An Marcel Horst ist kein Vorbeikommen. Der 23-jährige Wachmann aus Gosda bei Calau steht auf der Karl-Liebknecht-Straße von Luckau vor der alten Knast-Eingangstür und versperrt jedem den Weg, der neugierige Blicke auf den Hof werfen will. „Das ist nicht erlaubt“ , sagt der Mann in der roten Jacke. „Luckauer aus dem Haus gegenüber wollten auch schon gucken. Ich musste ihnen sagen, dass es nicht geht.“ Denn im Innern der früheren Gefängnisanlage tummeln sich gestern und heute nicht nur die Arbeiter von der Klosterkirchen-Baustelle, sondern zudem ein kompletter Filmstab. „Rund 300 Leute sind hier“ , so der Wachmann. Schauspielerin Kate Winslet habe er bereits zu Gesicht bekommen, fügt er an. „Sie hat mir ein Autogramm versprochen.“ Ihre Unterschrift werde dann im gleichen Sammelbuch zu finden sein wie die von Tom Cruise. „Ihn habe ich vergangenes Jahr bei Dreharbeiten getroffen. Da war ich sogar Komparse“ , erzählt der Gosdaer.
Melanie Schulz (19) kommt gerade vom Einkaufen, als sie den früheren Knasteingang passiert. Dass Kate Winslet nur wenige Meter weiter hinter dicken Mauern dreht, ist für die Luckauerin eine Überraschung. „Die ist jetzt wirklich hier? Dann müsste ich ja glatt auf ein Autogramm warten“ , sagt sie, geht letztendlich aber weiter.
Auf der Klosterkirchen-Baustelle dreht sich der Kran, als wäre es ein ganz normaler Arbeitstag. Zwischendurch wird gebohrt und gehämmert. Maurer Michael Zellmer aus Schöna hat kaum Zeit, das Treiben am und im Klinkerbau gegenüber zu beobachten. „Das Zelt auf dem Hof wurde bereits am Donnerstag aufgebaut“ , erklärt der 54-Jährige.
In dem weißen Festzelt verbringt die Crew die Pausen. Scheint die Sonne, bleiben einige Mitarbeiter aber gleich am Imbiss-Lkw davor stehen und lassen sich von einem Heizpilz wärmen.
„So lange kann ich nicht frühstücken“ , kommentiert Maurer Norbert Götze aus Paserin das Geschehen. Dass er Kate Winslet zu Gesicht bekommt, glaubt er nicht. „Die wird uns nicht zum Kaffee einladen“ , erklärt der 48-Jährige.
Wo genau gerade gedreht wird, lässt sich nur erahnen. Mit Hilfe einer Hebebühne wurde eine schwarze Plane über zwei Fenster des vierten Geschosses gehoben, um zu viel direktes Sonnenlicht zu vermeiden. Genau in der Zelle hinter jenen vergitterten Scheiben sollen Szenen mit dem Hollywood-Star entstehen.
Im Luckauer Rathaus wird derweil überlegt, ob es gelingt, Kate Winslet zu einem Kurzbesuch zu überreden. „Vielleicht trägt sie sich ins Gästebuch der Stadt ein“ , sagt Hauptamtsleiter Gerald Lehmann (42). Übernachten wird die Schauspielerin allerdings nicht in der Berstestadt. Dem Vernehmen nach ist für sie ein Hotelzimmer in Burg gebucht.