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| 16:07 Uhr

Zeitreise
Mächtige Gräben am Vogelturm

Mächtige Gräben haben die Experten gefunden, den innersten mit einem massiven Holzaufbau an der Ecke zur Luckenwalder Straße. Fotos (2): be
Mächtige Gräben haben die Experten gefunden, den innersten mit einem massiven Holzaufbau an der Ecke zur Luckenwalder Straße. Fotos (2): be FOTO: LR / Carmen Berg
Dahme. Beim Ausbau der Dahmer Ortsdurchfahrt finden Archäologen Reste der Stadtbefestigung. Von Carmen Berg

Der Vogelturm ist der einzige erhaltene Bau von zwei Stadttoren. Er gehörte zum Jüterboger Tor. Beim Ausbau der Ortsdurchfahrt der B 102 sind die Bagger dem Wahrzeichen bis fast an die Füße gerückt. Bevor Kanäle verlegt und von einer Fahrbahn aus Asphalt bedeckt werden, gehen Archäologen auf Zeitreise in den Untergrund. Das sei spannend, aber auch schwierig, denn vieles wurde bei früheren Eingriffen in den Baugrund zerstört, sagt Grabungsleiterin Anke Herrmann vom Cottbuser Fachunternehmen Archäologische Baubegleitende Untersuchungen (ABBU). Zudem werde nur kleinteilig dort untersucht, wo eine Öffnung vom Bauablauf erforderlich ist. Deshalb stehen hinter den Funden noch manche Fragezeichen.

Kurz hinter dem Turm in Richtung Jüterbog sind die ABBU-Mitarbeiter Enrico Kokkot und Sten Juschitz am Mittwochvormittag noch dabei, Reste eines Feldsteinmauer-
werks freizulegen. Die Fachleute glauben, dass das rechteckige Bauwerk ein Teil der Stadtbefestigung war, womöglich das Torhaus. Sicher ist, es wurde später gebaut als die letzten Schichten des mächtigen Bohlendamms von 1247, den die Archäologen in den zurückliegenden Wochen schon geborgen hatten.

Anke Herrmann zeigt eine Brandschicht, die in der oberen Lage des Holzweges und auch im Gebäudefundament zu finden ist. Der Vogelturm war beim großen Stadtbrand von 1563 den Flammen zum Opfer gefallen und blieb für mehr als 300 Jahre eine Ruine, bis er 1893 im Stil des 19. Jahrhunderts wiedererrichtet wurde. In der wüsten Phase hatten die Vorfahren den Schandfleck wohl mit allem Möglichen verfüllt. Unter anderem fanden Anke Herrmann und ihr Team Keramik aus der Zeit um 1600.

Steinerne Zeugen der alten Stadtbefestigung hatten die Fachleute am Vogelturm vermutet. Überrascht seien sie hingegen von einem mehrfachen Grabensystem quer zur Fahrbahn, der massivste war stattliche 17,50 Meter breit und 3,60 Meter tief. Teils hatten die Gräben Holzaufbauten aus halben Baumstämmen sowie Holzpfosten, die auf Brücken deuten könnten.

Für denkbar hält es Anke Herrmann aufgrund dieser Funde, dass das frühe Dahme nicht bis an den Vogelturm reichte, sondern kleiner war. Das Grabensystem könnte die Stadt ringförmig umschlossen haben. Eindeutig belegen lasse sich das nicht, dazu bräuchte es weitere Funde an anderen Stellen der Stadt, so die Grabungsleiterin.

Gespannt ist sie, was weitere Forschungen im nächsten Abschnitt zwischen Vogelturm und Baruther Straße bringen werden. Reste der alten Stadtmauer vielleicht und auch Aufschluss darüber, wie weit hinaus aus der Stadt der alte Holzweg reichte, der 800 Jahre alte Vorfahr der B 102.

Grabungsleiterin Anke Herrmann legt eine Brandmauer frei. Der Feldsteinbau, auf den die Archäologen am Vogelturm stießen, ist jünger als der darunter liegende Knüppeldamm, dessen jübgste Lage auf 1247 datiert. Foto: be
Grabungsleiterin Anke Herrmann legt eine Brandmauer frei. Der Feldsteinbau, auf den die Archäologen am Vogelturm stießen, ist jünger als der darunter liegende Knüppeldamm, dessen jübgste Lage auf 1247 datiert. Foto: be FOTO: LR / Carmen Berg