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Realitätsnahes Szenario in Luckau
Gymnasiasten planen Stromtrassen für die Energiewende

Workshop-Leiter Jan Rössel diskutiert Marlon Stamm und Lilli-Ann Wilczek sowie den Moderatoren Justus Lehmann und Laura Hoffmann (v.l.) die Argumente für den Netzausbau.
Workshop-Leiter Jan Rössel diskutiert Marlon Stamm und Lilli-Ann Wilczek sowie den Moderatoren Justus Lehmann und Laura Hoffmann (v.l.) die Argumente für den Netzausbau. FOTO: Birgit Keilbach / Keilbach Birgit
Luckau.. Neuntklässler absolvieren Planspiel zur Entscheidungsfindung für den Verlauf einer Hochspannungsleitung.

Erneuerbare Energien sind in Deutschland politisch gewollt und auf dem Vormarsch. Deutlich sichtbar an den zahlreichen Windrädern und Solarparks in der Region. Sie erzeugen viel mehr Strom als vor Ort gebraucht wird. Doch wohin mit dem Überschuss? Er muss dorthin transportiert werden, wo der Bedarf vorhanden ist. Das geht nur mit einem gezielten Ausbau des überregionalen Stromnetzes. Soweit der Plan.

Die Schwierigkeiten der Umsetzung liegen im Detail. Bei der regionalen Politik und Wirtschaft, den betroffenen Bürgern vor Ort, dem Natur- und Landschaftsschutz. Am Beispiel einer brandenburgischen Modellregion, genannt Ackermark, befassten sich die Neuntklässler des Luckauer Bohnstedt-Gymnasiums mit dem Thema „Netzausbau vor Ort“.

Eine Hochvolt-Überlandleitung soll gebaut werden, zwei Trassen stehen zur Wahl. A führt durch dicht bebautes Gebiet, B durch eine dünn besiedelte Region, in der allerdings ein Naturschutzgebiet liegt. Jeweils zu zweit schlüpfen sie die Rollen der verschiedensten Interessengruppen: als Landesregierung, Landrat, Bundesregierung; als Netzbetreiber, Bundesverband Erneuerbare Energien und Unternehmensverband sowie als Vertreter der Bürgerinitiative gegen die Trasse und des Naturschutzbundes Deutschland. Die Aufgabe besteht darin, dass alle Akteure ihre Argumente zusammentragen, sie miteinander diskutieren und am Ende eine konsensfähige Entscheidung für eine der Trassen getroffen werden kann.

„Wir befürworten die Trasse B durch ländliches Gebiet, weil sich dort Unternehmen ausbreiten können und dadurch neue Arbeitsplätze entstehen, damit die Arbeitslosigkeit unter 14 Prozent sinkt“, erläutert Lien Riemann den Standpunkt des Unternehmensverbandes. Die Vertreter des Nabu wollen eine erdverlegte Leitung auf der Trasse A, „weil die Leitung am Naturschutzgebiet die Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen würde und auch negative Auswirkungen auf den Tourismus hätte“, legt Ben Schötz dar.

Zahlreiche weitere Für und Wider diskutierten die Neuntklässler in ihrem Planspiel, das Jan Rössel und Johanna Bojahr von der Deutschen Gesellschaft leiten. Zwei Ziele habe es: Erstens: das Thema Energiewende nahezubringen und Zweitens: sollen die Schüler erfahren, wie in der Gesellschaft Konflikte verhandelt und konsensfähige Lösungen erreicht werden. „Wir wollen vermitteln, dass Politik jeden selbst betrifft und die Schüler sich aktiv einbringen können und sollen, um ihre Zukunft mitzugestalten“, erläutert Jan Rössel.

Aus pädagogischer Sicht bestand die Herausforderung für die Gymnasiasten darin, sich mit einem völlig neuen Sachverhalt auseinanderzusetzen, entsprechend zu argumentieren und einen aktuellen Bezug zur Politik und der Region herzustellen. „Darüber hinaus lernen sie einen sachlichen Umgang miteinander, trotz gegensätzlicher Meinungen“, sagte Petra Krause, die den Workshop als Lehrerin für Informatik sowie Wirtschaft, Arbeit, Technik, begleitete.

In der Auswertung befanden die Gymnasiasten das Planspiel als sehr realitätsnah. Lien Riemann gefiel die einstündige Debatte am besten, die Henriette Barth zufolge aufzeigte „was alles für Probleme auftreten und wie lange das dauert.“ Justus Lehmann hätte sich gewünscht, „dass eine Gruppe während der Diskussion aufgrund der vorgetragenen Argumente anderer auch mal ihre Meinung geändert hätte.“

So hatte es im Luckauer Planspiel die Landesregierung am Ende nicht leicht mit ihrer Entscheidung. „Die Trasse wird in Korridor A gebaut, kürzer und als Erdkabel mit einmaliger Akzeptanzzahlung an die Landbesitzer“, verkündete Marlon Stamm.