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| 17:18 Uhr

„Ihr müsst dafür sorgen, dass das nie wieder passiert!“

Luckau. Es ist die siebte Stunde am Montag, den 22. Juni 2015, am Bohnstedt- Gymasium in Luckau. Die Schüler der 11. Klasse sitzen in der Aula und fiebern gespannt dem Beginn der Stunde entgegen. Grund dafür ist, dass in dieser Stunde ein ganz besonderer Gast den Unterricht leiten wird. Von FRANZ BRETTERBAUER

Unsere Schulleiterin, Frau Sabine Heß, eröffnete die Veranstaltung mit einer kleinen
Ansprache. Lothar Treder-Schmidt, Stadtverordneter der Fraktion "Luckau Land/Grüne",
stellt Frau Friedlander kurz vor und legt uns die Bedeutung unserer Geschichtsstunde dar.
Dann beginnt Frau Friedlander mit ihren Ausführungen. Keine langen Einleitungsworte, sie
begann gleich mit der Vorlesung aus ihrer Autobiografie "Versuche, dein Leben zu machen":

Im Januar 1943 möchte sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Ralph aus Berlin
flüchten. Sie bekommt ein mulmiges Gefühl. Ein junger Mann steht vor ihrer Wohnungstür."Wer ist dieser Mann?", fragte sie sich. Sie ging lautlos an ihm vorbei und ging zu ihrem ihr völlig fremden Nachbarin. Dieser berichtete ihr, dass ihr Bruder von der Gestapo abgeholtwurde. Auch erfährt sie, dass ihre Mutter im Nebenhaus ist. Sie will sie abholen, aber sie ist nicht mehr da. "Ich soll dir von deiner Mutter sagen, dass sie Ralph folgt, egal wohin er jetztgehe. Versuche, dein Leben zu machen."

Diese Worte erschüttern sie und noch heute plagen sie Schuldgefühle. Ihre Tante Anna, eine Christin und Schweizerstaatsbürgerin kann ihr auch nicht weiterhelfen. Danach lebt sie über ein Jahr bei einer Fremden bis sie auf der Straße auf die Gestapo trifft. "Ihre Papiere, bitte!" "Ich bin jüdisch", liest sie vor. Ich schlucke. Warum? Weil mir klar wurde, dass sie nun in ein Konzentrationslager muss. Und so kam es dann auch. Sie wurde in einem alten Zugwagon und mehreren anderen Juden nach Theresienstadt deportiert wurde. Ein Vorzeigelager der SS gegenüber dem internationalen Roten Kreuz.

Aber sie selbst bezeichnet es als "Zwischenreich, nicht Leben - nicht Tod". Ihr Alltag bestand
nur aus Essen, Schlafen und Arbeiten. Ein Zug kam im Lager an: Überlebende, aber auch
Tote, des Todesmarsches aus Ausschwitz. "Die Toten waren kaum von den Lebenden zu
unterscheiden", beschrieb sie. Dann schloss sie ihre Vorlesung mit einer Rede ab: "Ihr müsst
dafür sorgen, dass das nie wieder passiert. Ihr müsst die Zeitzeugen werden, die wir nicht
mehr sein können. Deswegen bin ich zurück nach Deutschland gekommen." Sie lebte bis
2007 64 Jahre in den USA.

Danach endete die Veranstaltung mit einer Fragerunde, für die leider nicht viel Zeit
blieb, aber wir hatten die Möglichkeit, ihr persönlich fragen zu stellen. Zusammenfassend
kann man sagen, dass wir viel über den Holocaust gelernt haben, aber wir müssen noch mehr
lernen. So sagt es Margot Friedlander.