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Geschichtsbuch über den Spreewald-Kahn

Widmungen waren gefragt bei Peter Becker (v.) und Bernd Marx. Das Buch kostet 19,90 Euro. Es ist unter anderem im Buchhandel, im Großen Hafen Lübbenau und im Spreewaldmuseum erhältlich.
Widmungen waren gefragt bei Peter Becker (v.) und Bernd Marx. Das Buch kostet 19,90 Euro. Es ist unter anderem im Buchhandel, im Großen Hafen Lübbenau und im Spreewaldmuseum erhältlich. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Der "Faszination Spreewaldkahn" widmet sich ein gleichnamiges Buch, das jetzt in Lübbenau vorgestellt worden ist. Auf gut 120 Seiten gibt es damit erstmals einen Überblick über eines der wichtigsten Symbole der Region, das gleichzeitig Basis des Lebensunterhaltes ist. Jan Gloßmann

Vor 25 Jahren haben Brüsseler Bürokraten eine Art Gesetz erlassen, das - verkürzt gesagt - die Krümmung einer Gurke festlegt. Das hat damals viele Lacher ausgelöst; vor vier Jahren ist die Verordnung wieder abgeschafft worden. Und natürlich gibt es auch für das zweite große Symbol des Spreewaldes, den Kahn, Vorschriften: Die Autoren Peter Becker (Raddusch) und Bernd Marx (Boblitz) haben sie in ihr Buch "Faszination Spreewaldkahn" aufgenommen: Von Amts wegen hat ein Kahn 9,50 Meter lang zu sein und darf höchstens 1,90 Meter breit sein.

Dass sich die beiden durch ihre Beiträge in der RUNDSCHAU bekannten Verfasser des Buches ansonsten eher weniger um solche Normen scheren, ist eine der Stärken des Buches, die beim ersten Durchblättern auffallen: Sie bieten einen Streifzug durch die teils bunte Welt der Spreewaldkähne. Dabei ist der Kahn "mehr als ein Wasser-Gefährt, sondern ein Stück Heimat", wie RUNDSCHAU-Chefredakteur Johannes M. Fischer in seinem Grußwort bei der Präsentation betonte. Und es sind über 200 Fährleute in Lübbenau, die als Kleinunternehmer oder Freizeitkapitäne ihren Lebensunterhalt oder ein Zubrot mit dem Kahnfahren verdienen. Allein in Lübbenau sind es jährlich etwa 400 000 Gäste, die in den Kähnen durch den Spreewald gestakt werden - ein Wirtschaftsfaktor.

Das war der Kahn zu allen Zeiten, seit er sich vor etwa 150 Jahren etablierte. Freilich wechselte seine Bedeutung, und die Autoren machen das in zwei großen Kapiteln deutlich: "Kahnbau früher und heute" sowie "Früher mehr, heute weniger: Der Kahn bestimmt(e) das Leben". Lange war der das Fortbewegungsmittel schlechthin, und so ist es kein Wunder, dass der Kahn bei Hochzeiten und Trauerzügen, für Flucht und Forschung, zur Jagd, zum Heu- oder Viehtransport, zur Müllabfuhr, für den Schulweg oder den Konsum, die Milch- und die Bierlieferung, natürlich von der Post, der Polizei und der Feuerwehr genutzt wurde und wird.

Akribisch haben Becker und Marx Informationen, Anekdoten und Offizielles zusammengetragen, Menschen getroffen die ihre Kahn-Geschichten erzählen, ihre Fotokästen öffneten. Heraus kam eine Aufnahme, die Max Schmeling als Jäger im Kahn zeigt, oder der Bescheid von 1977, dass der erste und einzige Kahn aus Plaste zugelassen worden ist. Herausgekommen ist ein lesens- und anschauenswertes Buch.