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Erntedankfest mit vielfältigem Angebot
Historisches auf dem Höllberghof

Mit dem typischen Trecker-Tuckern seines Wasserverdampfers lockte Michael Döring immer wieder Interessierte zum Ausstellungsbereich der Traktoren. Bei so manchem weckten Geräusch und Anblick Erinnerungen an frühere Zeiten auf dem eigenen Hof.
Mit dem typischen Trecker-Tuckern seines Wasserverdampfers lockte Michael Döring immer wieder Interessierte zum Ausstellungsbereich der Traktoren. Bei so manchem weckten Geräusch und Anblick Erinnerungen an frühere Zeiten auf dem eigenen Hof. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Langengrassau. Erlebnisse für alle Sinne hat das traditionelle Erntedankfest im Freilichtmuseum Höllberghof bei Langengrassau am gestrigen Feiertag geboten. Historisches Landleben und alte Handwerkstechniken zum Anfassen und Ausprobieren, dazu Musik und ein bunt gemixtes Markttreiben lockten hunderte Besucher auf das Areal mit dem historischen Dreiseitenhof, Scheune, Kossäten- und Tagelöhnerhaus. Birgit Keilbach / bkh1

Den traditionellen Auftakt bildete die Übergabe der Erntekrone durch die Mitglieder des Niederlausitzer Landfrauenverbandes. Mit ihrer Vielzahl an Ähren erinnere sie die Menschen stets an ihre Abhängigkeit von der Natur, erläuterte die Verbandschefin Heike Lehmann. Gelegenheit zum Innehalten bot der anschließende Erntedank-Gottesdienst mit Pfarrer Frank Gehrmann.

Zunehmend strömten die Besucher auf das weitläufige Gelände. Auf der Bühne stimmten die Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins "Frohsinn" aus Langengrassau mit beliebten Heimat- und Volksliedern auf den Herbst ein. Die Folkloretanzgruppe aus Berlin-Köpenick hatte für diesen Tag passend zur Region die Flämingtracht angelegt. "Berlin hat keine Tracht. Aber betuchte Berliner reisten schon früher in den Fläming in den Urlaub und vor allem den Frauen gefiel sie. So kam die Tracht nach Berlin", erzählte Bärbel Dombrowski. "Wir sind von der Atmosphäre sehr angetan", sagte Corinna Lemke.

Die lebensfrohen Tänze animierten zum Mitmachen und so bedurfte es für die Annemarie-Polka keiner großen Aufforderung. Schnell füllte sich die Tanzfläche mit begeisterten Mittänzern. Beim Bummel über das Gelände konnten die Besucher an den Ständen viel traditionelles Handwerk und regionale Produkte entdecken, ausprobieren und mitnehmen. Die Hähne der Luckauer Rassegeflügelzüchter sorgten schon nach den ersten Schritten für ländliche Geräuschkulisse. Das weithin hörbare Trecker-Tuckern lockte die Freunde der Zugmaschinen gezielt ans andere Ende des Hofes, wo die historische Technik ausgestellt war. Fachsimpeln und in Erinnerungen schwelgen war hier angesagt. "Das Interesse ist groß. Viele erzählen von früheren Zeiten, als sie selbst noch einen Traktor auf dem Hof stehen hatten", sagte Michael Döring aus Langengrassau. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie eine Erntekrone entsteht, konnte sich das bei den Landfrauen aus Karche-Zaacko, Schlabendorf und Egsdorf anschauen. "Es ist erstaunlich, wie viele Leute nachfragen, welche Getreidearten verwendet werden und wie sie aussehen", erzählte Lilo Niepraschk.

Beim Heimatverein Wehnsdorf gab es typische Gerichte, Kartoffeln, Quark und Leinöl, Kürbissuppe und am Nachmittag Karfoffelpuffer. Eine lange Mittagstafel wie in früheren Zeiten hatten sie zur Mittagszeit gedeckt.

Vielfältig war auch das Angebot für die Kinder. Die Kartoffelklapper mitten auf der großen Wiese erwies sich ein weiteres Mal als großer Magnet. Auch Carolin und Konstantin Ost aus Königs Wusterhausen drehten abwechselnd an der Kurbel und fingen die Kartoffeln am Ende auf. "Wir kommen jedes Jahr hierher", sagte ihre Mutter Christine. Oma Gisela kennt die Klapper noch aus ihrer Kindheit. "Wir haben damit die Kartoffeln sortiert. Hier können die Enkel kennenlernen, was früher auf dem Lande üblich war." Aus diesem Grund freuten sich auch Martin und Dana Kummer aus Rabenau in Sachsen darüber, dass es nach einjähriger Pause wieder ein Erntedankfest gibt. "Es ist beschaulich hier und es wird wirklich die Zeit von damals gezeigt, das regionale Essen nahegebracht. So etwas gibt es in unserer Region nicht", sagte Martin Kummer.

Neben den kulinarischen Genüssen gab es alles, was der Herbst an Früchten zu bieten hat, frisches Gemüse, farbenfrohe Blumen und natürlich Kürbisse. 35 verschiedene Sorten hatte der Landwirtschaftsbetrieb Lehmann aus Lipten ausgestellt, vom Flaschenkürbis über Hokkaido-, Öl- und Halloweenkürbisse bis zum alten Deutschen Kürbis, einschließlich Kostproben von Kürbismarmelade und -suppe. "Wir sind zum ersten Mal hier und es gefällt uns gut", bilanzierte Harald Lehmann.