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| 14:26 Uhr

Satirischer Ausblick
Radwege und ein rettender Käfer

Ob Heribert Morali sein Handwerk versteht, werden wir erst in einem Jahr wissen.
Ob Heribert Morali sein Handwerk versteht, werden wir erst in einem Jahr wissen. FOTO: Foto: Paulista/Fotolia
Luckau. Hausastrologe Heribert Morali schaut für die RUNDSCHAU-Leser in die Sterne.

Ein neues Jahr steht vor der Tür. Wenn die Raketen in den Silvesterhimmel steigen, fragen sich die Menschen zwischen Luckau und dem Dahmer Land,  was es bringen mag. Ein letztes Mal noch wird der Astrologe Heribert Morali für die RUNDSCHAU-Leser in die Sterne schauen. Dann freut er sich auf die Rente.

Wie immer richtet der Experte den Blick zuerst auf Luckau und sieht ordentlich Bewegung. Die Stadt bereitet sich auf einen Boom vor, wenn sie demnächst Mittelzentrum wird. Eben setzen Zimmerleute den Richtkranz  auf  einen Bau in den Konturen einer Riesen-Sonnenblume. Wie eine Produktionshalle wirkt das nicht, denkt der Astrologe. Er hört hinein in die feierliche Rede des Bürgermeisters: Das wird der Kinder-Campus. Je 300 Kita- und Hortplätze entstehen. Schick ist er ja, der Bau. Doch Morali ist skeptisch: Wenn Luckau aufblüht wie erhofft, wird er womöglich schon bald wieder nicht mehr reichen.

Die Überlegungen noch im Hinterkopf, wird der Experte abgelenkt von einem Bild, das ihn irritiert. Eigentlich sollte im Fernrohr Dahme erscheinen. Aber wo ist das Rathaus? Nervös dreht Morali an seinem Arbeitsgerät, bis er den stolzen Sitz der Dahmer Amtsverwaltung in Werbig-Lichterfelde im Niederen Fläming wiederfindet.  Sofort macht er sich schlau und erfährt: Nach der Fusion des Amtes Dahme mit der benachbarten Großgemeinde zum 1. Januar 2018 hat der Amtsausschuss mit großer Mehrheit die Umsetzung beschlossen. Die wenigen Städter im neu formierten Gremium wurden überstimmt. Schon bald drängt es Banken, Firmen, Kinder- und Kultureinrichtungen aus der Kernstadt an den neuen Verwaltungssitz. Potsdam macht sich die frei werdenden Flächen zunutze. Die Landesplanung wird eilig ergänzt um den  Windpark Dahme-City.

Nicht jedem gefällt diese Alternative, manch einer trägt sich mit Auswanderungsgedanken. In Luckau ist es schon reichlich voll. Aber in Heideblick gibt es noch Möglichkeiten. Der topaktuelle Internetauftritt der Gemeinde sowie eine rollende Verwaltung, die zu den Bürgern in die Dörfer kommt,  lassen darauf schließen, dass hier  die Zukunft nicht verschlafen wird. Dank  der Zuzügler  aus Dahme wachsen die Heideblicker rasant von 3000 auf mehr als 5000 Seelen an. Das wird, so sieht es Heribert Morali voraus, die Gemeinde für die nächsten Jahre vor einer Zwangsheirat schützen.

In Luckau plagen derweil andere Sorgen. Der Bahnhof Uckro kann trotz Zügen und Busanschlüssen im Halbstunden-Takt  die vielen Pendler und Touristen nicht mehr bedienen, die in die Gartenstadt strömen. Um die Lage zu entschärfen, trifft das Brandenburger Infrastrukturministerium  (das Wahljahr 2019 lässt grüßen) eine Entscheidung: Auch an den Bahnhöfen in Drahnsdorf und Golßen werden demnach ab sofort mindestens zu jeder Stunde Schnellzüge halten.

Als Problem allerdings erweist sich die Weiterbeförderung der Passagiere nach Luckau. Die Regionale Verkehrsgesellschaft stößt an ihre Grenzen. Da haben die Bürger von Gießmannsdorf die zündende Idee. Gemeinsam mit den Einwohnern von Zützen schlagen sie als Zusatzangebot einen Fahrrad-Rikscha-Service an der B 96 zwischen Golßen und Luckau vor.  Heribert Morali reibt sich die Augen, denn er sieht Bauleute im Drei-Schicht-System die entsprechenden Fahrradwege aus dem Boden stampfen. Das freut den Astrologen, denn viele Jahre haben die Orte auf Radwege gewartet.

Doch die Zukunftsaussichten für Dahme lassen Morali keine Ruhe. Zum Abschluss seiner Runde schaut er deshalb noch einmal dorthin. An den Ortseingängen kehren Schwerlaster, beladen mit Mühlenflügeln, wieder um. Bald entdeckt der Fachmann den Grund dafür:  An der ausgebrannten Schützenhaus-Ruine bewegen sich vorsichtig Forscher mit Mikroskopen. Sie schauen durchs Glas und zu den Abbildungen in ihren Büchern. Es bestätigt sich eine Sensation. Der als ausgestorben geltende rotgeringelte Breitschwanzkäfer mit grünen Flügeln  hat das verfallene Schützenhaus besiedelt. Die Brandruine wird mit Fördergeld zum internationalen Käfer-Forschungszentrum ausgebaut. Und das geschützte Insekt bewirkt, dass nun in Dahme-City kein Mega-Windpark entstehen darf.

Ende gut, alles gut. Heribert Morali kann endlich Feierabend machen.

So wird es sein im Jahr 2018.

Wenn die Sterne nicht lügen.

(red)