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| 14:45 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour
Die nicht ganz so gute, alte Zeit

Viele schaurigen Geschichten, die Tilo Wolf, Leiter des Dahmer Heimatmuseums, recherchierte, spielten sich auf und um dem Töpfermarkt ab: Brände, Hinrichtungen, ein tragischer Unfall.
Viele schaurigen Geschichten, die Tilo Wolf, Leiter des Dahmer Heimatmuseums, recherchierte, spielten sich auf und um dem Töpfermarkt ab: Brände, Hinrichtungen, ein tragischer Unfall. FOTO: LR / Stephan Meyer
Dahme/Mark. Geschichten von Mord und Totschlag bei der RUNDSCHAU-Sommertour in Dahme. Von Stephan Meyer

„Die waren früher nicht zimperlich“, so Tilo Wolf. Diese Worte wiederholt der Leiter des Dahmer Heimatmuseums öfter während der RUNDSCHAU-Sommertour am Dienstagabend. Wolf führt die Teilnehmer zu Plätzen der Stadt, an denen sich in der „guten alten Zeit“ zum Teil schaurige Geschichten abspielten. „Es geht um Mord, Totschlag, Diebstähle und Seuchen“, stellt er gleich zu Beginn der Tour klar. Er stellt klar, die vermeintlich gute alte Zeit, wie von manchen die Vergangenheit verklärt wird, war gar nicht so gut. Der Museumsleiter legt Wert auf Ehrfurcht, wenn es um die Schicksale der Menschen, in den von ihm geschilderten Geschichten, geht. Die Begebenheiten sollen nicht boulevardesk ausgeschöpft werden. Auf die Namen verzichtet er weitgehend. Die Familiennamen der Protagonisten sind zum Teil heute noch in Dahme geläufig.

Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Zugegeben, die Parameter sind für die RUNDSCHAU-Sommertour nicht die besten: Ein verregneter Vormittag und das zweite WM-Halbfinale versprachen kein großen Besucheransturm. Dennoch finden sich rund zehn Teilnehmer für eine Stadtführung der besonderen Art beim Heimatmuseum zusammen.

Mit einem Sprung aus dem mittleren Schallloch des Kirchturms der Sankt Marien Kirche, begann ein Tischlermeister, in der vermeintlich guten, alten Zeit, Selbstmord.
Mit einem Sprung aus dem mittleren Schallloch des Kirchturms der Sankt Marien Kirche, begann ein Tischlermeister, in der vermeintlich guten, alten Zeit, Selbstmord. FOTO: LR / Stephan Meyer

Die erste Reise in die Vergangenheit führt die Besucher ins Jahr 1868 auf dem Töpfermarkt. Eine Spielgruppe ist zu Gast. Die besondere Attraktion der Schausteller ist eine Akrobatin, die ein Hochseil entlang balanciert – vom Marktboden bis zu einem Dachfirst. Fast am Ziel reißt jedoch die Leine während einer Vorstellung. Infolge des Sturzes verletzte sich die Akrobatin fürchterlich. Bei einer anschließenden Untersuchung wurde festgestellt, dass jemand das Seil angeschnitten haben muss. Entgegen der meisten Geschichten, die der Museumsleiter an dem Abend schildert, hat diese jedoch ein glückliches Ende. Die Seiltänzerin wurde wieder gesund und zog mit der Schaustellergruppe weiter. Der Täter hingegen wurde nie gefunden.

Die Hauptstraße Richtung Luckau war die vorletzte Station, an der Tilo Wolf halt machte. Dort ereigneten sich mehrere Fälle von Rowdytum.
Die Hauptstraße Richtung Luckau war die vorletzte Station, an der Tilo Wolf halt machte. Dort ereigneten sich mehrere Fälle von Rowdytum. FOTO: LR / Stephan Meyer

Sehr makaber müssen die Hinrichtungen auf dem Marktplatz gewesen sein, von denen es Wolf zufolge, „genug gegeben“ hat. Die letzte Hinrichtung geschah 1739, bei dem ein Vatermörder sein Leben lassen musste. Zu den Hinrichtungen musste immer der Knabenchor der Kirche antreten. Für jede Hinrichtungsart hatte der damalige Intendant ein passendes Lied verfasst.

Die Folgen der von Wolf zu Beginn angekündigten Seuchen liegen unter dem Areal der Sankt Marien Kirche. „Wir stehen hier auf einem Friedhof“, so der Museumsleiter. Viele Massengräber befinden sich dort unter der Erde. Im 18. Jahrhundert wütete eine Scharlach- und eine Blatternepidemie in der Stadt. Den heutigen Friedhof gibt es erst seit circa 1900. Während der Tour hat Wolf noch viele Geschichten parat und führt die Besucher über die Schlossruine, vorbei zum alten Kornspeicher, entlang der Hauptstraße zum Rathaus. Wer selbst einmal die schaurigen Seiten von Dahme kennenlernen will, kann eine Führung beim Heimatmuseum anfragen.