ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:49 Uhr

Trockenheit
Harte Zeiten für Luckauer Wälder

Die Wälder leiden unter Trockenstress. Eine Folge des Rekordsommers waren bereits 20 Waldbrände in der Luckauer Oberförsterei.
Die Wälder leiden unter Trockenstress. Eine Folge des Rekordsommers waren bereits 20 Waldbrände in der Luckauer Oberförsterei. FOTO: dpa / Guido Kirchner
Luckau. Rekord an Waldbränden und Sorge vor einem massiven Schädlingsbefall. Von Carmen Berg

„Für unsere Wälder ist die Trockenheit eine Katastrophe, das wahre Ausmaß der Schäden wird sich erst in den Folgejahren zeigen“, sagt Burkhard Nass, Leiter der Oberförsterei Luckau. 35 000 Hektar in den Altkreisen Luckau und Lübben umfasst sein Verantwortungsbereich. 80 Prozent des Bestandes sind Kiefern und damit noch fünf Prozent mehr als im Landesdurchschnitt. Die Monokultur sei besonders anfällig für Waldbrände, legt der Oberförster den Finger in die Wunde.

Zu Wochenbeginn standen bei Weißack 3000 Quadratmeter in Flammen, der 20. Waldbrand in dieser Saison in der Oberförsterei. „Wir sind noch nie über zehn gekommen“, vergleicht Burkhard Nass. Geht er durch den Wald, knackt das dürre Gras zwischen den Bäumen unter den Füßen. Auf diesem Boden breiten sich Feuer rasant aus. Dass es bislang meist bei kleinen Flächenbränden blieb, sei dem engmaschigen Kamera-Überwachungssystem zu verdanken, das es nur in Brandenburg gibt, sagt Burkhard Nass. Von 108 Geräten landesweit sind drei in der Oberförsterei stationiert – auf Funkmasten in Luckau, Wüstermarke sowie in den Krausnicker Bergen. Sie werden flankiert von Kameras bei den Nachbarn, beispielsweise auf dem Feuerwachturm in Sieb (Teltow-Fläming).

Reine Kiefernbestände ziehen aber nicht nur das Feuer an. „Auch Schädlinge, die die Nadeln der Kronen kahl fressen, können sich in der Monokultur massiv vermehren“, erzählt Burkhard Nass. Er fürchtet für das nächste Jahr „ein böses Erwachen“. Wo Kiefern bereits vorgeschädigt waren, könnten sie in Größenordnungen absterben.

Aus der Sicht des Fachmanns sind künftig Mischwälder mit verschiedenen Baumarten die einzige Chance für eine stabile Natur. Gezielte Neuanpflanzungen bergen dabei aber immer ein Risiko. Das spüren dem Oberförster zufolge Waldbesitzer, die nach Kahlschlägen vor dem Rekordsommer Flächen aufgeforstet haben. „Wenn die Sonne mit 60 Grad vom Himmel brennt, kann keine Jungpflanze mehr wachsen“, so Burkhard Nass.

Er plädiert für Naturverjüngung. „Bäumchen aus Eicheln, die der Eichelhäher ausgebracht hat, sind noch grün. Sie wurzeln tiefer als Pflanzen aus einer Baumschule.“ Wie gut das funktioniert, zeige sich an den Beständen in der Rochauer Heide, nennt er ein Beispiel.

Der Trockenheit bereits zum Opfer gefallen ist die Blaubeerernte im Wald. „Die Früchte sind im Juli komplett verkocht“, blickt Burkhard Nass zurück. Und auch passionierte Pilzsucher können diesmal wohl ihr Körbchen zu Hause lassen. Damit verlieren zugleich die Kiefern nützliche Helfer. „Pilze wirken wie verlängerte Wurzeln für die Wasseraufnahme“, erklärt der Leiter der Oberförsterei.

Anders als bei den Maisbeständen der Bauern seien Trockenschäden im Waldboden nicht sofort sichtbar und deshalb schwer abzuschätzen. Um das Wasserdefizit auszugleichen, müsste es dem Oberförster zufolge lange und anhaltend regnen. „Kurze, heftige Güsse kann der Boden nicht aufnehmen.“

Sicher ist, dass die Bäume in diesem Jahr weniger als sonst an Umfang und Höhe zulegen. „Ein schmaler Jahresring wird noch in 100 Jahren davon erzählen, dass 2018 ein hartes Jahr für den Wald gewesen ist“, sagt Burkhard Nass.

35 000 Hektar umfasst die Luckauer Oberförsterei, wie Leiter Burkhard Nass zeigt. 80 Prozent des Baumbestandes sind Kiefern.
35 000 Hektar umfasst die Luckauer Oberförsterei, wie Leiter Burkhard Nass zeigt. 80 Prozent des Baumbestandes sind Kiefern. FOTO: LR / Carmen Berg