Von Andreas Staindl

Das Deutsche Trachtenfest wirft seine Schatten voraus. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten, gehen in die finale Phase. Etwa 2500 Trachtenträger aus ganz Deutschland werden vom 17. bis 19. Mai dieses Jahres in Lübben erwartet. Sie wollen zeigen, dass die Tracht lebt – auch im Spreewald.

Die Tracht verbindet Generationen. So ist es auch in Alt Zauche (Lieberose-Oberspreewald). Wenn Linda Orbanz mit ihren Kindern Charlotte (7) und Enna (4) ein Fest in ihrem Heimatdorf besucht, tragen alle drei Tracht. „Ich kenne das nicht anders, bin mit der Tracht groß geworden“, erzählt die junge Mutter. „Die Tracht ist für mich Heimat. Trachtenträger sind wie eine große Familie.“ In ihrem Fall stimmt das tatsächlich. Auch ihre Mutter Margitta Bitzker, ihre Schwester Sophie Bitzker und ihre Schwiegermutter Gabriele Orbanz tragen Tracht. So wie es vor ihnen schon die Großmütter und Ur-Großmütter getan hatten. Deren Trachten tragen jetzt ihre Enkel und Ur-Enkel. „Die Tracht meiner Oma habe erst ich getragen, jetzt trägt sie meine Tochter“, erzählt Linda Orbanz. Sie fühlt sich wohl in der traditionellen Kleidung: „Das Tragen der Tracht gibt mir das Gefühl, zu Hause zu sein.“

Für Gabriele Orbanz ist Trachttragen „ein Lebensgefühl. Ich trage meine Tracht mit ganz viel Herz. Man fühlt quasi die Tradition auf der Haut.“ Sie hat die Tracht von ihrer Schwiegermutter übernommen. Und damit offenbar auch die Liebe zum Brauchtum.

Gabriele Orbanz ist Vorsitzende des Traditionsvereins in Alt Zauche. Die Traditionspflege liegt den Mitgliedern am Herzen. Auch die Pflege der Tracht gehört dazu. „Wir sind so etwas wie Botschafter des Spreewalds“, sagt Gabriele Orbanz. „Wenn wir uns mit unseren Trachten präsentieren, werden die Leute neugierig, fragen nach, interessieren sich für Sitten und Bräuche im Spreewald.“ Das Maibaumaufstellen gehört ebenso dazu wie der Spinteball, die Ostereiermalerei und die Fastnacht beispielsweise.

„Wir tragen unsere Tracht bei allen traditionellen Veranstaltungen in unserem Dorf“, sagt Linda Orbanz. Und ihre Schwiegermutter ergänzt: „Die Tracht ist kein Kostüm. Sie ist Heimat.“ Dieses Gefühl hat längst auch ihre Enkeltöchter erfasst. „Ich trage meine Tracht sehr gern“, sagt die siebenjährige Charlotte. Mit ihrer Generation lebt die Tracht weiter.

Während des Deutschen Trachtenfests in ein paar Wochen werden sie und ihre Familie auf viele weitere Trachtenträger treffen. „Wir freuen uns darauf“, sagt Gabriele Orbanz. „Trachtenträger sind wie eine große Gemeinschaft, egal woher jemand kommt. Wenn wir in Tracht unterwegs sind, sind wir überall willkommen. Das wird Mitte Mai in Lübben nicht anderes sein. Es wäre schön, wenn die Tracht in möglichst vielen Familien im Spreewald getragen würde.“

Infos über das Trachtenfest in Lübben unter www.luebben.de