Von Carmen Berg

„Stadtgespräch“ fällt Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) im Gasthof „Stadt Berlin“ spontan als möglicher Titel eines Bürgerdialogs ein, der zur Tradition werden könnte. Die Idee, Rathaus­spitze und Luckauer in lockerer Runde an einen Tisch zu bringen, hatte im Vorjahr die Unabhängige Wählergemeinschaft. Dem Auftakt im Spätsommer 2018 ist jetzt die zweite Auflage im Ortsteil Wittmannsdorf gefolgt. Neben dem Bürgermeister stellen sich Bauamtsleiter Michael Krüger sowie Thomas Schäfer, Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes, den Besucherfragen.

Ein Schwerpunkt sind Straßen und Wege. Nach dem Straßenausbau im Wohngebiet An der Schanze hoffen die Anwohner vom Mühlberg, dem größten Wohngebiet mit rund 700 Menschen, auf Abhilfe für Holperpisten und marode Gehwege. Michael Krüger schätzt die Kosten auf rund 1,5 Millionen Euro. Förderhilfe verspricht sich die Kommune laut Bürgermeister Gerald Lehmann aus dem Programm „Soziale Integration im Quartier“. Die Stadt habe ihre Hausaufgaben gemacht und für das gesamte Gebiet ein Entwicklungskonzept erstellt. Ein Förderantrag ist eingereicht.

Die Nahversorgung ist ein weiteres Thema. Es gebe zwar Einkaufsmärkte, aber keinen in Luckau-Ost. „Dort wohnen auch ältere Menschen, die durch die ganze Stadt müssen“, gibt Ralf Zimmermann zu bedenken. Bekannt geworden ist, dass sich die Handelskette Rewe für eine Ansiedlung in Luckau interessiert. Gerald Lehmann blieb noch vage, als er sagte, man sei mit Vertretern „eines bekannten Marktes intensiv im Gespräch über eine Ansiedlung in Luckau-Ost“.

Jutta Dzielak, Vorstandsmitglied im Gewerbeverein „Wir sind Luckau“, bewegt der Caravan-Stellplatz am Laga-Park, der schon 2018 nicht genutzt werden konnte. Es feht der Zugang zu Strom und Wasser, seit der Kiosk am Parkplatz, über den der Kontakt lief, vakant ist. Luckau könne es sich nicht leisten, Touristen zu verprellen, sagte Jutta Dzielak. Dem Bürgermeister zufolge kann die Stadt den Stellplatz nicht selbst betreiben. Interessenten seien willkommen.

Sorgen macht zudem Leerstand an markanten Gebäuden. Für das historische Café Graf gab es laut Gerald Lehmann Interessenten, doch die Verkaufsgespräche zwischen ihnen und dem Eigentümer seien zum Jahresende geplatzt. Die Stadt sei nur Mittler, erklärte er. Bewegung gebe es hingegen beim „Lindeneck“. Es habe einen neuen Besitzer und soll saniert werden.

Beim Scheunenviertel, dessen Scheunen Firmen und Vereine nutzen, steht im Frühjahr und Herbst bei Regen der Platz unter Wasser. Eine große bauliche Lösung hat die Verwaltung nicht auf der Agenda. Vom Bürgermeister kommt neben Verständnis für die Kritik die Idee, „Firmen zusammenzutrommeln, um den Platz zu schieben und zu begradigen“. Ralf Zimmermann ist überzeugt: „Da werden etliche Firmen mitmachen.“

In vielen Facetten thematisieren Luckauer die teils „katastophale“ Parksituation, beispielsweise in der Vorwerk- und Gartenstraße. Hier sei eine neue Beschilderung vorgesehen, um die Situation zu entschärfen, kündigte Thomas Schäfer an.

Kein Schild hingegen kommt an die Kühnestraße, die Ausfahrt der Rettungsstelle. Diskussionsredner schätzen die Situation dort als „kreuzgefährlich“ ein. Wer aus der Kühnestraße kommt, wisse oft nicht, dass er den Verkehr der Berliner und der Karl-Marx-Straße erst passieren lassen muss. Laut Thomas Schäfer hat die Straßenverkehrsbehörde eine Beschilderung abgelehnt. Am abgesenkten Bordstein sei die Ausfahrt als solche zu erkennen. Wer von dort auf eine Straße fährt, ist laut Straßenverkehrsordnung wartepflichtig, so das Argument der Behörde.

Am Ende des mehr als zweistündigen Dialogs haben Rathausvertreter viele Aufgaben für die Verwaltung notiert. Der Bürgermeister bedankt sich für die Sachlichkeit. Vereinbart wird, gegen Ende des Jahres soll es wieder ein „Stadtgespräch“ geben.