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Großvögel sorgen für Naturerlebnis

Fasziniert beobachteten die Besucher den Einflug der Kraniche in der Bergbaufolgelandschaft Schlabendorf.
Fasziniert beobachteten die Besucher den Einflug der Kraniche in der Bergbaufolgelandschaft Schlabendorf. FOTO: Keilbach/bkh1
Wanninchen. Letzte Strahlen schickt die untergehende Herbstsonne über die Bergbaufolgelandschaft bei Schlabendorf. Wie ein orangeroter Ball nähert sie sich dem Horizont und taucht diesen in ebensolches Licht. Das ist die Stunde, in der mehrere Tausend Kraniche am leicht bewölkten Himmel in Scharen heranziehen, um ihre Schlafplätze für die Nacht aufzusuchen. Birgit Keilbach / bkh1

Perfekte Bedingungen für die zahlreichen Naturfreunde, die sich am Samstagabend an der Uferkante des Schlabendorfer Sees im Heinz Sielmann-Naturerlebniszentrum in Wanninchen versammelt haben. "Wir haben heute Glück. Die ersten Kraniche stehen schon am Schlafplatz", informiert Projektmitarbeiterin Katina Schröter die Besucher. Das Spektiv hat sie auf die noch kleine Gruppe am gegenüberliegenden Ufer ausgerichtet. Nacheinander nutzen Besucher diese Gelegenheit, sich die imposanten Großvögel aus der Nähe anzuschauen.

Jährlich im August beginnen sich die Kraniche in der Wanninchener Bergbaufolgelandschaft sowie im Borcheltsbusch bei Freesdorf zu sammeln, "und Woche für Woche werden es mehr", informiert Katina Schröter. 5450 Graukraniche seien Donnerstag gezählt worden. Damit gehöre die Region südlich von Luckau zu den kleineren Kranich-Rastgebieten in Deutschland. 92 730 Tiere hielten sich derzeit in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen, 45 560 im Linumer Bruch und 48 500 in der Rügen-Bock-Region auf. "Die ersten sind schon in den Winterquartieren in Südfrankreich und Spanien angekommen, rund 31 000 wurden dort gezählt", nennt sie Zahlen.

Am Samstag sei zudem der Europäische Tag des Kranichs. "Heute und Sonntagfrüh werden überall in Europa die Kraniche gezählt", eine erstmals stattfindende Aktion. An verschiedenen Orten stehen dann ehrenamtliche Zähler und erfassen die Zahlen. "Wie machen sie das?" will einer der Besucher wissen. "Jeder hat seine Methode", sagt Katina Schröter. Ohnehin werde in der Region wöchentlich montags und donnerstags gezählt, immer morgens, wenn sie vom Schlafplatz auffliegen". Die Region sei schon seit Jahrzehnten eine Raststätte für Kraniche sowie Gänse auf dem Flug in die Winterquartiere.

Erste Beobachtungen 1939

Erste Beobachtungen datierten aus dem Jahr 1939, als Alwin Arndt, ein lokaler Naturbeobachter, vier Kraniche auf den Wiesen bei Schiebsdorf sichtete. 1952 seien bereits 400 Kraniche auf dem Schlafplatz am Borcheltsbusch gezählt worden. Seit 20 Jahren biete dort ein Beobachtungsturm gute Sicht auf die Großvögel. Dass es heute wieder mehr Kraniche gebe, sei auf viele Naturschutzmaßnahmen zurückzuführen. Moore und Feuchtgebiete wurden vielerorts renaturiert und die Lebensbedingungen für die "Vögel des Glücks" verbessert.

Aus allen Himmelsrichtungen

"Kommen die Kraniche noch?", fragt Carl Damian. Unentwegt sucht der Siebenjährige den Himmel ab. "Ja", versichert ihm Vater Torsten. Jeden Abend sehen beide die Kraniche übers Haus in ihrem Heimatdorf Jetsch ziehen. "Aber hier ist es doch eine andere Atmosphäre und vor allem können wir zusehen, wie sie landen und dann im Wasser stehen", sagt Torsten Damian.

Dann ist es soweit. Unzählige schwarze Punkte tauchen am Himmel auf, immer deutlicher ist das typische "Gruh, Gruh" der Kraniche zu hören. Darauf haben auch Hans und Margrit Grund aus Labitz bei Neuzelle gewartet. "Wir haben uns im Internet informiert und das hier ist das nächstgelegene Rastgebiet", sagt Hans Grund. "Auch die Gänse sieht man schön mit dem Fernglas", ergänzt er. "Das hier sind jetzt Möwen", gibt Torsten Köhler Auskunft, nachdem er einen weiteren keilförmigen Vogelschwarm angeschaut hat. Der Kranichabend ist Abschluss einer Tagestour mit der Familie aus Oelzschau bei Leipzig, die zuvor schon die F 60 besuchte. Vor zehn Jahren seien sie schon einmal hier gewesen. "Damals an einem anderen Beobachtungspunkt, dort waren wir näher dran am Wasser", erzählt Köhler. Aus der Nähe gesehen hätten sie die Kraniche dennoch: "Auf der Fahrt hierher haben wir ganz viele auf einem Feld stehen sehen", fügt er an. Dann blickt er wieder durchs Fernglas, denn jetzt kommen die Kraniche alle auf einmal und aus allen Himmelsrichtungen. Alle genießen das Schauspiel in der Abenddämmerung und lassen es auf sich wirken.

Bis Ende Oktober finden mittwochs, samstags und sonntags ab 16.30 Uhr Kranichbeobachtungen im Naturerlebniszentrum Wanninchen statt. In den Herbstferien kann man zudem auf dem Gelände auf Tour gehen.

Donnerstag, 20. Oktober, können Ferienkinder ab 14.30 Uhr den Vogelzug spielerisch erleben. Eine Taschenlampenreise erwartet kleine und große Naturfreunde am Donnerstag, 27. Oktober. Um 17 Uhr startet eine Entdeckungstour im nahen Görlsdorfer Wald mit spielerischen Aktionen und kleinen Abenteuern.