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| 01:00 Uhr

Gießmannsdorfer Tierfreundin päppelt Katzenbabys auf

Gießmannsdorf.. Drei Katzenbabys hat ein Unbekannter am Montag in den frühen Morgenstunden hinter einer Hoftür in Gießmannsdorf abgestellt. Für Ingrid Stephan ist es eine ungeheuerliche Tat: „Es ist verantwortungslos, so kleine Lebewesen der Mutter zu entreißen und einfach auszusetzen.“ . Eine rechtzeitige Kastration der Katze hätte diesen Fall verhindern können, sagt die Tierschützerin. Von Gabriele Bernhardt

Im Haus der Stephans sieht es aus wie in einer Babystube. Die drei Katzen liegen eingerollt in Tüchern in einer großen Kiste im Wohnzimmer. Auf einem Tablett stehen Wattestäbchen neben Küchenkrepp, Vaseline und Heilerde. In der Küche befindet sich ein Topf mit sterilen Einwegspritzen und Milchpulver, das in Kamillentee eingerührt die Nahrung für die Katzen ist. „Alle zwei Stunden versuche ich die Tiere zu füttern“ , erklärt Ingrid Stephan, „rund um die Uhr.“

Nahrung aus der Einwegspritze
Mit den kleinen Nuckelfläschchen seien die Katzen nicht zurechtgekommen. Der Versuch mit den Einwegspritzen, den Tieren das Futter einzuflößen, war erfolgreicher. Der kleine Kater trinkt schon zehn Milliliter, die beiden Katzen höchstens fünf. Etwa noch eine Woche wird das Füttern andauern. Wenn die Tiere dann Fertigfutter für Katzenkinder aus der Dose fressen, würden sie nachts durchschlafen, sagt sie. „Ich versuche alles das zu tun, was die Kätzin machen würde“ , erklärt Ingrid Stephan. „Es wäre eine kleine Mühe gewesen, wenn der Katzenbesitzer dafür gesorgt hatte, seine Kätzin kastrieren zu lassen. Dann wäre das hier alles nicht nötig“ , betont sie. Menschen müssten für ihre Haus- und Hoftiere Verantwortung übernehmen, fordert die 64-Jährige.

Tiere völlig unterkühlt
Die Tiere bekam sie von ihrer Schwester. „Zwischen 5 und 7 Uhr hat jemand den Pappkarton mit den drei Katzen hinter ihre Hoftür gestellt“ , sagt Stephan. Ganz bewusst, ist sie überzeugt. Denn auch ihre Schwester ist als Tierfreundin in Gießmannsdorf bekannt. Sie kümmert sich um zahlreiche zugelaufene Katzen, hatte sie kastrieren lassen und füttert sie täglich. Als die Schwester am Montagmorgen anrief, nahm Ingrid Stephan ihr die Tiere ab. „Die waren völlig unterkühlt“ , sagt sie. Mit einer Wärmflasche und vielen Tüchern hat Ingrid Stephan die Tiere stabilisiert und dann zum Tierarzt gebracht. Behandlungskosten und das Geld für Medikamente bezahlt die 64-Jährige aus eigener Tasche.
Eigentlich wollte Familie Stephan - auch ihr Mann Armin ist ein bekennender Tierfreund - in Sachen Tierpflege etwas kürzer treten. Seit sie im Sommer wieder nach Gießmannsdorf gezogen sind, sollten neue Prioritäten gesetzt werden. In der Pfalz, ihrer vorigen Heimat, hatte Ingrid Stephan im Auftrag des Tierschutzverbandes auch Eichhörnchen oder aus dem Nest gefallenen Vögel großgezogen. Die beiden Senioren wollen sich in Gießmannsdorf zur Ruhe setzen und in dem kleinen Haus ihren Lebensabend genießen. Ruhe aber kehrt nicht ein. Am Montag kamen die drei Katzen, am Dienstag wurde Paulchen, ein zugelaufener Kater, kastriert. Der teilt sich das Futter jetzt mit der Katze Maxi, die aus Spanien stammt. Für die Igel ist im Garten ein Futterplatz eingerichtet und auch den Wellensittichen, Kanarienvögeln sowie der Taube mit nur einem Flügel geht es in der Voliere gut. Die Tierfreundin kann hungrige oder kranke Tiere nicht links liegen lassen. „Das sind Kreaturen, um die wir uns kümmern müssen“ , sagt Ingrid Stephan.

Hintergrund Katzen-Kastrationen
  Über das Tierheim Druschke besteht die Möglichkeit, frei lebende Katzen kastrieren zu lassen. Dafür haben das Land finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Auch Mitgliedsbeiträge der Tierschützer sowie Spenden machen dies möglich.
Weitere Informationen dazu geben die Mitarbeiter des Tierheimes in Langengrassau, Dorfstraße 23, auch telefonisch unter der Rufnummer 035454/5 32.