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Golßen
„Schwester Agnes“ von Golßen

Katrin Paschke (l.) unterstützt Allgemeinmedizinerin Svitlana Graßmann in Golßen als nichtärztliche Praxisassistentin.
Katrin Paschke (l.) unterstützt Allgemeinmedizinerin Svitlana Graßmann in Golßen als nichtärztliche Praxisassistentin. FOTO: Carmen Berg / LR
Golßen. Katrin Paschke fährt als Assistentin von Hausärztin Svitlana Graßmann zu Patienten aufs Land. Von Carmen Berg

Katrin Paschke knattert nicht mehr auf dem Moped über Land wie einst die Fernsehkollegin Agnes. Darüber hinaus aber erinnert in ihrer Arbeit vieles an die Gemeindeschwester von früher. In der Facharztpraxis für Allgmeinmedizin von Svitlana Graßmann in Golßen ist die Schönaerin nichtärztliche Praxisassistentin (NäPa).  Dafür hat die Ärztin eine neue Mitarbeiterstelle geschaffen. Möglich machten das veränderte Regelungen bei der Finanzierung der NäPas seit dem Vorjahr, sagt Svitlana Graßmann. Die Assistentin könne zwar ärztliche Betreuung nicht ersetzen, wohl aber dort Praxis und Patienten entlasten, wo der direkte Arztkontakt nicht medizinisch notwendig ist, erklärt sie.

Svitlana Graßmanns Patienten kommen  aus dem gesamten Umland. Viele sind im vorgerückten Alter. Schwester Katrin übernimmt bei ihren Hausbesuchen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, für die die Senioren sonst in die Stadt müssten. Sie misst Blutdruck oder Blutzucker, nimmt Blut ab für Laboruntersuchungen, beispielsweise für den Quick-Wert, der Störungen bei der Blutgerinnung anzeigt: Auch EKG`s oder Lungenfunktionstests macht sie vor Ort und bespricht die Werte dann mit der Ärztin. Auf Wunsch bringt sie die verordneten Medikamente oder Überweisungen vorbei.

Ihre Termine organisiert sich die Assistentin eigenständig. „Wenn ich etwa alle sechs Wochen komme, werde ich oft schon erwartet“, sagt Katrin Paschke. „Viele wollen reden, wollen von früher erzählen.“ Dieser persönliche Kontakt sei wichtig, sagt die Schwester.  Aus Gesprächen, so banal sie manchmal scheinen mögen, lasse sich erkennen, wenn sich Gesundheitszustände verändern. In der Wohnung sehe sie auch, wo Familien Unterstützung brauchen. „Mancher, der seine Angehörigen allein zu Hause pflegt, weiß nicht, wie er an Hilfsmittel kommt“, nennt Katrin Paschke  ein Beispiel. Beratung ist deshalb ein Teil ihrer Arbeit.

Die Schönaerin ist seit 1986 in ihrem Beruf als Krankenschwester. Sie war sowohl in Paxen als auch in der ambulanten Pflege tätig. „Ohne die Erfahrung in der häuslichen Pflege hätte ich mir den neuen Job vielleicht nicht zugetraut“, sagt Katrin Paschke. Denn sie braucht ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit, ein Gespür dafür, wenn es um einen Ernstfall geht.

Von der nichtärztlichen Praxisassistentin profitieren Ärztin und Patienten, so das Fazit von Svitlana Graßmann. „Es ist ein Weg, der Vertrauen aufbaut. So kann Hausarztmedizin Spaß machen“, sagt sie.

Für ihre neue Arbeit drückt Katrin Paschke noch einmal die Schulbank. Über die Landesärztekammer Brandenburg absolviert sie seit diesem Monat eine Fortbildung, die sie im Juni abschließen will. Der Landesärztekammer Brandenburg zufolge sind seit 2009 in Brandenburg insgesamt 299 Prüfungen zur nichtärztlichen Praxisassistentin abgeschlossen worden. Der nächste Fortbildungskurs findet voraussichtlich ab August 2018 In Potsdam statt. Nähere Infos gibt es auch im Internet unter www.laekb.de.