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Gießmannsdorfer streiten mit Straßenverkehrsbehörde um Tempo 30 vor Kita

Kita-Leiterin Silke Wehner öffnet den Kita-Eingang von der Bundesstraße, über den sich Ort und Kreisbehörde streiten.
Kita-Leiterin Silke Wehner öffnet den Kita-Eingang von der Bundesstraße, über den sich Ort und Kreisbehörde streiten. FOTO: be
Gießmannsdorf. Eine Kita an der Bundesstraße 96, kaum Gehwege im Dorf, dafür aber eine unübersichtliche Kurve an der Kreuzung Lindenallee: Gleich mehrere Gründe haben die Gießmannsdorfer, für Tempo 30 zu kämpfen. Fast schien es nach einem Vor-Ort-Termin mit der Straßenverkehrsbehörde Dahme-Spreewald im Frühjahr, als wären sie am Ziel. Carmen Berg

Doch die aus Dorfsicht damals verbindlich zugesicherte Anordnung des generellen Tempolimits blieb aus. Lediglich für Laster wurde die Geschwindigkeit zwischen 6 bis 17 Uhr reduziert. "Das reicht uns nicht. Wenn Pkw zu schnell fahren, ist das für die Kinder genau so gefährlich", sagt Ortsbeiratsmitglied Uwe Vogt.

Bestärkt fühlen sich die Gießmannsdorfer durch eine Neuregelung zur Straßenverkehrsordnung, wonach Tempo 30 vor sozialen Einrichtungen wie Kitas und Schulen flächendeckend zu Regel wird. "Die unteren Straßenverkehrsbehörden sind jetzt verpflichtet, die Neuregelung zeitnah umzusetzen", ließ noch im Juli Brandenburgs Minister für ländliche Entwicklung Jörg Vogelsänger (SPD) verlauten.

"Der Gesetzestext ist eindeutig", so sehen es Uwe Vogt und Kita-Leiterin Silke Wehner. Die Straßenverkehrsbehörde hingegen erklärt in einem Schreiben an die Kita-Leiterin, die Anordnung der Geschwindigkeitsreduzierung sei kein Automatismus. Sie sei auch weiterhin an Bedingungen geknüpft. Ein Knackpunkt bei der Kita "Waldwichtel": Sie habe keinen unmittelbaren Zugang zur Hauptverkehrsstraße. Das sehen die Gießmannsdorfer anders.

Zwar werde bisher meist ein seitlicher Zugang aus Richtung des Wohngebietes Am Essfeld benutzt, denn auf einer freien Grünfläche gegenüber bieten sich ausreichend Parkmöglichkeiten, räumen sie ein. Doch das kann sich Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) zufolge sehr bald ändern. Die Stadt hat die Umwandlung der betroffenen Fläche von einem Mischgebiet mit Gewerbenutzung in ein reines Wohngebiet auf den Weg gebracht. "Wenn Leute hier bauen, fällt das Parken weg." sagt der Bürgermeister.

Olaf Schulze (CDU) kennt das Kita-Gebäude noch als Schule. "Immer war der Eingang von der Bundesstraße." CDU-Bundestagskandidatin Jana Schimke will jetzt die Auffassung der Straßenverkehrsbehörde beim zuständigen Ministerium rechtlich prüfen lassen.

Wie Ortsvorsteher Thomas Weichert erklärt, brennt dem Dorf das Thema auch deshalb besonders auf den Nägeln, weil sie mit einem anderen Vorhaben, das ebenfalls mehr Sicherheit bringen sollte, in letzter Sekunde gescheitert sind: Die Weiterführung des Radweges an der B 96 von Wierigsdorf bis auf die Höhe der Gießmannsdorfer Kita "Waldwichtel" liegt, wie berichtet, auf Eis. Silke Wehner zeigt, was das für die Kita, die auf ein Naturkonzept setzt, bedeutet. Vor der Kita fehlt ein Gehweg. Um auf den gegenüberliegenden Waldweg zu kommen, gehen die Erzieher mit den Kindern über eine Wiese und müssen dann eine Lücke im Verkehr abpassen. Alternativ nutzen sie einen schmalen Gehweg in den Ort hinein, um im steilen Kurvenbereich die Bundesstraße in Richtung Lindenallee zu passieren. Thomas Weichert sagt, von der inakzeptablen Situation am Waldweg sind neben Kita-Kindern auch die vielen Mitglieder des Sportvereins sowie ältere Bürger betroffen, die sich im Sporthaus am Wald zu Veranstaltungen treffen.

Uwe Vogt verweist auf eine rasante Erfolgsgeschichte der Kita. 2014 fast tot gesagt, musste sie jetzt ihre Plätze sogar aufstocken. Demnächst werden dort 40 Kinder betreut. "Doch die Infrastruktur hängt hinterher", sagt er. In Dahme gelte auf der gesamten Ortsdurchfahrt der B 102 nicht nur für Lkw Tempo 30. "Warum ist woanders möglich, was in Gießmannsdorf angeblich nicht geht"", fragt sich Uwe Vogt.