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| 01:23 Uhr

Im Lübbener Kino gehen die Lichter aus

Die Spreewald-Lichtspiele in Lübben werden zum 31. Dezember dieses Jahres geschlossen. Darüber informierte jetzt der Kinobetreiber (die RUNDSCHAU berichtete). Kultur- und Tourismusverantwortliche in der Stadt reagieren mit Entsetzen auf die überraschende Nachricht. Von Dörte Hellwig <br> und Tilo Winkler

Das Haus werde „keinesfalls leichtfertig aufgegeben“ , so Marlies Kieft, Geschäftsführerin der Neuen Filmpalast GmbH & CoKG. Das Unternehmen, das zur Cinestar-Gruppe gehört, hatte im Jahr 2003 das Lübbener Kino von der insolventen Ufa-Theater GmbH & CoKG übernommen. Gründe für die Schließung seien einerseits die generellen Probleme der Branche - Besucherschwund durch Heimkino-Anlagen und verändertes Freizeitverhalten. Hinzu kämen in Lübben wie in Aschersleben und Hoyerswerda, wo ebenfalls am Jahresende Filmtheater geschlossen werden sollen, „die kontinuierliche Abwanderung junger Menschen, die naturgemäß besonders kinoaffin sind, und die allgemeine schwierige wirtschaftliche Lage“ , erklärt das Unternehmen.
Sie sei von der Entscheidung „überrumpelt“ worden, sagt Kinoleiterin Liane Schulz. Da sie noch keine detaillierten Gründe kenne, wolle sie sich vorerst nicht dazu äußern.
„Wir sind total perplex“ , reagiert Rathaus-Sprecherin Hannelore Tarnow. „Das wäre ein sehr großer Verlust für Lübben. Eigentlich ist das Aus für die Spreewald-Lichtspiele undenkbar, zumal sie durch den Umbau im Jahr 1999 ein sehr schönes kleines Kino geworden sind.“
Auch Dieter Fürst (SPD) ist „entsetzt“ . Der Vorsitzende des Kulturausschusses der Lübbener Stadtverordnetenversammlung und seine Frau seien Kinogänger, hätten auch öfter die Spreewald-Lichtspiele besucht. „Nach dem Umbau fand ich sie toll. Ich habe mich auch immer gefreut, von wie vielen Leuten aus der Umgebung sie besucht wurden, was an den Autokennzeichen auf dem Parkplatz zu sehen war.“ Als Lehrer wisse er, „dass unsere Schüler das Kino genutzt haben, es war immer wieder Gesprächsstoff. Dass es geschlossen werden soll, macht mich traurig.“
Michael Becker, Streetworker der Stadt Lübben, sagt, dass mit dieser Entscheidung Kultur verloren gehe. „In eine Stadt wie Lübben gehört ein funktionierendes Kino. Und es ist doch weit und breit das einzige.“
Auch Steffi Noack, Geschäftsführerin des Tourismusvereins Lübben und Umgebung, reagiert schockiert auf die Ankündigung. „Das ist schlimm, ganz schlimm.“ Mit dem Schließen des Kinos gehe ein attraktives Angebot verloren, nicht nur für Lübben, sondern auch für die weiträumigere Region.

Info zum Thema Geschichtsträchtig
 Otto Fritze eröffnete im Jahr 1938 das komplett umgebaute Lichtspielhaus „Liuba“ ( „Li-Li“ genannt) in Lübben. 1953 und 1954 wurde das im Zweiten Weltkrieg abgebrannte Kino wieder aufgebaut. Im Jahr 1999 baute die Ufa die Spreewald-Lichtspiele um. Danach boten sie in drei Sälen insgesamt 420 Plätze.