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Glas und die Vorstellungen über das Jenseits

Museumsleiter Georg Goes hat die Ausstellung auf die Beine gestellt.
Museumsleiter Georg Goes hat die Ausstellung auf die Beine gestellt. FOTO: Dietrich von Schell/dvl1
Glashütte. Tod, Trauer und Bestattung sind Tabuthemen. Anders im Museumsdorf Baruther Glashütte. Dort läuft seit 15. März eine Ausstellung, die sich mit den Parallelen zwischen dem Material Glas und den Vorstellungen des Jenseits beschäftigt. Dietrich von Schell/dvl1 dvl1

Die Sonderausstellung "Der Transparente Tod. Glas und Jenseits" hat einen ungewöhnlichen Hintergrund. Der Bestatter Patrick Schneider bietet im Museumsdorf Kristallbestattungen an. Dabei werden nach der Kremation des Verstorbenen Teile seiner Asche in Kristallglas eingeschmolzen. Die Idee: Der Hinterbliebene behält etwas in der Hand und bewahrt sich ein Gefühl innerer Nähe. Die Leute seien begeistert und dankbar, sagt Schneider.

Lässt man dem Glas seltene Erden beimischen, leuchten die Erinnerungskristalle sogar. Georg Goes, Leiter des Museums Baruther Glashütte empfand es als Herausforderung, den Wandel der Bestattungskultur zu begleiten. "Ich wollte dem Thema eine historische Tiefe geben und Vorbehalte, die es durchaus gibt, aus dem Weg räumen."

So begab er sich für die Ausstellung auf Spurensuche und förderte Wissenswertes zu Tage. Dass nämlich Glas bei Bestattungen schon früher in verschiedenen Kulturen eine Rolle spielte. "Auch der Tod unterliegt Moden", sagt Goes.

Bei den Wikingern habe man Glasgegenstände in den Gräbern gefunden. die Römer kannten Glasurnen, die sie zu Hause aufbewahrten. "Im 19. Jahrhundert waren in Deutschland Perlenkränze sehr beliebt", berichtet Goes. Um ein Kruzifix herum waren aus Draht und Glasperlen ornamentale Blumen zu einem Kranz gestaltet worden. "Sie dienten als Trauerhilfe, wurden zu Allerseelen auf die Gräber gelegt, aber auch zu Hause aufbewahrt", so Goes. Um die Jahrhundertwende seien die Perlenkränze jedoch verboten worden. Der Grund: zu kitschig. Der größte Kranz in der Ausstellung stammt von einer Privatperson in Königs Wusterhausen.

Überhaupt sind die Exponate bemerkenswert, Goes nennt das Ganze Kuriositätensammlung. Teils haben Museen und Privatleute, teils Designer sie zur Verfügung gestellt. Der älteste Gegenstand stammt aus dem alten Ägypten, es gibt Trauerschmuck, Totenkronen, eine Grableuchte.

Goes hat die Bereiche Glas und Jenseits zudem von allen Seiten betrachtet. "Mit Glas macht man in der Wissenschaft den Tod sichtbar", sagt Goes. Für diesen Aspekt hat er einen Gehirnschnitt im Glas aus dem Medizinhistorischen Museum der Berliner Charité ausgeliehen. Und es geht ebenso um den frühen Tod durch Glas, den ja die Glasmacher in ihrem schweren Beruf einst erleiden mussten. Bei all dem dürfe aber auch der ironische Blick nicht vernachlässigt werden, findet Goes. "Wir zeigen auch Trinkgläser mit einem Totenkopf, die es in jedem Haushalt geben könnte." Kurzum, die Ausstellung ist klein, aber fein. Wer keine Berührungsängste mit dem Tod hat, den wird das angehäufte Wissen interessieren.

Die Sonderausstellung ist bis 29. Juni im Museumsdorf Baruther Glashütte zu sehen.

Öffnungszeiten: Di - So, 10 - 16 Uhr, ab April bis 18 Uhr. Begleitend wird auf www.glas-kultur.de eine Internet-Doku freigeschaltet.

Rahmenprogramm: 6. April 14 Uhr, Führung mit Georg Goes; 25. Mai, 14 Uhr, Patrick Schneider: Vortrag über Kristallbestattungen; 1. Juni, 14 Uhr: Juliane Lippok: Glas in neuzeitlichen Gräbern