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Debatte um die Golßener Bahnhofstraße
Anwohner für Komplettsanierung

Golßen. Golßener Bauausschuss beugt sich dem Druck der Einwohner in der Bahnhofstraße. Von Andreas Staindl

Die Bahnhofstraße in Golßen (Unterspreewald) soll abgestuft werden. Aus der Landesstraße L 711 würde in diesem Fall eine Gemeindestraße. Für die Unterhaltung wäre dann nicht mehr das Land Brandenburg, sondern die Kommune zuständig. Die müsste Anwohner an einer Sanierung beteiligen.

Wann dieser Fall eintritt, hängt vom Zustand der Straße ab. Und der ist derzeit alles andere als gut. Darüber sind sich alle Beteiligten einig. Deshalb soll vereinbart werden, dass das Land Brandenburg die Bahnhofstraße in einem ordnungsgemäßen Zustand übergibt.

Wie genau dieser aussieht, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Das Land hat die Straße je nach Beschädigung in mehrere Abschnitte eingeteilt, die in unterschiedlichen Varianten saniert werden sollen. Dagegen wehren sich die Anwohner. Sie fordern eine Komplettsanierung der Bahnhofstraße, bevor diese an die Stadt übertragen wird. „Der vom Landesbetrieb für Straßenwesen vorgelegte Reparaturplan wurde doch nur auf Grundlage einer Vor-Ort-Begehung erstellt“, kritisierte Hartmut Quiel während der Bauausschusssitzung kürzlich. „Wie der Untergrund aussieht, das weiß niemand, weil keine Bohrungen gemacht wurden. Wer garantiert uns, dass die Straße nicht bald wieder kaputt ist?“

Der Stadtverordnete Michael Bock (CDU) unterstützt seine Ansicht. Er lehnt den Abschluss einer so genannten Umstufungsvereinbarung zum jetzigen Zeitpunkt ab. „Es gibt zu viele Unbekannte“, sagt er und verweist etwa darauf, dass ein Teil der Straße früher ein Sommerweg war: „Es gibt keine Untersuchungen zum Zustand des Unterbaus. Ich halte diesen für nicht in Ordnung.“

Michael Bock machte zudem darauf aufmerksam, dass die Kommune mit der Straße auch die begleitenden Bäume übernehmen müsste: „Davon ist aber nichts in der Vereinbarung zu lesen. Was auf uns zukommen könnte, hat man nach dem Sturm vor einigen Wochen gesehen.“ Auch für Christoph Berndt gibt es „noch zu viele offene Fragen“. Der Einwohner bat die Mitglieder des Bauausschusses deshalb, der Vereinbarung nicht zuzustimmen: „Es ist einfach eine Entscheidung mit großer Tragweite.“

Ronny Schulz, Anwohner der Bahnhofstraße, versteht „die Eile nicht, mit der die Vereinbarung jetzt beschlossen werden soll“. Er reagierte damit auf einen Hinweis von Gerd Pietrzok (SPD). Der Vorsitzende des Golßener Bauausschusses kündigte an, dass der Landesbetrieb die aktuellen Schäden an der Bahnhofstraße nach dem Winterhalbjahr aufnehmen wolle. Interessierte Bürger seien dazu eingeladen. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, die Interessen der Anwohner nicht ausreichend zu berücksichtigen: „Wir wollen alle das Maximale für die Straße erreichen.“

Michaela Schudek bestätigt das. „Wir hätten gern einen komplett neuen Unterbau in der Bahnhofstraße“, sagt die Bauamtsleiterin. „Das lehnt der Landesrechnungshof als oberste Landesbehörde aber ab.“ Sie schlug vor, einen Vertreter des Landesbetriebs für Straßenwesen nach Golßen einzuladen, um die bestmögliche Lösung zu diskutieren. Bis dahin soll die Vereinbarung nicht beschlossen werden. Der Bauausschuss hat den Stadtverordneten eine entsprechende Empfehlung gegeben.

Die Stadtverordnetenversammlung kann sich daran halten oder der Umstufungsvereinbarung zustimmen. Sie hat das Thema während ihrer Sitzung am kommenden Montag, 11. Dezember, auf der Tagesordnung.