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Harald Larisch entführt ins Reich der Illustration

Seit Mittwoch stellt Aquamediale-Kurator Harald Larisch in Lübben aus. Der Grafiker aus Grapen Stieten bei Wismar zeigt Illustrationen zu Texten in Büchern.
Seit Mittwoch stellt Aquamediale-Kurator Harald Larisch in Lübben aus. Der Grafiker aus Grapen Stieten bei Wismar zeigt Illustrationen zu Texten in Büchern. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Aquamediale-Kurator gibt mit Grafiken Einblicke in seine Arbeit. Im Sommer präsentiert er 15 andere Künstler an der Lübbener Spree Ingvil Schirling

Da balanciert ein Fisch ganz oben auf der Leiter und küsst eine Giraffe. Auf den Mund!!! Wo gibt's denn sowas? Bei Harald Larisch. Nicht nur das: Rechts neben der seligen Giraffe schwirrt ein verschmitztes Bienchen alias Amor herum, Pfeil und Bogen gespannt. Liebe liegt, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Luft.

Zu sehen ist diese witzige und hintersinnige, so unschuldig wie doppelbödige Zeichnung seit dieser Woche in einer Vitrine der Vertikale-Galerie des Landkreis-Verwaltungsgebäudes am Beethovenweg in Lübben.

Wer wissen will, wer der neue Mann am Steuer der Aquamediale ist, war bei der Vernissage am Mittwochabend genau richtig. Harald Larisch ist Grafiker, Illustrator, Dozent und derzeit künstlerischer Leiter des Kunstfestivals im Spreewald, das im Juni eröffnet wird. Ehe sich dann zeigt, ob er die Arbeiten anderer Künstler zum diesjährigen Thema "Glaube Liebe Hoffnung" richtig in Szene gesetzt hat, steht sein eigenes Schaffen im Mittelpunkt.

Fazit des Abends: Larisch beweist mit Leichtigkeit, sehr viel Humor und einigem Tiefgang, das Kunst zu einem ganz großen Teil mit Können zu tun hat. Mit der Beherrschung von Handwerk.

Zwischen Laudator Uwe Häntsch, Kulturdezernent Carsten Saß und Harald Larisch entspann sich ein facettenreiches Gespräch, das zwischen der gewachsenen Männerfreundschaft Larischs und Häntschs, der Verbundenheit aller drei mit den langen, lauen, mecklenburgischen Sommernächten (Carsten Saß studierte in Greifswald), der Entrücktheit Anklams sowie der Faszination von Schriftarten und -formen pendelte. Ein ähnlich breites Spektrum weisen die Illustrationen und Grafiken in der Ausstellung aus, die thematisch analoges und digitales Arbeiten einander gegenüber stellt.

Larisch stand dem Computer lange eher skeptisch gegenüber. Doch er habe ihn lieben gelernt, sagt er, vor allem "wegen seiner Möglichkeit zur Multiplikation" und weil es Dokumentformen gibt, "in denen der Grafiker alles selber definiert, bis zur letzten kleinen Aussperrung einer Schrift". Da spricht die Erfahrung eines seit 35 Jahren selbstständigen Illustrators mit Verlagen, die gern dies und jenes noch ändern.

Die Ausstellung umfasst Auszüge aus dem Rügen-Kochbuch, dem Reiseführer "Was machen wir morgen, Mama" oder dem Wimmelbild-Buch "Wer will fleißige Handwerker sehn". Faszinierend feine Illustrationen zeigen Ureinwohner Amerikas.

Warum ein Kunststudent zunächst mit Feder auf rauem Papier arbeiten sollte oder wie man sein Auge schult - die Diskussion zur Eröffnung war spannend. Laudator Uwe Häntsch wagte einen launigen Vergleich mit Pablo Picasso. Diesem werde der Satz zugesprochen: "Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten." Harald Larisch, behauptete Uwe Häntsch, "weiß auch nicht sicher, was Kunst sein soll. Aber er behält es nicht für sich." Zum Glück.