| 16:27 Uhr

Beim Ausbau der B 102
In Dahme auf dem Holzweg

Archäologen eines Cottbuser Fachunternehmens holen in aufwendiger Handarbeit die Holzlagen des Knüppeldamms ans Tageslicht.
Archäologen eines Cottbuser Fachunternehmens holen in aufwendiger Handarbeit die Holzlagen des Knüppeldamms ans Tageslicht. FOTO: Carmen Berg / LR
Dahme. Archäologen legen mehr als 800 Jahre alte Straße frei. Bauleute in den Startlöchern. Von Carmen Berg

Bevor die Ortsdurchfahrt der B 102 Asphalt bekommt, können die Dahmenser sehen, auf welchem Untergrund ihre Vorfahren unterwegs waren. Fachleute der Cottbuser Firma Archäologische Baubegleitende Untersuchungen (ABBU) legen zwischen Luckenwalder Straße und Vogelturm eine mehr als 800 Jahre alte Holzstraße frei.

Der Bohlendamm kommt für sie nicht überraschend, Schon 2016 stießen Kollegen im Stadtkern auf die Trasse. Wohl aber sind die Fachleute beeindruckt von der Mächtigkeit des Bauwerks.  So etwas hätten sie noch nicht gesehen, berichten Mitarbeiter. „Das lässt auf die Bedeutung als Handelsstraße schließen“, sagt Grabungsleiterin Anke Herrmann.

Bis zu elf Meter breit ist der Damm, die Bohlen liegen in drei Schichten übereinander. In der ältesten aus dem Jahr 1192 sind die Hölzer am dicksten. Einige Bohlen aus dieser Schicht haben tiefe Furchen - Spuren mittelalterlicher Fuhrwerke, wie die Grabungsleiterin sagt.

Gerüchte von einem entdeckten Haus mitten auf der Straße machen die Runde. Anke Herrmann klärt auf: Was die Leute womöglich für Fundamente halten, seien neuzeitliche Leitungsschächte, aber auch feste Erdreste, die mit Schippe und Spaten nicht weg zu bekommen sind. „Auf den Holzbohlen ist die Trittschicht betonartig stark verdichtet“, erzählt sie.

Tatsächlich gefunden haben die Experten Reste von Brandschutt. Im rechten Seitenberecih vor dem Vogelturm zeichnen sich im Erdboden Spuren von Hausfundamenten ab, die deutlich in den Straßenkörper ragen. Diese Häuser seien in jüngerer Zeit,  vermutlich etwa im 16. Jahrhundert, über dem Knüppeldamm gebaut worden, als  der nicht mehr in Nutzung war, so Anke Herrmann. Die Ortsdurchfahrt muss demnach damals deutlich schmaler als heute gewesen sein.

Mancher Dahmenser bleibt interessrt an der Grabungsstelle stehen, auch Schulklassen waren schon da. Gern antwortet Anke Herrmann auf die häufige Frage, warum all die Mühe für einen alten Holzweg.betrieben wird.  „Die Funde erzählen Geschichte.  Für den Straßenbau müssen sie abgetragen werden. Ohne Dokumentation würde Wissen auf ewig zerstört.“

Rund 300 Hölzer wurden bisher aufgenommen. „Jeden Baum haben die Menschen damals  mit der Axt gefällt, die schweren Bohlen herangekarrt“, zollt die Archäologin der Leistung Respekt. Sie weiß aber auch, dass die Bauleute loslegen wollen, dass die Geschäftsleute auf zügigen Baufortschritt hoffen. „Wir arbeiten in Absprache mit dem Landesbetrieb für Straßenwesen und den Firmen“, sagt sie. So werde nicht der komplette Abschnitt untersucht, die Arbeit konzentriere sich dort, wo neue Erkenntnisse zu erwarten seien.

Klaus Seide, Bauüberwacher beim Landesbetrieb, bestätigt die Kontakte. Für Prognosen, ob die Grabungen zu Bauverzug führen, sei es verfrüht. Bauseitiges Ziel sei, dass übernächste Woche der Knüppeldamm geborgen ist und der Tiefbau anrücken kann. Kanäle müssen bis 2,50 Meter tief verlegt und zuvor das Grundwasser abgesenkt werden, so Klaus Seide.

Auf die Archäologen wartet dann bereits die nächste Etappe, auf die Anke Herrmann und ihre Kollegen ganz besonders gespannt sind. Es geht an den Vogelturm, der Teil der früheren Stadtbefestigung war.

Grabungsleiterin Anke Herrmann zeigt tiefe Spurrinnen mittelalterlicher Fuhrwerke im Holz.
Grabungsleiterin Anke Herrmann zeigt tiefe Spurrinnen mittelalterlicher Fuhrwerke im Holz. FOTO: Carmen Berg / LR