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| 17:01 Uhr

Extreme Trockenheit
Es ist brenzlig im Landkreis

Anfang des Monats ist ein Großbrand in der Lieberoser Heide ausgebrochen. Bis zu 400 Hektar Wald- und Heideflächen standen in Flammen.
Anfang des Monats ist ein Großbrand in der Lieberoser Heide ausgebrochen. Bis zu 400 Hektar Wald- und Heideflächen standen in Flammen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Luckau/Lübben. In Dahme-Spreewald ist höchste Waldbrandstufe ausgerufen. Experten sagen: „Es werden weitere Brände kommen.“ Von Anja Brautschek

Die Hitzewelle in der Region hält weiter an. Auch in der kommenden Woche sind Temperaturen bis zu 35 Grad Celsius angesagt. Nachhaltiger Regen ist nicht in Sicht. Landwirte, Waldbesitzer und Feuerwehren sind besorgt. Die Böden und Pflanzen sind aufgrund der anhaltenen Hitze total ausgetrocknet. Die Waldbrandgefahr ist enorm.

Aus diesem Grund wurde im Landkreis Dahme-Spreewald die höchste Waldbrandstufe fünf ausgerufen. „Das ist eine andere Trockenheit als üblich. So etwas habe ich in meiner Zeit als Stadtbrandmeister auch noch nicht erlebt“, sagt Luckaus Stadtbrandmeister Gerd Walter. Stroh, das auf dem Acker liegt, werde regelrecht heiß, beschreibt er. Während in normalen Jahren das Getreide mit zehn bis 15 Prozent Feuchtigkeit geernet wird, hat das Korn in diesem Jahr nur eine Feuchtigkeit zwischen drei und vier Prozent. „Die Vegetation ist dermaßen ausgedörrt. Das erklärt die hohe Zündbereitschaft“, sagt Gerd Walter.

Schon der kleinste Funken genügt, und Feld, Wiesen oder Waldränder fangen Feuer. In Luckau hat es in den vergangenen Wochen zwar nur einen Waldbrand gegebenen – dafür umso mehr Flächenbrände. 16 Mal mussten die Feuerwehren von Luckau und Umgebung aufbrechen, um Ackerflächen oder Wiesen zu löschen. In den meisten Fällen wurde der Brand während der Erntearbeiten ausgelöst. Schon heißgelaufene Maschinenteile oder ein Stein im Mähwerk reichen aus, damit der Funke überspringt.

In und um Luckau muss die Feuerwehr vor allem zu Flächenbränden ausrücken. Der größte Brand war auf der Dubener Platte vor wenigen Wochen. In der Nähe des Windparks brannten rund 55 Hektar Ackerfläche.
In und um Luckau muss die Feuerwehr vor allem zu Flächenbränden ausrücken. Der größte Brand war auf der Dubener Platte vor wenigen Wochen. In der Nähe des Windparks brannten rund 55 Hektar Ackerfläche. FOTO: Frank Ratajczak

Der bislang größte Brand im Landkreis Dahme-Spreewald war der Großbrand in der Lieberoser Heide. Bis zu 400 Hektar Wald- und Heideflächen standen in Flammen. Wegen vermuteter Munitionsreste auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz waren die Löscharbeiten erschwert. Zum größten Teil konnte nur von der Luft aus gelöscht werden. „Im Moment ist die Situation im Landkreis jedoch recht ruhig“, sagt Andreas Ziesemer, stellvertretender Kreisbrandmeister.  Entspannung gibt es für viele Kameraden jedoch nicht. Eine Brandschutzeinheit des Landkreises hat bei einem Großbrand in der Nähe von Potsdam mitgeholfen. 24 Fahrzeuge und etwa 100 Einsatzkräfte waren seit den frühen Morgenstunden unterwegs. Und auch in der Region sind alle Kameraden weiterhin auf Alarmbereitschaft. Andreas Ziesemer ist sich sicher: „Es werden noch weitere Brände kommen.“

Das gefährliche in diesem Sommer: Die Hitze ist häufig gepaart mit starkem Wind. Das Feuer breitet sich dadurch rasend schnell auf den trockenen Flächen aus. Innerhalb kürzester Zeit standen Anfang Juli deshalb auch 55 Hektar Ackerland auf der Dubener Platte in Flammen. Für die Luckauer Wehren der bislang größte Einsatz im eigenen Zuständigkeitsbereich. Besonders gefährlich wurde es beim Brand hinter dem Schwimmbad. „Der Wind stand so ungünstig, dass das Feuer in Richtung Wohnblöcke gekrochen ist. Die Türen haben schon Blasen geschlagen wegen der Hitze“, sagt Gerd Walter. Doch verletzt wurde niemand.

An einem Tag mussten die Kameraden gleich sechs Mal ausrücken. „Ein Dank gilt den Landwirtschaftbetrieben. Wenn möglich haben sie uns bei den Einsätzen unterstützt – sogar wenn die eigenen Flächen gar nicht betroffen waren“, sagt er. Stundenlange Einsätze unter schwierigsten Bedingungen bringen die freiwilligen Einsatzkräfte bis an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Das Amt Dahme testet aus diesem Grund eine neue App aus. Darin können die Feuerwehrmänner eintragen, wann sie einsatzbereit sind. „Das ermöglicht uns eine bessere Planung“, sagt Amtsbrandmeister Karsten Schmidt.

Um neue Brände zu verhindern, appellieren Feuerwehr und Kreisverwaltung zu größter Vorsicht. Denn fast immer wird ein Waldbrand durch menschliches Handeln ausgelöst. „Blitze sind die einzige natürliche Ursache für das Entstehen von Waldbränden“, sagt Kreissprecherin Heidrun Schaaf. Rauchen und das Anzünden einer Feuerstelle sind im Wald verboten – dazu zählt auch der Kohlegrill oder Gaskocher. Die Bestimmungen gelten nicht nur im Wald, sondern auch am Waldrand bis zu 50 Meter Entfernung. Stadtbrandmeister Gerd Walter rät zudem, Waldwege nicht mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren. Die heißen Metallteile sind ein zusätzliches Risiko.

Und das ist im Landkreis Dahme-Spreewald beträchtlich. Die Waldflächen verteilen sich auf rund 95 000 Hektar. Vor allem Kiefern, die auf 84 Prozent der Flächen stehen, fangen bei dieser Trockenheit besonders schnell Feuer.