(bkh) „Zu einer Ausstellung kommen auch Leute, die sonst nicht in die Kirche gehen“, sagt Carsten Rostalsky. Diese Erfahrung hat der Pfarrer vor seiner Zeit in Dahme gemacht. Denn die Kunst begleitet den 58-Jährigen seit der Schulzeit in Teltow, wo er aufgewachsen ist. „Ich hatte Spaß am Malen und einen sehr guten Kunstlehrer.“ Dieser habe ihm schon früh nahegebracht, wie sich durch bildende Kunst Räume eröffnen und sie das Leben bereichert. „Ich kann mich an Kunst erfreuen und lasse mich von dem Gedanken leiten, wenn mir etwas gefällt, dann muss es doch anderen auch gefallen.“

An seiner ersten Pfarrstelle kam er auf die Idee, eine kleine Kirche mit einer Kunstausstellung zu beleben. „Es gab in Tornow eine romanische Dorfkirche mit total hässlichen Wänden. Diesen Anblick wollten wir einmal im Jahr für vier Wochen verändern“, erzählt Carsten Rostalsky, der auch seine Frau Britta, gleichfalls Pfarrerin, für die Kunst begeistert hatte. Stellwände wurden im Gotteshaus aufgestellt. Als erste zeigte Erna Roder dort ihre Bilder. Die malende Pfarrersfrau aus dem Oderbruch sei ein Original gewesen, habe in der Kienitzer Kirche gewohnt und mit dem Verkauf ihrer Bilder die schrittweise Sanierung der Kirche ab den 1990er-Jahren ermöglicht. Später habe er in Tornow koreanische Grafik ausgestellt und zur Eröffnung sei die Tanzgruppe „Hanbok“ in Nationalkleidung aufgetreten. „Darüber haben die Leute noch Wochen später gesprochen“, erinnert sich der Pfarrer.

Viele Kontakte zu Künstlern knüpfte Carsten Rostalsky in Laufe der Jahre, denn die Kunstausstellungen in der Kirche führte er auch an der zweiten Pfarrstelle in Finowfurt weiter. Kirchen sind nicht nur Orte, wo sich Christen zusammenfinden, sie erzählen Geschichte. Daher ist es dem Pfarrer ein Bedürfnis, Menschen einen unbefangenen Zugang zu ermöglichen. In Lichterfelde öffnete er die Kirche für Musik, auch die Autobahnkirche in Werbellin entstand auf seine Initiative hin.

Als er mit seiner Frau und den zwei Kindern 2008 nach Dahme kam, bot sich nicht gleich die Möglichkeit zu Ausstellungen in der Marienkirche. Eine umfangreiche und länger als gedacht andauernde Sanierung und Restaurierung war dringend nötig. „Schon während der Sanierung entstand mit dem Gemeindekirchenrat die Idee, in der ehemaligen Winterkirche im Südschiff einen Ausstellungsraum einzurichten.“ Während dieser Zeit hatten die Dahmenser Gelegenheit, sich Werke verschiedenster Künstler anzuschauen – in der Seniorenresidenz. Seit 2011 organisierte das Pfarrer-Ehepaar jährlich eine Kunstausstellung in der Kemlitzer Kirche, die zum Pfarrbereich von Britta Rostalsky gehört. 2014 war die Sanierung der Dahmer Marienkirche abgeschlossen, seitdem laden zwei- bis dreimal jährlich Kunstausstellungen zum Besuch ein, oft mit einer korrespondierenden Exposition in der Kemlitzer Kirche. „Arche Noah“, „Genug gekreuzigt“ „Klöster, Kirchen, Kathedralen“ oder „Engel“ lauteten einige der Themen. Lithografien von Fritz Cremer, Werke von Barlach, Chagall, HAP Grieshaber – aber auch von regionalen Malern und Grafikern waren schon zu betrachten. Etliche Ausstellungen entstanden in Kooperation mit den Dahmenser Künstlern der Galerie „Kunstpause“.

Etwa zwei Jahre vorher beginnt für Carsten Rostalsky die Vorbereitung einer Ausstellung. „Die Ideen kommen einfach zu mir“, sagt der Pfarrer. Zum Beispiel für die „Arche Noah“-Ausstellung. „Dazu gab das an die Kirchengemeinde zurück gegebene Gemälde den Anstoß. Und ich sprach die Kunstpause-Künstler an, ob sie dazu beitragen wollen.“ Darüber hinaus bringe er seine Ideen unter Kunstfreunden in Umlauf. „Dann entwickelt sich eine Eigendynamik, ich bekomme Anrufe und Angebote zum Thema.“

Zu jeder Ausstellung kommen Besucher auch aus den Städten in der Umgebung sowie aus Berlin. „Diese Besucher sind dann oft erstaunt über die Kirche an sich“, worüber sich Carsten Rostalsky freut. Denn die Dahmer Kirche St. Marien hat mit der Restaurierung ihren früheren Glanz zurück erhalten. Ein besonderes Detail sind die wieder geöffneten bleiverglasten Kirchenfenster neben der Kanzel. Sie zeigen Bildnisse von zwei verdienstvollen Dahmensern; dem Reformator Georg Buchholzer und Christian Gottlob Teichelmann. Letzterer wirkte ab 1838 als Missionar im australischen Adelaide und machte sich um den Erhalt der Sprache der Aborigines, der Ureinwohner des fünften Kontinents, verdient. 2011 wurde der Pfarrer darauf aufmerksam, als er eine E-Mail aus Australien erhielt. Zwei Aborigines-Frauen kamen nach Dahme. „Sie fassten den Taufstein an und sangen ein Lied, das Teichelmann ihren Vorfahren beigebracht hatte.“ Dies war für Carsten Rostalsky ein bewegender Moment. Seitdem befasste er sich intensiv mit dem Wirken des Missionars. 2018 reiste er nach Adelaide und begab sich auf Teichelmanns Spuren. Natürlich entstand dabei auch Kontakt zu einer Künstlerin. Und so wird schon bald eine Ausstellung mit Bildern von Marianne Lange Landschaften und Tiere Australiens nahebringen.

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