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Gurkenflieger mit verringertem Schub unterwegs

Auf den Gurkenfliegern liegen die Erntehelfer auch in diesen Tagen. Doch zurzeit legen ihre Hände weniger reife Früchte auf das Förderband als zu Saisonbeginn.
Auf den Gurkenfliegern liegen die Erntehelfer auch in diesen Tagen. Doch zurzeit legen ihre Hände weniger reife Früchte auf das Förderband als zu Saisonbeginn. FOTO: Birgit Keilbach
Langsam rollt der Gurkenflieger über das Feld am Stadtrand von Golßen. Leise brummt der Motor des Traktors. Blätter rascheln, vorsichtig angehoben von 88 Händen der Erntehelfer, die von gelben, grünen, blauen oder rosafarbenen Handschuhen geschützt werden. Bäuchlings liegen sie auf dem Erntegerät, lösen flink die reifen Früchte von den Stängeln und legen sie auf das unter ihnen laufende Förderband. Von Birgit Keilbach

Die Menge der geernteten Früchte ist in diesen kühlen Sommertagen bescheiden, sie lassen sich sogar zählen, während sie auf dem Förderband zum Anhänger transportiert werden. "Es ist eine schwierige Ernte in diesem Jahr", sagt Gregor Knösels, Geschäftsführer der Knösels Gemüseerzeugung GmbH & Co. KG Golßen. Auf einer Fläche von 85 Hektar wachsen auf Feldern bei Golßen und Schenkendorf die Gurken heran, bestimmt für die Weiterverarbeitung in der Spreewaldkonserve Golßen.
Die Ernte habe in diesem Jahr sehr früh begonnen, bereits am 13. Juni. "Durch die warme Witterung im April und Mai konnten wir so zeitig wie noch nie anfangen, die Früchte für die Gewürzgurken zu ernten", sagt Gregor Knösels. Doch mit dem Wetterumschwung habe sich das Wachstum verlangsamt. "Die Gurke liebt warme Nächte ab 15 Grad Celsius. Doch in letzter Zeit gingen die Temperaturen runter bis auf acht Grad", so der Landwirt. Zudem hätten die häufigen Winde die Pflanzen geschädigt und durch den extremen Niederschlag von bis zu 40 Litern je Quadratmeter an einem Tag habe es an Stellen Ausfälle gegeben, wo das Wasser nicht schnell genug abgeflossen sei.
Auch auf den 75 Hektar umfassenden Feldern des Gurkenhofes Frehn in Schöneiche sei der Start in die Gurkenernte sehr gut verlaufen, sagt Geschäftsführer Heinz-Peter Frehn auf Nachfrage der RUNDSCHAU. "Wir haben in diesem Jahr 80 Prozent der Gurken gepflanzt, um früh in die Ernte zu kommen", erläutert er. Begünstigt durch die Witterung sei das Konzept aufgegangen. Ende Juli sei Ernte-Halbzeit gewesen. "Aufgrund des frühen Beginns liegen wir im Soll, doch der Vorsprung, den wir uns ausgerechnet hatten, ist nicht eingetroffen", resümiert er. An einigen Tagen hätten die Erntemaschinen sogar stehen bleiben müssen, damit die Pflanzen sich erholen und die Früchte in ausreichender Zahl nachwachsen konnten. "Die Regenerationsfähigkeit der Pflanzen ist durch die widrige Witterung eingeschränkt, das Wasser und vor allem der starke Wind haben ihnen zugesetz t", beschreibt Heinz-Peter Frehn die Situation. Er hoffe nun auf "einen August mit stabiler Hochdruckwetterlage und einen schönen Herbst."

Seit 13 Jahren auf dem Flieger
Bei schönem Wetter macht auch den Erntehelfern die Arbeit mehr Spaß. "Kaum Wind und alles ist trocken, das ist ideal", sagt Jutta Kroll, Schichtleiterin auf dem Gurkenflieger. Seit 13 Jahren nimmt sie bereits in jedem Sommer einen Platz darauf ein. Zum Stamm der deutschen Erntehelfer auf den Feldern von Knösels Gemüseerzeugung gehören auch Petra Kraus und Mario Grohmann. Sie haben eine Fahrgemeinschaft gebildet und kommen täglich aus Herzberg. Nico Schulz aus Luckau ist in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Gurkenflieger dabei. "Es war nicht schwer, sich an die Arbeit in dieser Haltung zu gewöhnen, nur in den ersten Tagen hat der Rücken geschmerzt", sagt der 17-Jährige. "Mit den Jahren wird die Arbeit schon anstrengender, die Schultern und die Nackenmuskeln sind ständig angespannt. Und jünger wird man ja auch nicht", sagt Petra Kraus. Doch es gebe auch jüngere Leute, die nach kurzer Zeit aufgeben würden, berichtet die 50-Jährige. Nach der Ernte gönne sie ihrem Körper eine Erholungsphase mit Massagen, um die Verspannungen wiede r zu lösen, sagt sie.

Erstmalig rumänische Erntehelfer
160 deutsche und 300 polnische Saisonarbeiter seien derzeit ausschließlich in der Gurkenernte beim Golßener Anbaubetrieb beschäftigt, gibt Gregor Knösels Auskunft. Dass die polnischen Arbeitskräfte jetzt in andere EU-Staaten abwanderten, wo sie das ganze Jahr über und nicht nur in der Landwirtschaft arbeiten könnten, sei in diesem Jahr auch hier spürbar geworden, erklärt er.
Das bestätigt Heinz-Peter Frehn, der neben 200 deutschen Erntehelfern gegenwärtig 360 ausländische beschäftigt. Darunter seien in diesem Jahr erstmals rumänische Saisonarbeiter in größerem Umfang. "Es ist ein Versuch, die Abwanderung auszugleichen", begründet er. Dazu sei er im vergangenen Jahr nach Bukarest gefahren und habe über die Arbeitsmöglichkeiten in der Gurkenernte informiert, fügt er an.