Schuttberge weg sind, kann auch der untere Teil der Feldsteinmauer in die Kur, wie Vereinschef Günter Ukro zeigt. FOTO: LR / Carmn Berg
Heinsdorf. Heinsdorfer wollen durch Open-Air-Bühne Platz gewinnen und brauchen Geld. Von Carmen Berg

Sonnenstrahlen fallen durch die verglaste Giebelfront der Heinsdorfer Kirchenruine. Von den Bänken blicken Besucher in diesen Maitagen auf blauen Himmel und sattes Grün. Was vor mehr als zehn Jahren mit einer kühnen Vision begann, die manch einer wohl für Spinnerei hielt, hat sich zu einem Anziehungspunkt gemausert. Die Skater- und Kulturkirche an der Flämingskate wurde Wirklichkeit. Wenngleich für die Vollendung des Projektes die Handwekrer noch weiter Hand anlegen müssen. „Es mangelt uns nicht an Arbeit, aber am Geld“, fasst Günter Ukro, Vorsitzender des Fördervereins zur Sanierung des Gotteshauses, die Situation zusammen.

Als der Verein sich 2007 mit 23 Mitgliedern gründete, waren von der Kirche nur noch marode Reste des Turmes zu sehen. Die zu DDR-Zeiten bis auf 2,50 Meter abgetragenen Wände des Kirchenschiffes lagen unter Schutt begraben. Doch die Sehnsucht, ihre Glocken wieder zu hören, habe die Leute beflügelt, erinnert sich Günter Ukro.

Mit Fördergeld, vielen Spenden und Helfern wurden in den Jahren der Turm auf Vordermann gebracht sowie der vordere Teil des Kirchenschiffes mit einem Tonnendach aus Holz geschützt und mit einem Glasgiebel samt einem Lichtband zwischen Dach und Wänden versehen. Auch ein Großteil der Feldsteinmauer im hinteren, offenen Kirchenteil wurde saniert.

Berge von Schutt im Kircheninneren sowie entlang der Außenmauern waren vorher zu beräumen. Eine Mammutaufgabe für Vereinsmitglieder und Unterstützer. „Wir haben Unmengen von Erde bewegt“, blickt der Vereinsvorsitzende auf jüngste Arbeitseinsätze im Herbst und in diesem Frühjahr zurück. Damit seien die Voraussetzungen geschaffen für die vorerst letzte Bau­etappe, deren Kosten Günter Ukro auf rund 28 000 Euro beziffert. Einen Teil können Verein und Kirchengemeinde selbst aufbringen. Für rund 20 000 Euro wird Hilfe gebraucht. „Wir haben verschiedene Förderanträge laufen, bisher aber noch keine Zusage“, bedauert der Vereinschef.

Von dem Geld sollen die Sicherung der Außenwände fortgesetzt, aber auch ein barrierefreier Zuweg zum Gotteshaus sowie eine Open-Air-Bühne im offenen Teil des Kirchenschiffes gebaut werden. Stufen sollen von dort in den Innenraum führen, dessen Glasfront sich öffnen lässt. So könnten fürs Publikum mehr Bänke und Stühle aufgestellt werden.

Das Anliegen drängt, denn im Kirchenraum wird es zu eng für die zahlreichen Veranstaltungen, die Gäste aus nah und fern inzwischen in das Heinsdorfer Gotteshaus locken. „Beim Frühjahrskonzert des Dahmer Männerchores im Vorjahr war der Andrang so groß, einige Leute mussten umkehren“, sagt Günter Ukro. Für besondere Highlights wie das Konzert mit dem Sonora-Ensemble aus Dresden, ehmaligen Sängern des Kreuzchores, organisierte der Verein eigens ein großes Zelt. „Daran sieht man, wie dringend mehr Platz in unserer Kirche gebraucht wird“, sagt er.

Von Gemeindepfarrer Dr. Joachim Boekels stammte einst die Vision der Skaterkirche, die Günter Ukro um den Begriff der Kulturkirche ergänzen will. Zu den Besuchern zählen Radler, Skater und außerdem viele Reisegruppen nach einem Spargel- oder Gänseessen im benachbarten Gasthaus Zum Anger.

Auf Wunsch übernimmt der Vereinschef Führungen und erzählt von der Geschichte des Gotteshauses und seiner ungewöhnlichen Rettung. Von Ostern bis zum Reformationstag Ende Oktober ist die Heinsdorfer Kirche sonnabends und sonntags für Interessierte ständig geöffnet. In einer Ausstellung sind die Bauabschnitte am Gotteshaus dokumentiert. Seit Kurzem zeigen Fotos außerdem, wie die Kirche vor dem Abriss im Jahr 1969 einmal ausgesehen hat.

Reich gefüllt ist der Veranstaltungskalender. Die Angebote reichen von einem Frühlingssingen an diesem Sonntag über einen Kino­abend im August bis zum Konzert der jungen Band Tsylka aus Jüterbog im September.