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| 17:27 Uhr

Gymnasiasten hinterfragen
Dem Bischof auf den Zahn gefühlt

Landesbischof Markus Dröge (vorne rechts) stand den Elftklässlern des Bohnstedt-Gymnasiums Rede und Antwort.
Landesbischof Markus Dröge (vorne rechts) stand den Elftklässlern des Bohnstedt-Gymnasiums Rede und Antwort. FOTO: LR / Anja Brautschek
Luckau. Gymnasiasten befragen Markus Dröge zu seinem Beruf, Transsexualität und die Fußball-WM. Von Anja Brautschek

Zur traditionellen religionsphilosophischen Woche am Bohnstedt-Gymnasium in Luckau darf mitlerweile ein Besuch Markus Dröge, Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Bradenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo), nicht fehlen. Seit vielen Jahren nimmt er sich Zeit für die Elftklässler, um mit ihnen gemeinsam über das Christentum, seinen Beruf und seine Weltanschauung zu diskutieren. Die 25. Projektwoche könnte für ihn jedoch die letzte sein. Im kommenden Jahr endet seine zehnjährige Amtszeit. Dann geht er in den Ruhestand. Die Schüler nutzten die Gelegenheit und löcherten Markus Dröge mit zum Teil kritischen Fragen.

„Früher habe ich sehr viel Konfirmandenunterricht gegeben. Das fehlt mir ein bisschen. Diese Veranstaltung erinnert mich immer an diese Zeit“, erklärt Markus Dröge. Vor allem die offenen Fragen der Schüler schätzt er. „Die Schüler sind immer up to date. Sie setzen sich mit den aktuellen Themen auseinander und wissen Bescheid“, sagt er. Der Bischof scheut es deshalb nicht, auch auf kritische Fragen zu antworten. So wollen die Jugendlichen unter anderem wissen, wie Markus Dröge zur gleichgeschlechtlichen Ehe steht. In der evangelischen Kirche ist schon seit zwei Jahren die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare möglich, erzählt er. Wenn Paare – egal welcher Lebensform – sich für einen gemeinsamen Lebensweg entscheiden und Verantwortung füreinander übernehmen wollen, dann gebe die Kirche dafür Gottes Segen. „Wir nennen es dann nur nicht Ehe“, erklärt er. Auch gegenüber Themen wie Transsexualität ist die evangelische Landeskirche offen. Pfarrer und Bischöfe setzen sich mit diesen Fragen auseinander. Denn es verdeutliche die Vielfalt der Menschen. „Ein Mensch muss das, was ihn innerlich ausmacht, auch akzeptiert leben können“, erklärt Markus Dröge seine Sichtweise dazu.

Doch die Jugendlichen haken noch einmal nach: „Wie modern ist die Kirche überhaupt?“ Bei den Ausführungen des Bischofs hören sie gespannt zu. Denn die Digitalisierung macht auch vor der Kirche nicht halt. Kommunkation ist ein wichtiges Gut für Christen. Dies wird auch auf modernen Kanälen ermöglicht. Derzeit baut die Ekbo ihr Intranet aus. Dort können sich Christen künftig online austauschen. Soziale Medien sieht der Bischhof jedoch kritisch. Auf solchen Plattformen herrsche aufgrund der Anonymität viel Hass. Die Menschen müssten lernen, auch im Netz ebenfalls ethisch verantwortungsbewusst zu sein, beschreibt er die Probleme.

Offen spricht Markus Dröge mit den Schülern auch die Probleme der Kirche an. Die Mitglieder werden weniger. Doch an leere Kirchenbänke glaubt er nicht. „Die Kirche muss flexibler werden. Es wird unterschiedliche Formen geben, wie Christentum gelebt wird“, sagt er. Jugendarbeit, Gottesdienste oder Chöre wird es auch weiterhin geben – doch nicht überall. Regionen werden sich auf bestimmte Themen konzentrieren, so seine Vision.

Die Jugendlichen bewegt darüber hinaus, wie der Landesbischof zu anderen Religionen steht. „Eine Einheitsreligion möchte ich nicht“, antwortet er. Die Welt ist vielfältig, aus diesem Grund seien auch verschiedenen Religionen wichtig. Doch nicht alle Aspekte akzeptiert er. Kritisch sieht er unter anderem das Verbot zum Religionswechsel im Islam. Ein Elftklässer erwidert ihm jedoch: „Ist es noch Religionsfreiheit, wenn in jedem Klassenraum in Bayern ein Kreuz hängen muss?“ Dröge sieht das Kreuz als Zeichen der Nächstenliebe. Stolz trägt er selbst eines an seinem Jacket und freut sich, das christliche Symbol in Einrichtungen zu entdecken. „Problematisch sehe ich den Umgang damit. Wenn so etwas staatlich verordnet wird, entsteht der Eindruck, dass das Land näher an einer Religion steht“, sagt er.

Neben den politischen und gesellschaftlichen Fragen interessiert die Schüler auch der Berufsalltag des Bischofs. Markus Dröge erzählt seinen beruflichen Werdegang und seinen Arbeitsalltag. Überrascht sind die Jugendlichen, dass auch Motorradfahren zu seinen Hobbys zählt, und er erst kürzlich ein Rolling-Stones-Konzert besucht hat.

Natürlich brannte den Gymnasiasten in diesem Zusammenhang noch eine weitere Frage unter den Nägeln: Wer wird wohl in diesem Jahr Fußball-Weltmeister? „Das letzte Spiel war spannend. Da dachte ich, dass sie es vielleicht doch schaffen“, hofft Dröge auf die deutsche Nationalelf.