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| 16:55 Uhr

Dörfliches Leben
Gottesdienst und Landleben zum Anfassen

Die Spielleute sorgten nicht nur auf eine der zahlreichen Bühnen für kurzweilige Unterhaltung.
Die Spielleute sorgten nicht nur auf eine der zahlreichen Bühnen für kurzweilige Unterhaltung. FOTO: Benjamin Wepprich
Langengrassau. Erntedankfest auf dem Höllberghof erfreut viele Besucher mit abwechslungsreichen Angeboten. Von Benjamin Wepprich

Nur noch in den seltensten Fällen wird das Begehen eines Erntedankfestes mit seinem eigentlichen religiösen Hintergrund in Verbindung gebracht. Bedankten sich früher noch die Gläubigen bei Gott für die Gaben der Ente, wird heute eher ein Volksfest gefeiert.

Weiterhin, zumindest in den Grundzügen, traditionell verankert jedoch ist der zelebrierte Erntedank auf dem Höllberghof in Langengrassau. Am arg windig-herbstlichen Mittwochvormittag am Tag der Deutschen Einheit begrüßte Pfarrer Frank Gehrmann mit den Worten: „Kommt her, hier scheint die Sonne. Vielleicht noch nicht am Himmel, aber in unseren Herzen“. Und die Leute kamen reichlich um den Worten des Pfarrers andächtig zuzuhören. Begleitet von einem Posaunenchor und von den typischen Geräuschen auf einem Bauernhof wie das Um-die-Wette-Krähen von Hähnen und das gleichmäßige Tuckern der historischen Landmaschinen. Eigens für den Gottesdienst aufgebaut wurde inmitten des Dreiseitenhofes ein festlich geschmückter Altar mit frisch geernteten Früchten nebst üppiger Erntekrone.

Die diesjährige Erntekrone wurde überreicht vom Landfrauenverband Niederlausitz e.V., welche von insgesamt 20 Frauen gefertigt wurde. „Es beginnt mit dem Sammeln des Getreides, dann schneiden, zu kleinen Sträußchen binden und letztlich das Flechten. Zusammen haben wir über fünf Stunden benötigt“, sagte die Vorsitzende Heike Lehmann.

Das Ergebnis konnte man neben selbst gebackenen Kartoffelpuffern und Plinsen in der Scheune des Hofes betrachten, in der auch kleine Theaterstücke vorgeführt wurden. Es gab jedoch noch mehr zu entdecken auf dem weitläufigen Gelände: Allerlei Getier wie Enten, Schafe und kleine Kamele. „Wir waren im letzten Jahr schon hier und wollen heute wieder einen schönen Tag verbringen. Hier gibt leckeres Essen und die Alpakas sehen ganz cool und niedlich aus“ freute sich die Familie Wisniewski aus Cottbus „Zudem ist es mal wieder ein Anlass aufs Ländliche rauszukommen.“ Zum Mitnehmen für die heimische Küche und den Garten gab es frische saisonale Früchte und Gewächse. Zwischenzeitlich lieferte sich die Sonne mit den Wolken kleinere Duelle und einige kräftige Windböen pfiffen durch die schwertragenden Apfelbäume der Örtlichkeit und verteilten den Geruch vom frisch gedroschenem Stroh.

Mit etwas Kraft und viel Spucke ließen sich zudem die aufgestellten, altertümlichen Landgeräte von Groß und Klein bedienen und die Jungen staunten über so manche dazugehörige Erklärung der Älteren.

Seit Anfang an dabei ist Projektmitarbeiterin Carola Janek vom Höllberghof: „Das 22. Erntedankfest ist inzwischen traditionell mit dem Hof verankert und das dargebotene Programm immer abwechslungsreich“. Es wird viel Wert auf Brauchtum und Handwerk gelegt. Das habe sich auch so durchgesetzt, ergänzte die stellvertretende Geschäftsführerin Jana Zurakowski. Es können Schmuck und Näharbeiten angesehen und gekauft, beim Kerzenziehen und Korbflechten mitgemacht oder dem Seilmacher über die Schulter geschaut werden.

Pfarrer Frank Gehrmann vom Evangelischen Pfarramt Langengrassau bei der Messe vor dem Altar inmitten des Dreiseitenhofes.
Pfarrer Frank Gehrmann vom Evangelischen Pfarramt Langengrassau bei der Messe vor dem Altar inmitten des Dreiseitenhofes. FOTO: Benjamin Wepprich