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| 03:01 Uhr

Gießmannsdorferin pflegt seit Jahren Soldatengräber

Anita Scheliga pflegt seit 30 Jahren Soldatengräber auf dem Gießmannsdorfer Friedhof.
Anita Scheliga pflegt seit 30 Jahren Soldatengräber auf dem Gießmannsdorfer Friedhof. FOTO: S. Scheffler
Gießmannsdorf. In Gießmannsdorf pflegt Anita Scheliga seit gut 30 Jahren vier deutsche Soldatengräber auf dem Friedhof. Sie macht das freiwillig – inzwischen mit einem Pflegevertrag der Stadt Luckau. Auch am Volkstrauertag wird sie auf dem Friedhof sein. Sven Scheffler/ho

Anita Scheliga geht regelmäßig "zu ihren Jungs" wie sie sagt. Die Rentnerin aus Gießmannsdorf pflegt seit Beginn der 1980er Jahr vier Gräber von deutschen Soldaten. "Ich mache das aus Heimatverbundenheit und Menschlichkeit. Es wäre doch traurig, wenn sich niemand kümmern würde", sagt die Rentnerin.

Zur DDR-Zeit gab es keine organisierte Pflege für die Gräber, doch Anita Scheliga engagierte sich freiwillig. Heute hat sie einen Pflegevertrag mit der Stadt Luckau. "Es ist ja nicht viel zu tun, nur im Sommer muss ich drei Mal in der Woche gießen gehen", sagt sie. Solange es gesundheitlich möglich ist, will sie das auch weitermachen, danach müssten andere die Grabpflege übernehmen. "Da wir begrenzte Kapazitäten haben, schließen wir üblicherweise Pflegeverträge mit Privatpersonen ab", sagt Sabine Lehmann, Mitarbeiterin für Friedhofsangelegenheiten bei der Stadtverwaltung.

Wie alle Kriegsgräber haben die Gießmannsdorfer ihre eigene Geschichte. Die vier Soldaten waren in den letzten Kriegstagen in Gießmannsdorf gefallen. Ein überlebender Soldat bestattete die Toten. Der Sohn des Pfarrers Ekkehard Bickenbach, selbst Kriegsteilnehmer mit traumatischen Erfahrungen, hielt die noch frischen Gräber ein Jahr später auf einem Aquarell fest, sodass ein Vergleich zu heute möglich ist.

"Mich hat der Anblick bewegt und ich wollte ihn festhalten, um die Erinnerung wach zu halten", sagt Ekkehard Bickenbach heute. Er lebt inzwischen nicht mehr in der Region, doch der Luckauer Max Eckstein besitzt eine Kopie des Aquarells, das ein Zeitdokument ist. 1946, als es gemalt wurde, standen noch Holzkreuze auf den Gräbern. Später wurden sie durch Granitsteine ersetzt. "Ich bin selbst ehrenamtlich bei der Kriegsgräberfürsorge tätig", berichtet Max Eckstein. Es setzt sich dafür ein, diese Erinnerungen zu bewahren.