| 02:49 Uhr

Hohes Tempo, blaue Flecke – und viel Liebe

Petra Pahl und André Hummel – ein Paar im Leben und auf dem Sidecar.
Petra Pahl und André Hummel – ein Paar im Leben und auf dem Sidecar. FOTO: Aswendt
Klettwitz. Beim diesjährigen Frühjahrstraining oder in der PS-eigenen Sprache "Track Day" genannt, fanden sich auf dem Lausitzring am vergangenen Sonntag Motorsportprofis wie auch ambitionierte Amateurrennfahrer ein. Peter Aswendt /

Prominentester Tester war wohl Daniel Keilwitz, der im vorigen Jahr der Champion in der ADAC GT Masters, auf einer Corvette Z06.R GT3 wurde: "Ich fahre gerne auf dem Lausitzring, da es eine abwechslungsreiche Strecke ist und ein sehr sachkundiges Publikum hier herkommt" bestätigt der GT-Champion.

Aber auch die kommende Motorsportelite nutzt den Testtag des ADAC Berlin-Brandenburg, um sich auf die Saison vorzubereiten. So bereitete sich der jüngste Track-Day-Teilnehmer, der 13-jährige Berliner Motorradsportler Tim Georgi, auf seine erste Saison im ADAC-Juniorcup vor.

Liebe für Sidecars entdeckt

Zwischen den Profis, aber nicht minder leidenschaftlich, drehen André Hummel und seine Partnerin Petra Pahl ihre ersten Runden der neuen Saison auf dem Lausitzring. Die beiden Cottbuser haben ihre Liebe für die Motorradgespanne, die sogenannten Sidecars, entdeckt. Das Besondere, sie sind nicht nur im Rennen ein Gespann, sondern auch im täglichen Leben. André Hummel (41), Karosseriebauer, brachte den Motorsportvirus mit in die Beziehung: "Meine ersten motorsportlichen Erfahrungen machte ich im Kart", erinnert er sich. "Es hat bis zur Teilnahme an den ADMV-Meisterschaften gereicht, dann kam aber eine Pause, die ich mit einer 83er Moto Guzzi überbrücke", fügt Hummel hinzu. Mit Klassik-Ausfahrten verbrachte der Rennfahrer aus Leidenschaft eine Zeit, ohne den Kick des echten Racings genießen zu können.

Als er dann zu seiner Lebensgefährtin Petra Pahl (44) mit der Idee des Aufbaues eines Rennwagens kam, war diese wenig begeistert: "Ich hatte keine Lust, immer nur das fünfte Rad am Wagen zu sein und nur mitzufahren, wenn er zum Rennen fährt", so die resolute Verkäuferin. "Für mich stand fest, Motorsport nur, wenn ich aktiv Mitmachen kann", stellt sie klar. Bei der Suche nach dem geeigneten PS-Kick waren beide bei einem Sidecar-Rennen in Schleiz zugegen. "Das isses", war sich das Paar einig und seitdem gibt es das Cottbuser Sidecar-Paar "Hummel und Pahl".

Gespann-Einkauf in England

Auf der Suche nach einem geeigneten Gespann für die Rundstrecke wurden beide in England fündig: "Auf der Insel wird der Seitenwagensport noch richtig zelebriert", schwärmt das Motorsportduo. "Wir hatten das Glück, ein Gespann vom legendären Isle of Man-Sieger Dave Molyneux zu kaufen", freut sich André Hummel. Komplettiert mit einem 600-Kubikzentimeter-Honda-Motor, der 120 PS leistet, kann das 165-Kilogramm-Gespann auf der Lausitzring-Geraden auf satte 240 Kilometer pro Stunde katapultiert werden. Natürlich will man als echter Rennfahrer und Schrauber auch seine Kräfte messen: "Wir starten in der International Sidecar Trophy in der Kategorie F 2", erzählt Petra Pahl. "Das sind sieben Rennen in Europa, das können wir uns gerade finanziell leisten", lacht die sympathische Motorsportlerin. Belächelt wurden auch beide als sie zum ersten Rennen mit ihrem Opel Kadett und dem kleinen Wohnwagen an den Salzburgring anreisten: "Wir wurden für Zuschauer gehalten, da wir nur alleine ohne Mechaniker oder sonstige Helfer anreisten", amüsieren sich beide. Das hat sich aber in der Zwischenzeit gelegt und die beiden sympathischen Cottbuser Gespannfahrer sind fester Bestandteil der Rennserien. Nach der Frage, wer denn eigentlich den Mut aufbringt und auf dem Seitenwagen steht, in Fachkreisen Plattform genannt, zeigt sich definitiv, dass bei dem Cottbusser Duo Frauenpower angesagt ist: "Petra hat ein besonderes Einfühlungsvermögen und weiß ganz genau, wie ich fahrerisch reagiere", begründet André Hummel die Entscheidung, "außerdem ist sie die Mutigere von uns beiden", lacht er. Für Petra Pahl bedeutet das Training, Training und noch mal Training: "Die Fliehkräfte sind so groß, dass man auf dem Seitenwagen gegen die Rahmen und andere Karosserieteile gedrückt wird, da kann man einfach nichts machen", berichtet die Beifahrerin. "Es gab sogar Erklärungsbedarf beim Arzt, als er meine blauen Flecken nach einem Rennen sah", sagt sie. Ungefährlich ist das Leben einer Beifahrerin auf keinen Fall: "Das eine oder andere Mal bin ich schon mal abgestiegen, aber mehr will ich nicht erzählen, sonst machen sich unsere Eltern zu viel Sorgen, wenn sie das lesen", stellt sie augenzwinkernd klar. Für die neue Saison haben sich beide wieder nur eins vorgenommen - viel Spaß haben und gesund bleiben. Und wenn der eine oder andere Sponsor dem familiären Team unter die Arme greifen würde, wären beide nicht böse: "Wir möchten uns schon mal neue Reifen kaufen können, aber da wir alles aus eigener Tasche zahlen, müssen wir auf gebrauchte Sachen zurückgreifen", erzählen sie. Mit schmalen 5000 Euro pro Saison ist das Budget sehr begrenzt. Dafür gibt's viel Spaß, Urlaub auf der Rennstrecke und blaue Flecke gratis bei Petra Pahl. Wer das Motorsportduo aus Cottbus sehen möchte, der sollte sich im Kalender den 31. Mai und 1. Juni dick anstreichen, denn dann gastiert die International Sidecar Trophy auf dem Lausitzring.