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| 01:06 Uhr

„Ich muss auf die Euphoriebremse drücken“

Golßen.. Der SV 1885 Golßen hat viele Fußballfans mit einer tadellosen Hinrunde in der Landesklasse-Mitte überrascht. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Trainer Erik Papenhusen. Foto:Harald Friedrich


Glückwunsch, Erik Papenhusen, zum guten Abschneiden Ihrer Mannschaft in der Landesklasse-Mitte. Nach dem Ludwigsfelder HC ist 1885 Golßen der zweitstärkste Neuling in der Klasse. Hätten Sie damit gerechnet„
Natürlich bin ich hochzufrieden mit dem bisherigen Abschneiden meiner Mannschaft. Das ist mehr, als man erwarten durfte. Sicherlich wollten wir allen zeigen, dass wir das Zeug für die Landesklasse haben, aber dass es so gut läuft, konnte man sich nur erträumen. Wenn man bedenkt, dass wir bei 15 Spielen insgesamt neunmal auswärts antreten mussten, ist man schon stolz auf diese Bilanz.

Welche Spieler haben Sie besonders angenehm überrascht und von wem hätten Sie mehr erwartet“
Kritik an einzelnen Spielern, sowohl positiv als auch negativ, möchte ich hier nicht äußern. Bei dem Abschneiden hat keiner enttäuscht und wenn, dann haben wir das intern geklärt. Die Mannschaft hat als Einheit funktioniert und das ist unser großes Plus. Sicher haben wir Spieler, die überdurchschnittlich sind, aber auch solche, die für sich allein „nur“ Kreisligaformat besitzen, aber alle zusammen sind wir tauglich für die Landesklasse und nur das zählt. Die Kameradschaft, Anerkennung und der Respekt untereinander fordern wir von unseren Spielern ein und sie scheinen uns zu verstehen.

Ist in der Rückrunde eventuell noch eine Steigerung möglich„
Optimistisch gesehen ist beim Verhältnis neun Heimspielen zu sechs Auswärtsspielen sogar noch mehr drin, aber das hängt von vielen Faktoren ab. Unser Kader ist nicht so groß, dass wir problemlos Langzeit-Ausfälle verkraften könnten. Von solchen sind wir bisher verschont geblieben.
Zum anderen müssen alle klar im Kopf bleiben, sich den Ehrgeiz auf die bestmögliche Leistung Woche für Woche bewahren.
Persönlich denke ich, dass wir vor allem in der Offensive Reserven haben. Wir haben zwar die fünftbeste Abwehr, aber auch den viertschlechtesten Sturm. Daran müssen wir arbeiten, ohne die gute Defensivarbeit der gesamten Mannschaft zu vernachlässigen. Wir werden jedenfalls um die bestmögliche Platzierung bis zum letzten Spiel kämpfen.

Ist in Ihrer Mannschaft ein möglicher Abstieg überhaupt noch ein Thema“
Ab und zu muss ich schon auf die Euphoriebremse drücken. Das Beispiel Linthe zeigt, wie schnell man in die Krise kommen kann. Deren guter Saisonstart ist nach neun Niederlagen in Folge nun schon vergessen.
Wer kann garantieren, dass uns nicht Ähnliches passiert„ Deswegen ist der Abstieg so lange ein Thema, wie er rechnerisch möglich ist. Bisher haben wir eine gute Ausgangsposition, mehr aber auch nicht.

Wie hoch ist der finanzielle Mehrbedarf in der Landeskasse gegenüber der Kreisliga“ Bekommen Ihre Spieler eine Aufwandsentschädigung oder Prämien„
Natürlich ist der finanzielle Bedarf in der Landesklasse höher. Ich würde ihn auf circa 50 Prozent einschätzen (Fahrtkosten, Schiedsrichterkosten, Ansetzungshefte usw.), aber es ist für unseren Verein noch machbar, obwohl uns der Bau des neuen Sportplatzes ganz schön belastet. Hier gilt ein großer Dank allen Sponsoren, ohne die alles unmöglich wäre. Unsere Mannschaft spielt allerdings noch für die Ehre, ohne Aufwandsentschädigungen. Uns treibt der sportliche Ehrgeiz, wie es nach meiner Auffassung auf unserer Ebene auch noch sein muss.

In vielen Vereinen im Kreis gibt es Probleme wegen der Arbeitsplatzsituation ein geregeltes Training mit der kompletten Mannschaft zu absolvieren. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht“
Ich denke, dass es da allen gleich geht. Wir haben das Glück, dass ein relativ großer Teil der Mannschaft in der Region Fuß gefasst hat und somit regelmäßig beim Training ist. Aber beispielsweise Michael Leschnik und Erik Schüler, zweifellos Leistungsträger in der Offensive, arbeiten in den alten Bundesländern. Sie fehlen dann schon sehr, wenn mögliche Angriffsvarianten probiert werden sollen. Grundvorraussetzung auf unserer Ebene ist jedoch meiner Meinung nach, dass die Spieler körperlich fit sind. Da haben jene, die nicht zum Training kommen können, ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Wer jedoch gerade die Laufbereitschaft von Michael Leschnik am Wochenende sieht, der weiß, wie ernst er die Sache nimmt. Solche Kondition wie er hat keiner, der sich hängen lässt.
Sind sie mit dem Zuschauerinteresse zufrieden„ Wie erklären Sie sich, dass bei einem Durchschnittsbesuch von 124 gegen den Spitzenreiter nur 90 Besucher da waren“
Die Zahl 90 möchte ich nicht kommentieren, wenngleich sie sicher so im Spielbericht stand. Ich bin sehr, sehr zufrieden mit dem Zuschauerinteresse. Die Samstagsspiele sind natürlich ein Problem, sowohl für den arbeitenden Spieler, als auch für den Zuschauer. Aber wie viel uns gerade zu den Auswärtsspielen an Golßener Fans begleiten, ist phänomenal. Das hätte ich so nie erwartet. Dafür gilt im Namen der Mannschaft mein aufrichtiger Dank!

Gibt es in Ihrem Verein Talente in der Jugendarbeit, die kurz- bzw. mittelfristig die Mannschaft ver stärken könnten?
Ohne unsere Jugendarbeit wären wir nichts und schon jetzt haben wir viele Spieler in der Mannschaft, die gerade aus dem Juniorenalter heraus sind. Aber auch Spieler wie Gordon Richter, Maik Grünwald, Ralf König oder Michael Wrobel haben das Zeug dazu, in absehbarer Zeit die Mannschaft zu verstärken. Allerdings müssen sie dies auch ernsthaft wollen und sich dann auch dem erhöhten Trainingspensum stellen. Bei den B-Junioren sind auch einige Spieler dabei, die ich schon im Blick habe. Von dieser Seite ist mir um Golßen nicht bange. Unsere Aufgabe ist es, gerade auch in Zusammenarbeit mit der Reservemannschaft, diese Spieler zu halten und zu fördern. Da sind wir noch verbesserungsfähig, aber ich hoffe, dass sich dies durch viele Gespräche in die richtige Richtung lenken lässt.

Das Gespräch führte
Stephan Teske