Für den 36-Jährigen in Zehdenick geborenen Sohn einer Pfarrersfamilie war Golßen die erste eigene Pfarrstelle. Nach seiner Entsendungszeit hätte er sich um eine Festanstellung dort bewerben können. „Dass er es nicht macht, ist seine Freiheit und hat sicher persönliche Gründe“, sagte Superintendentin Ulrike Voigt zur Verabschiedung. „Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass Joachim Krätschell bleibt. Er hat seinen Dienst mit viel Liebe getan.“ Es ist nicht das erste Mal, dass ein Entsendungspfarrer den Golßener Pfarrsprengel verlässt. Vor Krätschell war Hans-Ulrich Kowalke nach Berlin gewechselt, aus dem benachbarten Sprengel Waldow ging Christian Raschke nach Wünsdorf. „Die Gemeinde sollte die Entscheidung akzeptieren“, sagt Ulrike Voigt. Sie räumt allerdings ein, dass es „nicht leicht ist, sich zu verabschieden“. Joachim Krätschell geht mit „guten Erinnerungen“ nach Berlin. „Ich hatte in Golßen eine wirklich schöne Zeit“, sagt er. Vor allem die Jugendlichen des Pfarrsprengels seien ihm ans Herz gewachsen. „Sie haben mir einen tollen Abschied bereitet. Ich bin sicher, dass sich die jungen Leute auch weiterhin stark in der Gemeinde engagieren“, so Krätschell. Vorerst ist Gabriele Backhaus alleinige Pfarrerin im Großsprengel, der bis vor ein paar Jahren noch drei Pfarrstellen hatte. „Doch niemand ist allein, es wird auch weiter Gottesdienste geben“, versichert die Pfarrerin. „In der Adventszeit und zu Weihnachten erhalten wir Hilfe vom Konsistorium aus Berlin“, kündigt Superintendentin Voigt an. Sie hofft, dass die Pfarrstelle in Golßen schnell und möglichst dauerhaft wieder besetzt werden kann. "Ich werde alles tun, damit die Vakanz so kurz wie möglich ist", sichert die Superintendentin zu. Ausgeschrieben sei die Stelle, „jetzt müssen wir abwarten“, sagt sie. Für Joachim Krätschell dagegen beginnt schon am Donnerstag dieser Woche der Dienst in seiner neuen Gemeinde in Berlin. „Ich wünsche mir aber, dass der Kontakt nach Golßen nicht abreißt“, sagte er zum Abschied. Sein musikalisches Ständchen hat er sich am Sonntag übrigens selbst gegeben. Krätschell ist leidenschaftlicher Geigenspieler und wurde beim Abschiedsgottesdienst von Christiane Mai (16) am Klavier und Anita Lahfeld (22) an der Orgel begleitet. Aus verschiedenen Pfarrgemeinden des Großsprengels gab es zudem Blumen und kleine Geschenke. Esther Klauck vom Gemeindekirchenrat Freiwalde brachte es auf den Punkt: „Wir sind an einer Kreuzung angekommen. Und hier trennen sich unsere Wege. Doch der Glaube vereint uns“, sagte sie.