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| 18:37 Uhr

Aufreger
Stadt bleibt bei Halteverbot hart

Görlsdorf. In Görlsdorf geht die Debatte um neue Schilder vor der Landarztpraxis weiter. Von Carmen Berg

Der Ärger über neue Halteverbots-Schilder vor der Arztpraxis schwelt weiter. „Wie die Sache gelaufen ist, finden viele Leute nicht in Ordnung“, sagt Einwohnerin Brigitte Drillisch am Reporter-Telefon. „Es wäre besser gewesen, zum Parkproblem eine Bürgerversammlung einzuberufen und gemeinsam eine Lösung zu suchen“, sagt sie.

Im April hatte das Ordnungsamt die Aufstellung der Schilder beidseitig in Höhe der Praxis von Dr. Mario Barth veranlasst. Seither besteht in Richtung Beesdau ein absolutes sowie aus Richtung Beesdau ein eingeschränktes Halteverbot. Damit sei gewährleistet, dass direkt vor der Praxis gehalten werden kann, um Gehbehinderte aussteigen zu lassen, sagt Ordnungsamtsleiter Thomas Schäfer. Für Besucher der Arztsprechstunde gebe es einen Parkplatz 100 Meter entfernt in der Nähe der Kirche.

Die neue Beschilderung begründet Thomas Schäfer mit zahlreichen Beschwerden von Anwohnern, aber auch von Betrieben über rücksichtsloses Parkverhalten. Ausfahrten seien zugeparkt, Bankette beschädigt worden Fahrzeuge teilweise nicht mehr durchgekommen. Davon habe sich das Ordnungsamt mehrfach selbst ein Bild gemacht.

Brigitte Drillisch räumt ein, dass es solche rücksichtslosen Zeitgenossen gibt. Doch sie sieht auch, dass die Schilder „einen prima Arzt verprellen, der noch ein richtiger Landarzt ist“. Man müsse sich angesichts des Ärztemangels fragen, ob man sich das leisten kann.

Dr. Mario Barth sagt, die Schilder treffen seine Patienten, doch auch er fühle sich getroffen. Seit 25 Jahren sei er in Görlsdorf und seit 20 Jahren an der Dorfstraße. Jetzt er dafür die „Wertschätzung“, so der Mediziner. Er sei über 60 und überlege, „wie lange ich mir das noch antun soll“, sagt Dr. Barth.

Im Quartal behandelt er nach eigenen Anfagen 1600 bis 1800 Patienten, 1000 sind der Brandenburger Durchschnitt. In die Görlsdorfer Praxis kommen Menschen aus dem gesamten Umland, sie seien auf das Auto angewiesen. „Der Parkplatz an der Kirche ist viel zu klein“, sagt Dr. Barth. Brigitte Drillisch beobachtet zudem, dass das Parkproblem sich verlagert. „Die Leute stellen sich jetzt vor oder hinter den Verbots-Bereich.“

Etwa vor einem Jahr habe er erstmals Gerüchte über ein mögliches Parkverbot vor der Praxis gehört, nach einer Rückfrage beim Ortsbeirat jedoch den Eindruck gehabt, dass es dazu nicht kommen würde. In seiner Praxis hänge seither ein Schild, auf dem der Arzt die Patienten bittet, den Parkplatz an der Kirche zu nutzen. „Die Aktion jetzt hat mich völlig überrascht“, sagt er.

Wie Ortsvorsteher Bernd Krettek entgegnet, sei die teils chaotische Parksituation schon mehr als zwei Jahre Streitpunkt und mehrfach Thema in den öffentlichen Sitzungen des Ortsbeirates gewesen, die aber von Bürgern kaum genutzt würden. Der Ortsbeirat habe gemeinsam mit der Stadt versucht, eine Lösung zu finden, die rechtlich trägt. Aus Sicht von Bernd Krettek ist der Weg vom Parkplatz zur Praxis zumutbar. „In Luckau muss ich vom Auto zu Praxen oder zum Krankenhaus oft viel weiter laufen“, sagt er und kündigt einen nochmaligen Baumschnitt auf dem Parkplatz an. So könnten zwölf bis 14 Autos bequem dort stehen.

 Das Parken auf der Seite gegenüber der Praxis wieder zu erlauben, wie es Brigitte Drillisch vorschlägt, „würde dazu führen, dass wir die gleichen Probleme wieder bekommen“.

Laut Ordungsamtsleiter Thomas Schäfer ist die Dorfstraße durchschnittlich zwischen 4,65 und maximal fünf Metern breit und hat keine Tonnenbegrenzung. Das heißt: Sie ist nach Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung zu eng für ein gefahrloses Vorbeifahren und deshalb Halten nicht erlaubt. Kritisierte Verstöße hätten auf der 500 Meter langen Straße nur den Abschnitt beidseitig der Praxis betroffen, sagt er und verweist auf die Verkehrssicherungs- und Verkehrsregelungspflicht der Kommune. Wie er anfügt, hätten zum Zeitpunkt festgestellter Behinderungen an der Dorfstraße „stets genügend freie Parkmöglichkeiten auf dem öffentlichen Parkplatz bestanden“.

Eine Bürgerversammlung stellt Ortsvorsteher Krettek nicht in Aussicht. Wohl aber könnte jeder das Gespräch mit dem Ortsbeirat suchen und für Anfragen außerdem die Bürgerfragestunde nutzen, mit der jede Ortsbeiratssitzung beginnt.