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| 18:33 Uhr

Landeswettbewerb „Jugend musiziert“
Harmonie mit vier Händen

Hannah Schmidt und Hermine Müller (v.l.) sind ein perfekt harmonierendes Duo am Klavier. Die zwei Musikschülerinnen werden ihr Können beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Potsdam präsentieren.
Hannah Schmidt und Hermine Müller (v.l.) sind ein perfekt harmonierendes Duo am Klavier. Die zwei Musikschülerinnen werden ihr Können beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Potsdam präsentieren. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Hermine Müller und Hannah Schmidt fahren zum Landeswettbewerb „Jugend musiziert“. Von Birgit Keilbach

Im Unterrichtsraum von Klavierlehrerin Silke Barteczko sitzen Hannah Schmidt und Hermine Müller am Klavier. Der Deckel ist geschlossen. Als würden sie die Tasten anschlagen, wandern ihre Hände rhythmisch über das Holz, erst zaghaft, dann immer kräftiger. „Ich will eure Finger hören“, sagt die Klavierlehrerin der Niederlausitzer Kunst- und Musikschule. „Es ist Krafttraining für die Finger und die Wirkung dieser Übung ist dann gut zu hören“, erläutert Silke Barteczko.

Die zwei Musikschülerinnen öffnen den Deckel und üben das erste Stück, „Ferienexpress“ von Richard Kristen. Flott und kraftvoll dringen die Töne ans Ohr, schwungvoll nimmt der Zug Fahrt auf. Noten brauchen die Mädchen dafür nicht. Sie haben die Musik verinnerlicht, spielen ganz nach ihrem Empfinden. Fließend greifen die Hände auf der Klaviatur ineinander, übergibt die Eine die Tasten an die Andere. Sie erzählen eine emotionale Geschichte. „Die Einheit mit der Partnerin am Klavier ist das Entscheidende, damit sie dieses Stimmungsbild entstehen lassen können“, erläutert Silke Barteczko.

An dieser Einheit arbeiten Hannah und Hermine seit dem vergangenen Sommer. Es sei ein Experiment gewesen, sie vierhändig spielen zu lassen, „und zum Abschlusskonzert des letzten Schuljahres hat es auf Anhieb geklappt“, sagt die Klavierlehrerin. Sie hatte die Idee, beide auf den Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ vorzubereiten. Das allerdings erforderte sowohl von den Schülerinnen als auch von deren Eltern großen Einsatz. 

Die zwölfjährige Hermine Müller wohnt in Goßmar und die ein Jahr jüngere Hannah Schmidt ist in Dahme zu Hause.Dennoch übten beide an fast jedem Wochenende gemeinsam. So wurden aus dem duo Freundinnen. „Wenn sie am Wochenende bei uns waren, war immer gleich der Wille zu spüren, dass sie gemeinsam üben wollen“, sagt Hermines Mutter Mandy Müller. 

„Es ist leichter zusammen zu spielen, wenn man sich gut kennt und befreundet ist“, erzählt Hannah. „Wenn wir zusammen sitzen, wissen wir genau, welches Lied wir spielen. Sitzt Hermine oben bei den hohen Tönen, spielen wir die Zarenprinzessin“, nennt Hannah ein Beispiel. Damit das Zusammenspiel perfekt klappt, geben sie sich auch gegenseitig Körpersignale, „schneller, langsamer, lauter, leiser. Und wir wissen beide genau die Stellen, an denen wir Gefühl hineinbringen müssen“, erzählt Hermine. Das gelinge viel besser, wenn sie die Musik aus dem Gedächtnis spielen. „Wenn man nicht auf die Noten gucken muss, kann man die Musik viel besser ausdrücken“, beschreibt es Hannah.

Dies jedoch mussten sich die zwei Nachwuchsmusikerinnen auch Schritt für Schritt erarbeiten. Zum Beispiel die Sonatine Nr. 4 von Anton Diabelli. „Den Diabelli fand ich anfangs blöd, aber jetzt können wir ihn und kennen auch die Geschichte dazu“, sagt Hermine und ergänzt: „Wenn wir die Stücke mögen, dann hört das auch die Jury.“ Diese achte auch auf den Gesamteindruck.

Beide trugen zum Regionalwettbewerb in Cottbus das gleiche Kleid, die gleichen Schuhe und die gleiche Frisur. Besonders überzeugt habe das Duo aber durch sein emotionales Musizieren ohne Noten, nennt Silke Barteczko das entscheidende Kriterium. So erreichten Hannah und Hermine beim Regionalwettbewerb 24 von 25 möglichen Punkten und qualifizierten sich als Beste in ihrer Altersgruppe 2 für den Landeswettbewerb. Dieser findet ab dem 15. März in Potsdam statt.