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Im Galopp über Wiesen und Baumstämme

Nach den Hunden folgen die Reiter und überwinden die auf den Wiesen und Feldern aufgestellten Hindernisse. Viele Male wiederholt sich während der Hubertusjagd dieses Schauspiel in der herbstlichen Natur.
Nach den Hunden folgen die Reiter und überwinden die auf den Wiesen und Feldern aufgestellten Hindernisse. Viele Male wiederholt sich während der Hubertusjagd dieses Schauspiel in der herbstlichen Natur. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Luckau. Zum 18. Mal veranstaltete der Ländliche Reit- und Fahrverein "Luckauer Land" die Hubertusjagd als abschließenden Höhepunkt der Reitsaison. Auf den Wiesen und Feldern zwischen Luckau, Goßmar, Gehren und Waltersdorf boten Hundemeute und Reiter den Zuschauern wiederholte imposante Jagdszenen in der herbstlichen Natur. Bernd Töpfer / bkh1 bkh1

Am späten Nachmittag bliesen die Parforcehörner vor den Toren der Gartenstadt zum großen Halali.

In jedem Jahr finden sich mehrere Hundert Zuschauer auf dem Luckauer Markt ein und verfolgen, wie sich die Reiter mit ihren Pferden und die Hundemeute in ihrer Mitte versammeln. Die Parforcehörner ertönen und es ist nicht nur den Hunden anzusehen, wie sie vom Jagdfieber gepackt werden. Auch manches Pferd tänzelt schon aufgeregt übers Marktplatzpflaster.

"Es ist einfach ein schönes Bild, die schicken Pferde und Reiter anzusehen und dazu das Bellen der Hunde und die Musik zu hören, das ist nicht jeden Tag zu erleben", sagt Andrea Schimpfkäse. Eine halbe Stunde später steht die Luckauerin mit ihrer Tochter Marlene in Erwartung der Reiterschar bereits am Rande der Stadt an einem der aus Baumstämmen aufgebauten Hindernisse. "Wir waren schon in der Woche gucken, wo sie entlang kommen werden." Zunächst jedoch findet das Schauspiel etwas weiter entfernt statt. In langer Reihe zuckeln die Kremser auf dem neben der Wiese verlaufenden Weg entlang. So haben die Zuschauer einen guten Blick auf das Geschehen.

Zuerst erscheinen zwei einzelne Reiter, von denen einer die Spur, auch Schleppe genannt, legt. Dann endlich können die Hunde ihren Jagdtrieb ausleben. Zielsicher sausen sie bellend immer ihrer feinen Nase nach auf der Spur entlang. Ihnen folgen die Reiter, überspringen dabei die aufgebauten Hindernisse und sammeln sich am Ende der Strecke wieder. Mehrere Male wiederholt sich dieses beeindruckende Schauspiel auf den Wiesen zwischen Luckau, Goßmar, Gehren und Waltersdorf, bis nahe des Aussichtspunktes Vosskieten Mittagsrast gehalten wird.

Carolin Knöfel hat auch an die Pferde gedacht und zu Hause zwei kleine Tüten mit Möhren und Äpfeln vorbereitet. Den Vierbeinern schmeckt die zusätzliche Leckerei zum Heu. "Sie ziehen uns die ganze Zeit, da sollen sie auch eine Stärkung bekommen", sagt die Gießmannsdorferin, die mit Freunden und Familie bei der Hubertusjagd auf dem Kremser von Christian Krüger aus Langengrassau mitfährt. "Es ist schön entspannend auf der Kutsche und vorhin hat uns einer der Bläser erklärt, dass jedes Stück, das sie spielen, eine Bedeutung hat: Sau kommt, oder Sau rennt weg zum Beispiel", erzählt Carolin Knöfel. Auch für die Reiter ist die Schleppjagd mit den Hunden ein besonderes Erlebnis. Rudi Liebe reitet zum dritten Mal mit und genießt die Gemeinsamkeit mit den anderen Reitern. "Es geht dabei um den Spaß an der Sache und darum, die Tradition zu erhalten", sagt der Langengrassauer. Der Freizeitreiter vom Reiterhof Stirnal in Paserin hat mit weiteren Aktiven bei den Vorbereitungen geholfen.

Diese beginnen bereits im Sommer. "Dann finden die Absprachen mit den Pächtern der Wiesen und Felder statt, wo geerntet und noch nicht neu bestellt sein wird, damit wir die Strecke entsprechend auswählen können", erläutert Jörg Krüger. Abstimmungen mit den Ordnungsämtern und der Polizei folgten. Denn der Kremsertross führt auch auf Straßen entlang und muss entsprechend abgesichert werden.

Zwei Polizeifahrzeuge sorgen am Samstag dafür. "Eine Woche vor der Jagd bauten wir die Hindernisse auf und am Sonntag fand das Probereiten mit Schleppe statt", zählt Jörg Krüger weitere Details der Vorbereitung auf.

Zuletzt sei am Tag vor der Jagd der Fahrer des ersten Kremsers auf der Strecke eingewiesen worden. Trotz guter Vorbereitung blieben Überraschungen am Tag der Jagd nicht aus. So fielen am Samstag zwei Pferdepaare vor den Kremsern aus.

"Deshalb haben wir diesmal zwei Traktoren dabei", erzählt der Uckroer Reiter und Mitorganisator.

Zum Thema:
Die Tradition der Hubertusjagd geht zurück auf den heiligen Hubertus, der als Hubertus von Lüttich, Bischof von Maastricht und Lüttich lebte, um das Jahr 655 in Toulouse geboren, am 30. Mai 727 in Tervueren bei Lüttich gestorben. Der Legende nach soll ihm auf der Jagd nach einem Hirsch zwischen dessen Geweih ein Kruzifix erschienen sein. Seither wird er als Schutzpatron vieler Gewerke, darunter auch der Jagd und der Schützen angesehen. Am 3. November 743 wurden seine Gebeine erhoben, die 825 nach Andagium, heute St. Hubert, in den Ardennen kamen. Der 3. November gilt als der Hubertustag, an dem zahlreiche Hubertusjagden stattfinden.