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Glashütte soll die Tradition mitretten

Seltenes Handwerk: die Baruther Glasmacherin Stephanie Schulz.
Seltenes Handwerk: die Baruther Glasmacherin Stephanie Schulz. FOTO: Gaudlitz
Baruth. Das Expertenkomitee für das Immaterielle Kulturerbe ermuntert das deutsche Netzwerk der manuellen Glasfertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas, sich als multinationale Kulturform aufzustellen. SvD

Georg Goes, Chef vom Museum und Glasstudio Baruther Glashütte, Katrin Holthaus (LWL-Industriemuseum Gernheim) und Hans-Reiner Meindl (Glashütte Lamberts) freuen sich auf die Aufgabe, die Netzwerke im Glasbereich länderübergreifend enger zu knüpfen. "Es motiviert, durch eine mehrjährige engagierte Arbeit für das Glas vielleicht im Jahr 2019 eine Nominierung zu erreichen. Wir wollen demonstrieren, dass beim Glasblasen Tradition und Innovation im Einklang gelingen können." Unter dem Motto des Immateriellen Kulturerbes "Wissen. Können. Weitergeben." soll die Handwerkstradition der arbeitsteiligen Glasherstellung international dokumentiert werdne.

Die drei Museen planen nun internationale Themenworkshops, um einen Austausch über erhaltensbedürftige Fertigungstechniken zu erreichen. Glasmacherinnen und Glasmacher aus den Ländern, die für die Praxis des Glasmachens berühmt sind, z.B. Finnland, Schweden, Italien oder Tschechien, gilt es nun, in Projekten und Workshops eng zusammenzuführen. Die Techniken der Gasherstellung sollen dadurch systematisch tradiert, dokumentiert und bewahrt werden.

Professor Christoph Wulf, Vize-Präsident der deutschen Unesco-Kommission, ist optimistisch. Die guten internationalen Kontakte der Trägergemeinschaft Baruth/Gernheim/Waldsassen sei eine gute Voraussetzung, mundgeblasenes Glas weltweit als erhaltensbedürftig oder auch repräsentativ für das Kulturerbe der Menschheit anerkannt zu bekommen.

Kaum 1000 Glasmacher können in Deutschland noch manuell Glas blasen. Auch andere Länder, mit denen die deutsche Trägergruppe zusammenarbeitet, erleben einen rapiden Verlust dieser Kulturtechniken.

Seit 2003 unterstützt die Unesco den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen. 430 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt sind derzeit Immaterielles Kulturerbe, darunter der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin und die italienische Geigenbaukunst.

Zum Thema:
Dazu zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Formen Immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie sind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu gestaltet. Immaterielles Kulturerbe ist oft auch die Grundlage von materiellem Kulturerbe. Auf nationaler Ebene ist die "Manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas" seit 2015 als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.