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| 16:10 Uhr

Ortschronik
„Ruhe ist für mich ein Fremdwort!“

 Hobby-Historiker Helmut Döcke im Eingangsbereich zu seinem Lieblingsplatz: dem Heimatmuseum in Bornsdorf. Früher war hier die Kneipe des Ortes, nun kommen Geschichtsinteressierte und Museumsliebhaber auf ihre Kosten.
Hobby-Historiker Helmut Döcke im Eingangsbereich zu seinem Lieblingsplatz: dem Heimatmuseum in Bornsdorf. Früher war hier die Kneipe des Ortes, nun kommen Geschichtsinteressierte und Museumsliebhaber auf ihre Kosten. FOTO: Hofmann Rüdiger
Bornsdorf. Helmut Döcke hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Wo man einst in Bornsdorf in die Kneipe ging, kann man nun sein Heimatmuseum besuchen. Und so gut wie alles über den beschaulichen Ort erfahren. Von Rüdiger Hofmann

Nur der Tresen erinnert noch an die alte Kneipe in Bornsdorf. Der Gastraum aber hat sich deutlich verändert. Betritt man das neue Heimatmuseum von Helmut Döcke in dem 280-Seelen-Dorf, empfangen einen Mopeds aus der DDR-Zeit, Tausende ausgestellte Fotos, Dokumente, Bücher. Einen Nebenraum hat der inzwischen 81-Jährige zu einem historischen Wohnzimmer umfunktioniert. Auf dem Tisch steht ein Tafelservice. Den Raum schmückt eine alte Standuhr, die massive Kommode und eine Nähmaschine. „Zum Teil sind hier noch Möbel meiner Eltern von 1930 dabei“, sagt Döcke.

Im Hauptraum gibt es alte Küchengeräte zu bestaunen, Schreibmaschinen, einen Kachelofen, von dem die blaue FDJ-Bluse grüßt, auch Schallplatten. Heintje grinst seinen Betrachter an, als hätte er soeben noch „Mama“ geträllert. Auf dem Tisch hingegen der strenge Blick des Preußenkönigs Friedrich des Großen auf einem Buchcover. An der Wand hängt das Familienwappen. Es ist eine regelrechte Zeitreise, auf die man sich während des Museumsbesuches begibt.

Döcke hat in akribischer Fleißarbeit über Jahrzehnte hinweg gesammelt. „Einige der Ausstellungsstücke habe ich auch geschenkt bekommen“, sagt er. Der Hobby-Historiker erinnert sich zudem an viele spannende Gespräche mit alten Einwohnern. Irgendwann beginnt er, die Erkenntnisse zusammenzutragen und aufzuschreiben. Erst per Hand, später per Rechner. „Als ich 75 war, haben sie mir einen Laptop geschenkt. Anfangs wusste ich nicht, was ich damit soll. Heute will ich ihn nicht mehr missen“, sagt Döcke.

So entstehen im Laufe der Jahre zwei Ortschroniken. Zur 666-Jahr-Feier des Ortes legt er eine davon vor. Auch sie ist in der Ausstellung zu finden. Von besonderem Wert aber ist sein Familienstammbaum, den er fast 400 (!) Jahre zurückverfolgen kann. „Geschichte der Familie Döcke vom 17.05.1647 bis zum 31.10.2016“ steht auf der Titelseite. Zu seinem 80. Geburtstag übergibt er an seine Familienmitglieder „80 Jahre – ein Leben auf dem Dorf“.

Wer viel sammelt, braucht aber auch viel Platz. Als die Kneipe im Ort noch lief, musste Helmut Döcke all die Anschaffungen auf das Wohnhaus beschränken. Der Platz wurde knapp, da kam ihm die Schließung des Gasthauses gerade recht. „Ende 2015 haben wir die Dorfkneipe aus Altersgründen zugemacht, die meine Frau Edeltraud 25 Jahre lang geführt hat“, sagt der Rentner. Zwei Jahre stand die Gastwirt­schaft dann leer. „Aber Ruhe ist für mich ein Fremdwort“, sagt Döcke, der zwischen 1975 und 1990 Ortsbürgermeister von Bornsdorf war, viele Jahre die Geschicke der Feuerwehr geleitet hat und sich als Koch einbrachte.

Nun gibt es plötzlich genügend Platz für all die Werke aus zahlreichen Archiven. Mit dem neuen Heimatmuseum konnte er sich einen Lebenstraum erfüllen. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Wer kommt, der kommt. Lediglich Samstag ab 13 Uhr ist das Museum immer offen, die restlichen Tage auf Zuruf. Die am weitesten angereisten Besucher kamen bislang aus Tschechien und aus der Schweiz. „Die Schweizer waren in Fürstlich-Drehna untergebracht und kamen dann per Rad hier vorbei“, erinnert sich Döcke. Für ihn sei eher erstaunlich, dass aus Bornsdorf bislang noch recht wenig Interessierte einen Blick in die alte Kneipe riskiert haben.

Und hat er noch weitere Pläne für sich und sein Museum? „Eigentlich nicht“, sagt er. Bestandspflege sei nun das Wichtigste. „Ich freue mich, dass es so läuft.“ Lediglich die Chronik wird fortgeschrieben. Denn Ruhe ist ja bekanntlich nichts für ihn.

 Nicht zu verfehlen: Draußen hängen Hinweisschilder am Museum.
Nicht zu verfehlen: Draußen hängen Hinweisschilder am Museum. FOTO: Hofmann Rüdiger
 Zeugnis einer vergangenen Zeit: Der alte Kachelofen.
Zeugnis einer vergangenen Zeit: Der alte Kachelofen. FOTO: Hofmann Rüdiger
 Fotos, Bücher, Schallplatten, Instrumente und alte Küchengeräte prägen den Hauptraum des Museums.
Fotos, Bücher, Schallplatten, Instrumente und alte Küchengeräte prägen den Hauptraum des Museums. FOTO: Hofmann Rüdiger
 Hobby-Historiker Helmut Döcke im Eingangsbereich zu seinem Lieblingsplatz: dem Heimatmuseum in Bornsdorf. Früher war hier die Kneipe des Ortes, nun kommen Geschichtsinteressierte und Museumsliebhaber auf ihre Kosten.
Hobby-Historiker Helmut Döcke im Eingangsbereich zu seinem Lieblingsplatz: dem Heimatmuseum in Bornsdorf. Früher war hier die Kneipe des Ortes, nun kommen Geschichtsinteressierte und Museumsliebhaber auf ihre Kosten. FOTO: Hofmann Rüdiger
 Nicht zu verfehlen: Draußen hängen Hinweisschilder am Museum.
Nicht zu verfehlen: Draußen hängen Hinweisschilder am Museum. FOTO: Hofmann Rüdiger
 Zeugnis einer vergangenen Zeit: Der alte Kachelofen.
Zeugnis einer vergangenen Zeit: Der alte Kachelofen. FOTO: Hofmann Rüdiger
 Fotos, Bücher, Schallplatten, Instrumente und alte Küchengeräte prägen den Hauptraum des Museums.
Fotos, Bücher, Schallplatten, Instrumente und alte Küchengeräte prägen den Hauptraum des Museums. FOTO: Hofmann Rüdiger