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| 02:50 Uhr

Heimat verpflichtet – zum Nachdenken und Einmischen

Gert Streidt (r.) freut sich auf kontroverse Diskussionen rund um die neue Ausstellung in Branitz.
Gert Streidt (r.) freut sich auf kontroverse Diskussionen rund um die neue Ausstellung in Branitz. FOTO: hil
Die Ausstellung heißt "Heimat verpflichtetet. Märkische Adelige – eine Bilanz nach 20 Jahren". Und wie der Name verrät: Neu ist die Bilderschau nicht, die jetzt erstmals in Branitz gezeigt wird. Dennoch können die Macher sicher sein, dass die Bilder auch in Cottbus kontroverse Diskussionen anstoßen werden. Andrea Hilscher

Cottbus. Kopfkino. Jeder, der die Namen alter märkischer Adelsfamilien hört, verbindet ähnliche Assoziationen mit ihnen. Bilder von herrschaftlichen Gutshäusern, imposanten Ländereien, Bilder von Vertreibung, vielleicht auch Erinnerungen an Dünkel oder Ausbeutung. Über viele Jahrhunderte haben Familien wie die Arnims, Ribbecks oder Hardenbergs das Bild der Mark Brandenburg entscheidend geprägt. Sie siedelten hier, ließen Guts häuser und Schlösser bauen, ausgedehnte Parks und Kulturlandschaften entstanden, Feld- und Viehwirtschaft entwickelte sich unter ihrem Einfluss.

Zu DDR-Zeiten dienten die Namen der vertriebenen Adelsfamilien sowohl als Folie für Feindbilder wie auch als Motiv, Jahrhunderte altes Unrecht zu benennen. Nach der Wende löste die Rückkehr der "alten Herrschaften" vielerorts Befremden, Angst oder gar Aggressionen aus.

Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung nahm dieses explosive Emotionsgemisch zum Anlass, sich den adeligen Rückkehrern anzunähern - in Gesprächen und mit fantastisch fotografierten Bildern. Zwölf Bilder, zwölf Schicksale, zwölf Geschichten. Ein Glücksfall, dass sie jetzt im Branitzer Marstall erzählt werden können. Gert Streidt, Leiter der Stiftung Schloss und Park Branitz, zeigte sich anlässlich der Ausstellungseröffnung jedenfalls begeistert. Er freue sich auf kontroverse Diskussionen, sagte Streidt und betonte: "Es braucht auch diese Familien, um unserer Region neue Perspektiven zu geben." Die anwesenden Adeligen - Hermann Graf Pückler und Rochus zu Lynar - ließen sich nicht anmerken, was sie von der hauchzarten Distanzierung hinter Streidts Worten hielten. Sie mischten sich gut gelaunt unter die zahlreichen Besucher der Eröffnung und genossen sichtlich den lebendigen und spannenden Einführungsvortrag von Martina Schellhorn, die auch die Texte des gleichnamigen Buches geschrieben hat. Doch auch Besucher, die allein auf die gezeigten Bilder und die Begleittexte angewiesen sind, können die Schau in vollen Zügen genießen.

Oliver Mark, als Fotograf für Magazine wie Geo oder Stern weltweit unterwegs, hat die märkischen Adeligen in Szene gesetzt. Klassisch auf Film fotografiert, sorgsam ausgeleuchtet und bis ins letzte Detail inszeniert. Entstanden sind Porträts, die in ihrem Spiel mit Farbe, Licht und Schatten an die Malerei der alten Meister erinnert. Klischees werden in diesen Bildern wachgekitzelt, bestätigt und gleichzeitig gebrochen. Ein faszinierendes, intelligentes Spiel mit Vorurteilen.

Die Bilder zeigen Familien, die ihr altes Leben nach dem Mauerfall über Bord warfen und in Brandenburg neu begannen. Oft gegen Widerstände aus der Bevölkerung, zumeist mit großem finanziellen Aufwand, immer aber verbunden mit einer unbestimmten Sehnsucht nach Heimat, nach Ankommen und Wurzeln schlagen. Die Bilder faszinieren, die Texte erzählen spannend - und doch wünschte man sich noch mehr Informationen über die politischen Diskussionen um Rückgabe oder Entschädigung.

Heimat verpflichtet. Märkische Adelige - eine Bilanz nach 20 Jahren. Fürst-Pückler-Museum Marstall. Montag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr (geschlossen jeweils zwischen 12 und 12.30 Uhr). Das Buch zur Ausstellung (208 Seiten) liegt im Marstall aus. Erhältlich über die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.