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| 02:42 Uhr

Im Pendlerbus nach Berlin

Rollentausch: Angela Russig (r.) sitzt auf dem Platz von Busfahrer Nick Kraft. Sie ist froh, dass es den Ersatzbus nach Berlin gibt.
Rollentausch: Angela Russig (r.) sitzt auf dem Platz von Busfahrer Nick Kraft. Sie ist froh, dass es den Ersatzbus nach Berlin gibt. FOTO: Daniel Friedrich
Uckro. Mit der Sperrung der Bahnstrecke Berlin-Dresden hat die Deutsche Bahn einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Unter anderem bringt ein Schnellbus aus Uckro täglich Pendler nach Berlin und abends wieder zurück. Die Fahrgäste sind zufrieden. Daniel Friedrich

Es ist noch dunkel, wenn Angela Russig morgens kurz vor fünf Uhr am Uckroer Bahnhof (Landkreis Dahme-Spreewald) steht. Die 51-Jährige wartet auf den grauen Reisebus, der sie seit einem halben Jahr täglich zur Arbeit nach Berlin bringt. Der Schienenersatzverkehr RE5C mit Halt in Luckau ist vor allem für Berufspendler gedacht, die am Morgen nach Berlin und am Abend wieder zurück müssen. "Der Bus ist eine gute Sache, alles funktioniert reibungslos. Das mussten wir uns aber erkämpfen", sagt Angela Russig, die mit etwa zehn weiteren Fahrgästen zu den Stammnutzern des Ersatzangebotes gehört. Mit der baubedingten Vollsperrung der Dresdner Bahn zwischen Wünsdorf-Waldstadt und Elsterwerda im August 2016 war ihre bis dato stündliche Zugverbindung in die Hauptstadt abgeschnitten worden. "Ursprünglich war für uns ein Ersatzbus zum Lübbener Bahnhof oder eine Anbindung an den Ersatzverkehr nach Wünsdorf geplant. Die Fahrzeit hätte sich dadurch deutlich verlängert", berichtet Angela Russig. Auch, weil der von Lübben verkehrende Regionalexpress 2 (ODEG) zu den Stoßzeiten bereits an seine Kapazitätsgrenzen stößt, regten die betroffenen Pendler mit Unterstützung aus der Politik einen anderen Vorschlag an: Einen Schnellbus Uckro-Berlin.

Keine längere Fahrzeit

Nach Verhandlungen mit der Deutschen Bahn und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg kamen die Beteiligten überein: Zwei Pendlerbusse wurden eingerichtet, die jeweils im Abstand von einer Stunde morgens nach Berlin und abends wieder zurückfahren. Zwar ist das Angebot nicht so flexibel, wie der reguläre Zugverkehr, doch immerhin behalten die Uckroer Pendler eine Direktverbindung. Eine Stunde und 15 Minuten dauert - wenn alles gut geht - die Fahrt zum Berliner Südkreuz. "Die Bahn hat früher genauso lang gebraucht, weil sie überall gehalten hat", berichtet Angela Russig. Inklusive Fahrt mit der S-Bahn, Fußweg und Rückfahrt benötigt sie vier Stunden täglich für ihren Arbeitsweg. Seit 15 Jahren pendelt die Angestellte aus Pitschen-Pickel bei Luckau nach Berlin. Oft hat sie die Störanfälligkeit der Strecke selbst zu spüren bekommen: "Es gab regelmäßig technische Probleme und Verspätungen. Einmal habe ich für die Rückfahrt sechs Stunden gebraucht", erinnert sie sich und ist froh, dass die Strecke modernisiert wird - auch, wenn sich für den Regionalverkehr die Fahrzeit künftig nicht nennenswert verkürzt. Der Einsatz des Ersatzbusses hat für Angela Russig viele Vorteile: "Hier sitzt es sich bequemer, weil jeder garantiert einen ‚eigenen' Platz bekommt. Morgens wird die Beleuchtung heruntergestellt, da können wir noch schlafen. Außerdem gibt es im Bus Getränke, Zeitschriften und auch eine Toilette. Ich fühle mich hier wohl und sicher."

Kommunikation über WhatsApp

Das liegt wohl auch an dem geselligen Miteinander im Bus. "Einmal mussten wir wegen eines defekten Spiegels mehrere Stunden auf einen Ersatzbus warten. Das wurde mit der Zeit sehr lustig und wir haben uns gegenseitig kennengelernt", berichtet Busfahrer Nick Kraft. Inzwischen haben die Fahrgäste und er sogar eine WhatsApp-Gruppe gegründet: "Falls jemand mal ein paar Minuten zu spät kommt, kann er das dort schreiben, und dann warten wir auch", so der Chauffeur.

Mit einem Zeitpuffer für mögliche Staus oder Umleitungen kommt der Bus um kurz vor 18 Uhr wieder auf dem Bahnhofsvorplatz in Uckro an. Angela Russig steigt aus und hat es fast geschafft. Mit dem Auto muss sie jetzt noch ein paar Kilometer nach Hause fahren - und wieder ist es dunkel.

Zum Thema:
Die Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Dresden soll bis 2020 für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ausgebaut und mit einem neuen Zugsicherungssystem ausgestattet werden. Deshalb ist seit August 2016 der 75 Kilometer lange Abschnitt Wünsdorf-Waldstadt - Elsterwerda komplett gesperrt. Dort werden Gleise neu verlegt und Eisenbahnüberführungen sowie Durchlässe und Straßenüberführungen neu geschaffen. Die Vollsperrung soll laut Deutscher Bahn bis zum 9. Dezember 2017 andauern.