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| 02:53 Uhr

Haza 25 D schluckt fast alles und ist nicht zu bremsen

Calau. Die RUNDSCHAU-Sommertouren anno 2014 neigen sich dem Ende und trugen am gestrigen Donnerstag ein Stück finalen Charakter. Interessierte hatten die Gelegenheit zu einer Stippvisite in der "Mobilen Welt des Ostens" inklusive Audienz beim Lausitzer Experten für Oldtimer und Sprecher des Calauer Vereins: Rainer Schmatloch. Uwe Hegewald

Das Interesse am Besuch im Lausitzer Oldtimermuseum war groß. Mehr als 50 Wissensdurstige und Oldtimerfans zog es in die heiligen Fahrzeughallen in die Straße des Friedens nach Calau. Der Besucheransturm dürfte auch auf das 23. Calauer Stadtfest zurückzuführen sein, wo die Calauer Oldtimerfreunde mit dem 4-PS-Alt-Opel Treffen für einen Vorgeschmack sorgten. Die Familie Schmatloch selbst besitzt einen dieser legendären Opel, Baujahr 1925. "Meine Mutter Käthe ist mit solch einem Auto 1929 von Calau bis Paris und wieder zurück gefahren - und das bei einer Reisegeschwindigkeit von maximal 45 km/h", zieht Rainer Schmatloch noch heute den Hut vor dem "grenzüberschreitenden Husarenritt". "Autobahnen gab es damals noch nicht, dafür unzählige reifentötende Hufnägel", so der Calauer. Nicht die edle Limousine oder Staatskarosse führt der Moderator an, wenn er nach seinem Lieblingsgefährt gefragt wird. Das sei zweifellos eine Haza 25 D, ein Fahrrad mit Hilfsmotor, das seinerzeit in Dresden produziert wurde.

"Dieses Gefährt ist eine Sensation. Es konnte mit Diesel, Petroleum, Benzin oder Gemisch gefahren werden - wenn es mal fuhr", bemerkte Schmatloch. "Ist der im Winter überhaupt angesprungen?", wollte ein Besucher wissen. "Der ist nicht mal im Sommer angesprungen", entgegnete der Calauer. Oftmals musste der Fahrer 500 Meter strampeln, bis der Motor lief und dann zeigte sich ein weiteres Problem: Motor und Fahrrad konnten nur mittels Unterbrechung der Kraftstoffzufuhr gestoppt werden oder durch das Ansteuern eines natürlichen Hindernisses, ließ er die Zuhörer wissen.

"Dieser Mann ist einfach Spitze. Sein Hintergrundwissen und die Anekdoten sind phänomenal", schwärmte der wechselnd in Dahme und Hannover lebende Hans-Joachim Göllnitz. "Ich war schon in vielen Technik- oder Oldtimermuseen, aber so eine souveräne und professionelle Führung habe ich noch nie erlebt. Da zeigen sich Klassenunterschiede auf", so der Technikbegeisterte.

Rainer Schmatloch, der von sich selbst einmal behauptete, in einem Auto geboren zu sein, wuchs wieder einmal über sich hinaus und versetzte die Zuhörer ein ums andere Mal ins Staunen. An jedem der Fahrzeuge, vor denen er stoppte, wusste er mit Detailwissen zu überzeugen. "Unser Anspruch ist es, alle Fahrzeuge zu präsentieren, die nach 1945 auf unseren Straßen oder im Osten gerollt sind. Wir haben auch alle, aber leider nicht den Platz, um alle auszustellen", bedauerte er. Auf die vielen Ost-Accessoires angesprochen, bemerkte er, dass es sich hier nicht um ein DDR-Museum handele. "Wir wollen nichts verherrlichen", betonte er und wusste postwendend mit ausgestellten DDR-Toilettenpapierrollen zu kontern: "Wissen sie, warum das Papier damals so grob war - damit in der Republik auch der letzte A… rot wird."

Zum Thema:
Das Oldtimer-Museum in Calau ist am 7. Oktober 2006 eröffnet worden. Träger ist der gleichnamige Verein "Mobile Welt des Ostens". Rainer Schmatloch definiert die Mitglieder wie folgt: "Eine Gesellschaft von Verrückten, die Edelschrott sammeln." Mehrere Vereinsmitglieder nehmen seit über 50 Jahren an Oldtimerausfahrten teil und sammeln seit dieser Zeit alte Fahrzeuge und ihre Ersatzteile.