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Immer öfter Alarm für Luckaus Wehr

Luckau. Immer häufiger ertönt bei der Luckauer Feuerwehr der Pieper. Innerhalb von zwei Jahren haben sich die Einsätze fast verdoppelt. Zunehmend stärken Frauen in der Kernstadt und den Ortsteilen die Reihen der aktiven Floriansjünger. Carmen Berg

533 Aktive engagieren sich laut Stadtbrandmeister Gerd Walter in den 23 Ortswehren. Sie wurden 2016 zu 126 Einsätzen gerufen. "Das waren mehr als im Vorjahr und fast doppelt so viele wie 2014", sagt Gerd Walter.

Das vergangene Jahr hatte es in sich. Es gab 29 Brände. So hat ein Feuer bei Bauarbeiten im Evangelischen Seniorenzentrum den neuen Küchentrakt zerstört. In Cahnsdorf hielt ein Scheunenbrand die Floriansjünger über Stunden auf Trab. Bei 29 Verkehrsunfällen konnten die Luckauer Feuerwehrleute Gerd Walter zufolge sieben Menschen retten. Sechs Mal kam jede Hilfe zu spät, sagt der Stadtbrandmeister. Zudem verzeichnete die Wehr 69 technische Hilfeleistungen und 28 Fehlalarme, besonders häufig ausgelöst in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge An der Schanze. Dass die Feuerwehr vor Ort den Zuzüglern zeigte, worauf zu achten sei, habe die Situation entschärft, sagt Gerd Walter. Daneben haben die Luckauer wie beim Brand des Schützenhauses in Dahme insgesamt zwölf Mal Nachbarn unterstützt.

Festhalten an kleinen Wehren

Alles in allem kamen sie auf rund 2350 Einsatzstunden, die sich unterschiedlich auf die Ortswehren verteilen. Die Wehr der Kernstadt fuhr 116 Einsätze, gefolgt von Duben mit 24 und Gießmannsdorf mit elf. Manche Dorfwehr musste gar nicht ausrücken. Dennoch hält Luckau an den kleinen Ortswehren fest, will sie nicht wie andernorts in Traditionswehren umwandeln. Sie seien unerleässlich mit ihrer Ortskenntnis, wenn es um schnelle Löschwasserversorgung geht und könnten bei der Nachbereitung die großen Wehren etwas entlasten, die ohnehin viel zu stemmen haben, erklärt der Stadtbrandmeister zur Begründung.

Dabei weiß er Verwaltung und Stadtparlament hinter sich. Jede Ortswehr sei für den aktiven Dienst ordnungsgemäß ausgestattet, sagt Gerd Walter. Im eng gestrickten Stadthaushalt für 2017 nehmen die Ausgaben für die Feuerwehren einen großen Brocken ein. Neue Fahrzeuge für Willmersdorf-Stöbritz und Duben sollen in diesem Jahr, ein weiteres für Kümmritz im nächsten Jahr kommen. "Dann geht das letzte Fahrzeug, das noch aus DDR-Zeiten stammt, außer Dienst", sagt Gerd Walter. Eingestellt in den Haushalt sind außerdem Planungsleistungen für ein neues Gerätehaus in Gießmannsdorf neben der Kita, zählt der Stadtbrandmeister auf.

Eng arbeiten Stadt und Feuerwehr ihm zufolge auch zusammen, um die Tagbereitschaft abzusichern. 2016 entfielen 81 der 126 Einsätze auf die Zeit zwischen 6 und 18 Uhr, das Meiste passierte an Donnerstagen, so Gerd Walter. Da helfe es, dass Feuerwehrleute in der Stadtverwaltung sowie im städtischen Bauhof beschäftigt seien, sagt er, dankt aber auch den Betrieben in Stadt, die den Feuerwehrdienst ihrer Mitarbeiter unterstützen.

Nur jeder Vierte unter 30

Noch sei der Personalbestand stabil, aber nur jeder Vierte ist 30 Jahre und Jünger. 73 Mitglieder hat die Jugendwehr, aus der die Nachrücker kommen müssen. "Würden pro Jahr zehn Jugendliche übernommen, bekommt statistisch nicht mal jede zweite Ortswehr einen ab", rechnet Gerd Walter vor. Nachwuchswerbung in Schulen stehe ganz oben auf der Agenda. Und ein weiterer Trend zeichnet ab: Das so genannte schwache Geschlecht macht die Feuerwehr stark. Frauen stellen mit 118 Kameradinnen in Luckau bereits ein knappes Viertel der Aktiven. Der Anteil der Mädchen in der Jugendwehr liegt bei mehr als einem Drittel.

Zum Thema:
Von Luckaus Feuerwehrleuten sind 24,4 Prozent zwischen 16 und 30 Jahre. Den größten Anteil mit 44,6 Prozent stellen die 31-bis 50-Jährigen, gefolgt von den 51- bis 60 Jährigen mit 25,4 Prozent und den 61- bis 65-Jährigen mit 5,6 Prozent. Sieben Mal musste die Wehr im Januar 2017 schon ausrücken und damit einmal mehr als im gesamten Vorjahresmonat. Unter anderem wurde ein Auto nach einem Unfall aus dem Stadtgraben geborgen.