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| 01:36 Uhr

Im Golßener Schloss stürzen Decken ein

Löcher klaffen in Zimmerdecken. Der Schwamm hat ganze Arbeit geleistet. Foto: Carmen Berg
Löcher klaffen in Zimmerdecken. Der Schwamm hat ganze Arbeit geleistet. Foto: Carmen Berg FOTO: Carmen Berg
Golßen. In einigen Räumen im Obergeschoss des Golßener Schlosses sind Decken heruntergebrochen. Der Hausschwamm hat ganze Arbeit geleistet. Ende Oktober soll eine Notsanierung im Auftrag der Stadt beginnen. Mehr ist derzeit nicht drin. Auf dem denkmalgeschützten Bau lasten Rückübertragungsansprüche der Alteigentümer. Von Carmen Berg

Decken sind abgestützt. Teils klaffen Löcher. Die Räume sind vom echten Hausschwamm befallen, einem besonders aggressiven Pilz, wie Gutachter Axel Schmidt erklärt. Während des Winters war Feuchtigkeit durch die Gesimskonstruktion eingedrungen. Nährboden für den Schwamm. “Das Tückische an ihm ist, dass er sich über längere Zeit unbemerkt in Hohlräumen sowie unter Putz entwickelt„, sagt der Fachmann. Der Pilz werde erst wahrgenommen, wenn der Putz abfalle. Dann sei Eile geboten. “Der echte Hausschwamm zerstört nicht nur Holzteile, er frisst sich auch durch Mauerwerksfugen und breitet sich schnell aus„, so Schmidt.

Bei der bevorstehenden Rettungsaktion müssten Putz entfernt und das Mauerwerk saniert, Balken ausgetauscht und Lehmdecken neu eingezogen werden, kündigt Thomas König von der Golßener Bauverwaltung an. Auch mehrere Fenster würden ausgewechselt. Das Mauerwerk werde mit einem chemischen Sperr-Mittel behandelt, sodass sich der Schwamm nicht mehr ausbreiten kann. Gutachter Schmidt beziffert die Kosten auf mehr als 30 000 Euro. “Der tatsächliche Aufwand zeigt sich jedoch oft erst bei der Sanierung„, sagt er. Zur Finanzierung setzt die Stadt auf Fördergeld aus dem Städtebautopf. Ein Drittel der Kosten muss Golßen laut Amtsdirektorin Ursula Schadow (CDU) selbst tragen.

Das Schloss steht seit Jahren leer. Mit der Bibliothek im Jahr 2004 und dem Standesamt im Jahr 2005 waren die letzten Nutzer ausgezogen. “Leerstand begünstigt die Schwammausbreitung. Wände werden feucht, wenn die regelmäßige Heizung fehlt„, so Axel Schmidt.

Ursula Schadow sagt: “Ein Haus ohne Leben wird nicht besser.„ Die Auseinandersetzung um die Eigentumsfrage reiche bis Anfang der 1990er-Jahre zurück, erinnert sie sich. Nicht nur das Golßener Baudenkmal sei von den Ansprüchen des Fürstenhauses Solms-Baruth betroffen, gleichermaßen auch das Kasel-Golziger Schloss sowie weitere Flächen. Bis zur Klärung seien nur Arbeiten zur Erhaltung der Substanz erlaubt. “Es ist eine Schande, was mit dem Schloss passiert, aber uns sind die Hände gebunden„, ärgert sich die Verwaltungschefin. Das Verfahren zu den strittigen Besitztümern im Raum Golßen sei beim Verwaltungsgericht in Cottbus anhängig. Zwar sei ein Termin in diesem Jahr avisiert. “Doch das Jahr ist bald rum„, bleibt Ursula Schadow skeptisch.

Die Stadt hatte bereits einen Kaufinteressenten, der “für Golßen eine Bereicherung wäre„, erklärt Ursula Schadow. Jetzt fürchtet sie: “Wenn sich nicht bald was tut, ist das Schloss eine Ruine.„

Zum Thema:
Das Golßener Schloss. Das Schloss, ein zweigeschossiger Putzbau, wurde um 1723 von Johann Just Vieth, später zu Vieth von Golßenau geadelt, erbaut. Die Innenarchitektur trägt barocke und klassizistische Merkmale. An das Schloss schließt sich ein Landschaftspark an mit seltenen Baumarten und einem künstlich angelegten Teich.