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| 02:56 Uhr

Hilferuf auf Rädern für den Radweg

Luckau/Gießmannsdorf. Seit sieben Jahren warten Wierigsdorfer und Gießmannsdorfer auf einen Radweg an der stark befahrenen Bundesstraße 96. Sie fühlen sich veralbert. Am Freitag machen sich Rad- und Autofahrer aus beiden Dörfern auf den Weg nach Luckau, um ein Zeichen zu setzen. Carmen Berg

"Wir wollen eine Verkehrssituation nachstellen, wie wir sie häufig erleben", nennt Gießmannsdorfs Ortsvorsteher Thomas Weichert das Ziel der Aktion. "Wenn die Blechlawinen rollen, wissen die Radler nicht wohin", sagt er. Besonders schlimm sei es, wenn die Autobahn mal wieder dicht sei oder Mautpreller, die nach Baruth wollen, die Bundesstraße nutzen. "Ich muss jeden Tag mit dem Rad nach Luckau", erzählt Bärbel Pohl. Auf der Bundesstraße habe sie Angst. Lieber nehme sie Umwege über Feld und Flur in Kauf. Christina und Günter Strauch wohnen in Wierigsdorf an der Mühle. "Um in den Ort zum Bus zu kommen, müssen wir in einer gefährlichen Kurve laufen." Auch Familien mit Kindern seien davon betroffen. "Die Eltern können ihre Kinder nicht allein gehen lassen", sagen die Eheleute. "Es wird Zeit, dass die Situation sicher wird", fügen sie an.

Dabei gibt es das erste Stück des ersehnten Radweges bereits seit dem Jahr 2006. Es führt von der Kreuzung der Berliner Straße/Nordspange in Luckau bis zur Anbindung an die Ortsumgehung. Bauherr war die Stadt. Die Hoffnung damals: die folgenden Abschnitte bis Wierigsdorf und weiter bis Gießmannsdorf, die in der Hoheit des Landesbetriebes für Straßenwesen liegen, würden sich nahtlos anschließen. Sie erfüllte sich bislang nicht.

Nur ein paar Hundert Meter

"Bis Wierigsdorf sind es doch nur noch ein paar Hundert Meter", sagt Thomas Weichert. Insgesamt bis Gießmannsdorf würden es wohl so um die zwei Kilometer sein, schätzt er. Als die Brücke über das Mühlenfließ gebaut worden war, sei der künftige Radweg bereits berücksichtigt worden. "Warum wird Begonnenes nicht zu Ende gebracht", ärgert sich der Ortsvorsteher.

Die Planungen für den Abschnitt in Bundeshoheit hätten einst sogar früher begonnen als die für den kommunalen Abschnitt, sagt Luckaus Bauamtsleiter Michael Krüger. Verschiedene Gründe hatten immer wieder für Verzug gesorgt. Jetzt, so sind die Anwohner aufgebracht, soll es nur noch an einer Unterschrift hängen, um das Vorhaben endlich auf den Weg zu bringen. "Die Planfeststellungsbehörde muss bescheinigen, dass es für diesen Radweg keines Planfeststellungsverfahrens bedarf", sagt Michael Krüger. In einem Brief an Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte sich Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) für die betroffenen Anwohner stark gemacht. Es sei den Bürgern nicht vermittelbar, dass ein Planfeststellungsverzicht bislang offenbar nicht erklärt werden konnte, weil in der zuständigen Behörde ausschließlich das Projekt der A 14 bearbeitet worden war und deshalb alles andere blockiert worden sei, so der Bürgermeister.

Aus der Niederlassung Süd des Landesbetriebes hat Bauamtsleiter Krüger dieser Tage jedoch hoffnungsvolle Signale bekommen. Trotz der noch fehlenden Unterschrift sollen demnach die weiteren Schritte für den Abschnitt zwischen Umgehung und Wierigsdorf veranlasst werden. Demnach könnte im nächsten Jahr gebaut werden, sagt Michael Krüger. Für den weiteren Abschnitt bis Gießmannsdorf habe die Stadt Luckau beim Landesbetrieb beantragt, die Planungsrechte auf die Kommune zu übertragen, so Krüger. Der Vorteil: es könnte zeitgleich an beiden Abschnitten gearbeitet werden. "Unser Ziel ist es, dass sich der Gießmannsdorfer Bauabschnitt unmittelbar an den Wierigsdorfer anschließen kann", sagt Luckaus Bauamtsleiter. Der Antrag sei dieser Tage gestellt worden. Eine Entscheidung steht noch aus.

Ärger mit der Polizei

Auf die Wierigsdorfer und Gießmannsdorfer, die sich am Freitag für mehr Sicherheit auf den Weg gemacht hatten, wartet bei der Ankunft in Luckau erst einmal die Polizei. Offenbar hatten andere Verkehrsteilnehmer, die sich behindert fühlten, die Streife gerufen. Es müsse nun geklärt werden, ob die Aktion der Bürger unter das Versammlungsrecht fällt, sagt Anna Bach von der Inspektion Dahme-Spreewald."Dann hätte sie 48 Stunden zuvor angemeldet werden müssen", erklärt die Polizeihauptkommissarin. Wie die Sache ausgehen wird, ob am Ende gar eine Anzeige gegen die Organisatoren droht, bleibt am späten Freitagnachmittag noch offen. Zunächst einmal dürfen sich die Leute mit ihren Drahteseln und Pkw ohne polizeiliche Auflagen auf den Heimweg machen.