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| 15:54 Uhr

Verdi-Gala in Luckau
Große Emotionen im Klosterhof

Ein berührendes Opern-Erlebnis bot die Verdi-Gala im Luckauer Klosterhof. Unterhaltsam die Inszenierung mit der Verknüpfung von Szenen, Arien, Quartett und Chor aus „Rigoletto“ und „La traviata“ im zweiten Teil des Opernabends.
Ein berührendes Opern-Erlebnis bot die Verdi-Gala im Luckauer Klosterhof. Unterhaltsam die Inszenierung mit der Verknüpfung von Szenen, Arien, Quartett und Chor aus „Rigoletto“ und „La traviata“ im zweiten Teil des Opernabends. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau . Publikum feierte die Verdi-Gala der Festspieloper Prag und Tschechischen Symphoniker Prag in Luckau. Von Birgit Keilbach

Einen bezaubernden Opernabend unter freiem Himmel an einem wunderbar mild ausklingenden Sommertag erlebten am Freitag hunderte Musikliebhaber in Luckau. Das Ambiente des Klosterhofs passte perfekt zum sommerlichen Klassik-Open-Air. Anwohner in den Häusern an der Westseite des Areals hatten auf ihren Balkonen Logenplätze eingenommen. Die Festspieloper Prag und die Tschechischen Symphoniker Prag gastierten nach der erfolgreichen  Aufführung von Verdis Oper „Nabucco“ im Schlosspark des Luckauer Ortsteils Fürstlich Drehna im vergangenen Sommer diesmal in der Kernstadt.

Unter der Regie von Oldrich Kriz waren Akteure und Handlungen verschiedener Verdi-Opern zu zwei neuen  Geschichten verwoben worden. Die Protagonisten auf der Bühne entführten das Publikum zwei Stunden lang mit großen Emotionen, schönen Tönen und prächtigen Kostümen in das ewige Ringen um Macht und Liebe und all den damit verbundenen Rivalitäten, der Unterdrückung und dem Kampf für Freiheit. Martin Doubravsky dirigierte die Symphoniker mit Temperament, Prägnanz und Schwung.

Nach dem Auftakt mit dem Triumphmarsch aus „Aida“ entwickelte die erste Geschichte - in der Haupthandlung eine Verknüpfung von „Aida“ mit „Nabucco“ - ihre eigene Dynamik. So schaut das Volk der Hebräer dem Hinrichtungszug zu, der dem siegreichen Feldherr Radames gilt, weil er von seinem Bruder, dem äthiopischen König Amonasro, wegen angeblichen Hochverrats zum Tode verurteilt wurde. Als Geliebte von Radames taucht Leonora, zentrale Figur mehrerer Verdi-Opern, auf und besänftigt die zwei Widersacher, die sich mit einem Duett aus „Don Carlo“ ewige Freundschaft schwören. Schließlich gibt es einen gemeinsamen Feind – Nabucco. Zum Kampf gegen ihn ruft die Hohepriesterin mit dem kriegerischen Rataplan aus „Die Macht des Schicksals“ auf. Im zweiten Akt bildet das Ringen Nabuccos um die Befreiung seiner gefangenen Tochter den dramatischen Auftakt und der berühmte Gefangenenchor der Hebräer das berührende Finale.

Weniger dramatisch, schön locker und leicht bringen die Solisten, das Ensemble und das Orchester nach der Pause eine charmante Verbindung von „Rigoletto“ und „La traviata“ auf die Bühne. In dieser sorgt sich der Hofnarr Rigoletto um seine Tochter Violetta, die sich in den berüchtigten Schürzenjäger, den Herzog von Mantua verliebt hat. Der beklagt die „trügerischen Weiberherzen“, doch am Ende wendet sich alles zum Guten und beide feiern ihre Liebe zur Freude Rigolettos.

Mit lang anhaltendem Beifall im Stehen, Jubelrufen und Pfiffen dankten die Zuschauer den Musikern, Sängern und Schauspielern für dieses ganz besondere Opernerlebnis. Als emotionalen Schlusspunkt lauschten alle nochmals dem eindrucksvollen Gefangenenchor, ein Gänsehautmoment unterm Sternenhimmel, mit dem das Theaterensemble sein Publikum nach zwei anregenden und berührenden Stunden in die Nacht entließ.

„Es war genauso schön wie letztes Jahr in Fürstlich Drehna. Der Weg nach Luckau hat sich gelohnt. So etwas könnte hier öfters im Freien stattfinden“, resümierte Lutz Ebrecht, der mit seiner Familie aus Calau gekommen war. „Die Sänger und Darsteller waren ganz große Klasse, einfach grandios. Und Hut ab vor dem Orchester mit seinem Dirigenten“, schwärmte Bärbel Kubick. Die Atmosphäre im Innenhof des ehemaligen Klosters und späteren Gefängnisses „war wunderbar. Der Gefangenenchor hat mich sehr berührt, ich habe Gänsehaut bekommen“, beschrieb Domenica Tylak aus Rüdingsdorf ihr Empfinden. Die Lübbenerin Vera Städter war schon zu vielen Konzerten in der Luckauer Kulturkirche und schätzt den kleinen Rahmen, weil er viel Nähe zu den Künstlern bietet. „Es ist etwas  Einmaliges. Open Air ist etwas Anderes, und der Hof ideal für solche Konzerte und Aufführungen. Er könnte gut für weitere Veranstaltungen genutzt werden“, sagte die Lübbenerin. Auch Ulrich Kahra aus Lübbenau gefiel die Verdi-Gala: „Sie ist nicht so streng, sondern schön aufgelockert, und die Atmosphäre hier ist idyllisch.“ „Es ist ein Musikgenuss, der Kapellmeister bringt die Lockerheit sehr gut rüber“, ergänzte seine Begleiterin Ursula Milke.

Ein berührendes Opern-Erlebnis boten die Festspieloper Prag und die Tschechischen Symphoniker Prag mit der Verdi-Gala den Theater- und Musikliebhabern aus der Region im Luckauer Klosterhof.
Ein berührendes Opern-Erlebnis boten die Festspieloper Prag und die Tschechischen Symphoniker Prag mit der Verdi-Gala den Theater- und Musikliebhabern aus der Region im Luckauer Klosterhof. FOTO: Birgit Keilbach