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| 02:42 Uhr

Helga Tucek sagt Ade nach 43 Jahren

Eine Eintrittskarte auf Lebenszeit überreichte Gerald Lehmann der scheidenden Museumsleiterin Helga Tucek.
Eine Eintrittskarte auf Lebenszeit überreichte Gerald Lehmann der scheidenden Museumsleiterin Helga Tucek. FOTO: be
Luckau. Brandenburgs dienstälteste Museumsleiterin Helga Tucek ist am Montagnachmittag in der Kulturkirche von Weggefährten und Freunden in den Ruhestand verabschiedet worden. 43 Jahre stand sie dem Luckauer Museum vor. Carmen Berg

"Bescheiden, sich nie in den Vordergrund drängend, aber nachhaltig", wie Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) sie in seiner Dankesrede beschrieb, war Helga Tucek auch beim Abschied zu erleben. Aus dem Hinteren des Klostersaales ließ sie die Blicke über die Tische schweifen, stets besorgt, dass es den Gästen an nichts fehlt.

Zahlreich waren Kollegen und Freunde aus Museen, aus Kultur und Stadtverwaltung gekommen, um Danke zu sagen. Gerald Lehmann nannte das Schaffen der Museumsleiterin einen festen Trittstein im Treibsand der gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie habe das Niederlausitz-Museum zu einem Ort der Bildung und der Identifikation der Luckauer mit ihrer Stadt gemacht, sagte er. Zu jedem Exponat kenne sie die Geschichte, sei "eine Art Gehirn unserer Stadt".

Geboren wurde Helga Tucek 1951 im sächsischen Löbau als jüngstem Kind einer Handwerkerfamilie. Während der Schulzeit habe sie mit Freunden manche Freistunde im benachbarten Museum verbracht, sich aber auch für Kunst und Architektur interessiert, erzählte sie. So hatte Helga Tucek ursprünglich Denkmalpflegerin werden wollen, habe dann aber durch den Tipp einer Freundin von 1970 bis 1973 Museologie in Leipzig studiert und später ein Fernstudium der Geschichte angehängt.

Über die sogenannte Absolventenlenkung kam sie nach Luckau und übernahm mit erst 22 Jahren die Leitung des Museums. Für rund 190 Ausstellungen trug sie in den Jahren die Verantwortung. Gern erinnere sie sich an den Museumsbeirat, zu DDR-Zeiten Pflicht, aber in Luckau mit kompetenten Menschen besetzt, die ihr zur Seite standen, so die scheidende Chefin.

Auch manche heitere Episode machte die Runde. So jene von der großen Ausstellung 1976 zum Luckauer Stadtjubiläum. "Wir bekamen neue Vitrinen. Aber es gab kein Glas dafür. Entsprechend umfangreich war die Bewachung", erzählte Helga Tucek.

Zu den großen Herausforderungen während ihrer Dienstzeit gehörte im Jahr 2008 der Umzug in die Kulturkirche, wo das Niederlausitz-Museum ein ganz besonderer Magnet für Historienfreunde weit über Luckaus Grenzen hinaus geworden ist.

Helga Tucek strahle ihre Liebe zum Museum aus, sagte Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Brandenburger Museumsverbandes. Sie kenne ihr Haus bis in den letzten Winkel, und es sei ihr immer wieder gelungen, aus den Sammlungen heraus neue Ausstellungen mit spannenden Facetten zu gestalten. Ihren Nachfolgern hinterlasse sie ein gut bestelltes Haus.

Marina Gadomski, seit zwei Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Niederlausitz-Museum tätig, folgt Helga Tucek auf dem Chefsessel. Gerald Lehmann wünschte ihr dieselbe Kraft und Ausdauer bei ihrer Aufgabe. Helga Tucek überreichte er eine Eintrittskarte auf Lebenszeit ins Niederlausitz-Museum, verbunden mit dem Wunsch, sie möge mit ihrem Wissen und ihrem Herzblut der Stadt im Unruhe-Stand erhalten bleiben.