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| 02:49 Uhr

Heldenhafte Prinzen und Riesen

Märchenerzählerin Brigitte Schaller bezieht auch die Kinder in ihre Geschichten ein.
Märchenerzählerin Brigitte Schaller bezieht auch die Kinder in ihre Geschichten ein. FOTO: A. Brautschek
Luckau. Aufgeregt sitzen 30 Mädchen und Jungen der Rosa Luxemburg Grundschule in den Räumen der Bibliothek der Ninnemann-Stiftung in der Luckauer Kulturkirche. Ungeduldig warten sie auf den Beginn der Märchenstunde. Anja Brautschek /

Mit dem französischen Kinderlied "Frère Jacques" ("Bruder Jakob") leitet die Erzählerin Brigitte Schaller das Thema der kommenden Stunde ein. Die ehemalige Lehrerin ist aus Berlin angereist und hat märchenhafte Abenteuer von Prinzen, Däumlingen und Riesen mitgebracht. Begeistert singen die Zweitklässler mit und lauschen danach gespannt den Geschichten.

Die Vorführung ist Teil der Berliner Märchentage, die jährlich im November stattfinden. Künstler, Lehrer und Prominente berichten in mehr als 800 Veranstaltungen über zauberhafte Fabelwelten und Heldentaten. Brigitte Schaller ist bereits zum zehnten Mal dabei. Sie arbeite gern mit Kindern und fühle sich damit zurückversetzt in ihre Zeit als Lehrerin. "Das Märchenerzählen ist wichtig für die Entwicklung des Nachwuchses", begründet die Berlinerin ihr Engagement. Denn dabei würde die Fantasie angeregt und die Kreativität gefordert.

In diesem Jahr widmet sie sich Geschichten aus Frankreich. Begleitet wird die Erzählerin von Ursula Rothen Kern. Die Musikpädagogin untermalt die Märchen mit Melodien auf der Bambusflöte und schafft so eine einzigartige Stimmung. Heiterkeit, Trauer, Aufregung oder Ratlosigkeit von den Märchenfiguren könne durch die warmen Klänge der Flöte wiedergegeben werden, so Brigitte Schaller. "Für mich ist die Bambusflöte das ideale Begleitinstrument", sagt sie.

Zuerst schildert sie die Erlebnisse des Querpfeifenspielers. Leidenschaftlich erzählt die Berlinerin, welch schwierige Aufgaben der junge Mann meistern muss. Allerdings überwindet er mithilfe der Tiere, denen er zuvor geholfen hat, alle Hindernisse. Mit ihrer Gestik und Erzählweise zieht sie die Grundschüler in den Bann. Aufmerksam hören sie ihren Worten zu. Für die größte Begeisterung sorgt allerdings die Geschichte des kleinen Däumlings. Die Knirpse jubeln: "Ja. Das kenne ich." Interessiert verfolgen sie, mit welchen Taten der Däumling seine Brüder rettet. Er ist der kleinste von sieben Geschwistern. Während einer großen Hungersnot werden die Sieben von ihren Eltern ausgesetzt. Neu ist den Schülern die Passage, in der ein menschenfressender Riese die Jungen verspeisen will. "Dieses Märchen hat mir am besten gefallen. Das war total spannend", sagt die kleine Talea. Die Geschichte des Prinzen, der einen Wunsch hat, gefällt ihr ebenfalls gut. Er schafft es mit viel Geschick, seinen Wunsch und die Wünsche der Mutter sowie seiner Frau zu verbinden. So muss die kleine Fee statt einer letztlich drei Taten vollbringen. "Der war so klug. Das finde ich toll", sagt die Achtjährige begeistert.

Genau diesen Enthusiasmus wollen Brigitte Schaller und Ursula Rothen Kern mit ihren Vorführungen erreichen. Deshalb sind auch die Märchen genau gewählt. "Ich möchte den Kindern mit meiner Arbeit etwas mitgeben. Daher suche ich immer Geschichten aus, hinter denen eine Botschaft steckt", sagt Brigitte Schaller.

Davon bekommen die Luckauer Knirpse nicht genug: "Noch ein Märchen", fordern die Zweitklässler am Ende der Stunde. Und die Erzählerinnen geben gern eine Zugabe. Zum Schluss hören die Kinder die Geschichte des Prinzen mit den Eselsohren. Dann heißt es wieder: zurück auf die Schulbank.